Josef Teufl 1904 - 1945 Edit
Born 23.11.1904 in Wien
Died 28.4.1945 in Mauthausen
Biography
Josef Teufl wurde am 24. November 1904 in Wien geboren. Er war der uneheliche Sohn eines Musiklehrers und einer Krankenschwester.
Nach dem Besuch von Volks- und Bürgerschule absolvierte Teufl von 1919 bis 1922 in der Lokomotivfabrik Krauss in Linz eine Lehre als Schlosser. Bei Krauss war er auch nach dem Lehrabschluss noch tätig. Von 1926 bis 1929 arbeitete Teufl in den Steyr-Werken, wo er sich der revolutionären Arbeiterbewegung annäherte. Vor allem die zunehmende Einführung der Akkordarbeit und die Zustände in der Fabrik schärften sein politisches Bewusstsein. 1929 wurde Teufl schließlich Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Im selben Jahr wechselte Sepp Teufl als Maschinenschlosser in die Linzer Tabakfabrik.
Diese Stelle hatte ihm seine Frau Johanna (geb. Leeb) verschafft, die er 1927 geheiratet hatte. Johanna Teufl war schon längere Zeit in der Tabakfabrik als Arbeiterin tätig. Sie brachte ihren Sohn Otto in die Ehe mit, gemeinsam mit Sepp Teufl sollte sie noch zwei weitere Kinder haben – Ingeborg (*1926) und Josef (*1944).
Sepp Teufl war wie sein Vater sehr musikalisch, konnte jedoch aufgrund der Umstände keine entsprechende Laufbahn einschlagen, sondern musste wie erwähnt einen „handfesten“ Lehrberuf ergreifen. Er pflegte jedoch sein Talent in der Freizeit, spielte Mandoline – ein Modeinstrument in der damaligen Zeit – und gründete ein Quartett.
In der Linzer Tabakfabrik engagierte sich Teufl gewerkschaftlich, und schon bald wurde er zum Betriebsrat gewählt. Von 1932 bis zum Verbot der Gewerkschaften war er Vertrauensmann der Tabakarbeitergewerkschaft. Sepp Teufl war in der Linzer Arbeiterbewegung – weit über die KPÖ hinaus – bekannt und geachtet. Er verfügte auch über gute Kontakte zu linken sozialdemokratischen Kreisen und bemühte sich um eine Zusammenarbeit im Kampf gegen die drohende Zerschlagung der Arbeiterbewegung. So trat Teufl beispielsweise im Herbst 1933 bei einer Veranstaltung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAP) in Linz als Gegenredner zu Otto Bauer auf.
Nach dem Verbot der KPÖ im Mai 1933 durch die Regierung Dollfuß wurde Sepp Teufl Landesobmann der KPÖ Oberösterreich. Unter dem Decknamen „Brand“ leistete er illegale politische Arbeit und wurde im September 1933 zum ersten Mal verhaftet.
An den Februarkämpfen 1934 in Linz nahm Teufl aktiv teil. Nach Flugblattaktionen und weiterer illegaler Arbeit verlor Teufl seinen Arbeitsplatz in der Tabakfabrik. Zwischen September 1934 und März 1935 hatte er zudem eine sechsmonatige Polizeistrafe wegen „kommunistischer Umtriebe“ und „staatsfeindlicher Handlungen“ abzusitzen. Während der Haft wählte ihn der 12. Parteitag der KPÖ in Prag im September 1934 zum Mitglied des Zentralkomitees. In den Jahren danach folgten mehrere Verhaftungen und Verurteilungen, auch wurde Sepp Teufl 1936 in das Anhaltelager Wöllersdorf eingewiesen. Während seiner diversen Aufenthalte in der Haft lernte er auch einige illegale Nationalsozialisten kennen und stritt mit ihnen über politische Fragen. Auch der spätere Gauleiter August Eigruber war einmal sein Zellengenosse.
Das Angebot, in die Schweiz ins Exil zu gehen, lehnte Teufl ab. Für seine Familie war diese Zeit sehr schwierig und Teufls Gattin Johanna musste mit ihrer Tätigkeit in der Tabakfabrik für das Einkommen sorgen.
Im Zuge des „Anschlusses“ kam Sepp Teufl im März 1938 für kurze Zeit in Haft. Nun setzte jedoch das Werben der Nationalsozialisten um den anerkannten Arbeiterführer ein. Persönlich wurde er von einem Funktionär mit den Worten aus der Zelle geholt: „Na, Sepp, jetzt siehst du, dass wir gewonnen haben, jetzt wirst du einen Aufschwung erleben! Unsere Partei ist eine richtige Arbeiterpartei! Wir werden euch zeigen, was wir zu leisten imstande sind, und dann hoffen wir, dass du ein Unsriger wirst.“ Teufl auf die Seite der Nationalsozialisten zu ziehen, wäre ein guter propagandistischer Schachzug gewesen. Das NS-Regime gab ihm auch die Arbeit in der Tabakfabrik zurück. Parallel dazu wurde Teufl aber von der Gestapo streng überwacht. Diese schrieb am 16. August 1939 nach Berlin: „Teufl ist heute noch fanatischer Kommunist, verhält sich zwar momentan zurückgezogen, doch ist im Ernstfall mit seiner Aktivität zu rechnen.“
Wie nicht zuletzt dieser Bericht zeigt, waren alle Verlockungen und Drohungen des NS-Regimes umsonst – Sepp Teufl blieb ein scharfer Gegner der Nationalsozialisten und hielt seiner antifaschistischen Einstellung die Treue. Er betrieb weiterhin illegale Arbeit und war eine beliebte Ansprech- und Auskunftsperson für links eingestellte Menschen. Man gab viel auf seinen Rat – vor allem in jenen Zeiten, als das Deutsche Reich überall auf dem Vormarsch war und der Nationalsozialismus einen Sieg nach dem anderen feierte. Teufl richtete eine illegale Druckerei ein, verfasste und erzeugte selbst Flugblätter und war ab 1940 Vorsitzender der neuen Landesleitung der KPOÖ.
Wegen politischer Unzuverlässigkeit wurde Sepp Teufl auch nicht zur Wehrmacht eingezogen, sondern arbeitete weiterhin in der Tabakfabrik. Nachdem sich Teufl geweigert hatte, ein Parteiamt der NSDAP zu übernehmen – Gauleiter Eigruber hatte ihm dies persönlich nahegelegt – wurde er im Juli 1943 nach Winniza in die Ukraine geschickt, um sich dort vom „wahren Gesicht des Bolschewismus“ zu überzeugen. Wieder zuhause musste Teufl in der Tabakfabrik in Vorträgen über seine Reise berichten. Dies war für ihn eine Gratwanderung – einerseits drohte ihm Repression, andererseits wollte ihn das Regime als Überläufer vorführen. Nach ein paar Rednereinsätzen wurde Teufl jedoch das Wort entzogen.
Im Jahr 1944 wurde schließlich durch einen Spitzel die Organisation der KPÖ im oberösterreichischen Zentralraum („Welser Gruppe“) aufgedeckt, und eine Verhaftungswelle war die Folge. Obwohl Sepp Teufl von einer Genossin geraten wurde zu flüchten, wollte er seine Familie nicht zurücklassen. Er fürchtete, dass sie sonst im Zuge der Sippenhaftung Repressionen zu erwarten hätte.
Am 9. September 1944 verhaftete die Gestapo Sepp Teufl bei seinem Haus im Linzer Industriegebiet. An diesem Tag sah er seine Familie – Sohn Josef war erst ein halbes Jahr - zum letzten Mal. Nach langer Ungewissheit erfuhr die Familie im Dezember 1944, dass sich Sepp Teufl im KZ Mauthausen befand. Zusammen mit rund 100 oberösterreichischen Antifaschisten war er verhaftet und dorthin gebracht worden. Viele von ihnen fanden gleich in der ersten Zeit nach der Ankunft durch die Misshandlungen der SS den Tod bzw. wurden von dieser ermordet.
Insgesamt konnte Sepp Teufl fünf Briefe aus dem KZ Mauthausen an seine Familie schreiben. Die Briefe waren trotz der furchtbaren Bedingungen im KZ voller Zuversicht und Sepp Teufl versuchte, seine Frau und seine Kinder zu trösten und sie zu ermutigen. Durch seinen Einsatz als Schmiedehelfer außerhalb des Lagers konnte er auch einige illegale Nachrichten abschicken. Am 30. März 1945 schrieb Sepp Teufl in seinem letzten aus dem KZ Mauthausen geschmuggelten Kassiber: „Wenn die Ereignisse so forteilen wie gerade jetzt, so hoffe ich auf ein recht, recht baldiges Wiedersehen. Wir alle befinden uns hier in Höchstspannung und jeder malt schon die nahe Zukunft in den rosigsten Farben. Meine Rechnung geht jetzt bis 1. Mai.“
Sepp Teufl versuchte auch im KZ eine Organisation aufzubauen und Leute für den Ernstfall zu gewinnen. Ein Ausbruchsversuch scheiterte jedoch im April 1945.
Als die baldige Ankunft der Alliierten selbst für die fanatischsten Nationalsozialisten absehbar war, ließ Gauleiter Eigruber die oberösterreichischen Antifaschisten durch einen persönlichen Befehl ermorden. Die alliierten Truppen sollten „keine aufbauwilligen Kräfte“ vorfinden.
In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 wurden 42 Oberösterreicher in der Gaskammer von Mauthausen ermordet – unter ihnen Sepp Teufl. Nur einer der für die Ermordung vorgesehenen Häftlinge, Richard Dietl, überlebte und legte nach der Befreiung Zeugnis über das Schicksal der im September 1944 verhafteten Oberösterreicher ab. Laut seiner Aussage ahnte Sepp Teufl die Absicht der SS, wollte trotz seiner relativ guten psychischen und körperlichen Verfassung aber nicht flüchten, sondern bei seinen Kampfgefährten bleiben.
Die Aktion in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 war die letzte Ermordung durch Gas im KZ Mauthausen.
Sepp Teufls Familie musste nach seinem Tod eine schwere Zeit durchleiden. Sie wurden zwar als Hinterbliebene eines NS-Opfers und Widerstandskämpfers anerkannt, trotzdem war ihre soziale Lage nicht einfach. Teufls Gattin Johanna verstarb schon 1962 an Herzversagen. Wie ihre Tochter Ingeborg war sie im KZ-Verband Oberösterreich aktiv. Noch 1945 wurde in Linz eine Straße nach Sepp Teufl benannt.
Harald Grünn
KZ-Verband Oberösterreich
Harald Grünn, geb. 1971, Landesvorsitzender des Landesverbands Oberösterreich der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA OÖ).
Josef Teufl was born on 24 November 1904 in Vienna. He was the illegitimate son of a music teacher and a nurse.
After attending primary and secondary school, Teufl was apprenticed as a metal worker at the Krauss locomotive factory in Linz from 1919 to 1922. He remained working at Krauss after completing the apprenticeship. From 1926 to 1929 Teufl worked at the Steyr factory, where he started to get involved in the revolutionary workers’ movement. In particular the growing introduction of piece work and conditions in the factory heightened his political awareness. In 1929 Teufl finally became a member of the Communist Party of Austria (KPÖ). That same year Sepp Teufl moved to the Linz tobacco processing plant as a machine fitter.
This job had been procured for him by his wife, Johanna (née Leeb), whom he had married in 1927. Johanna Teufl had already been working at the tobacco factory for a long time. She brought her son Otto into the marriage and she and Sepp Teufl had two more children – Ingeborg (*1926) and Josef (*1944).
Like his father, Sepp Teufl was very musical but circumstances dictated that he could not follow that career path and instead had to learn a ‘useful’ trade, as mentioned above. But he did nurture his talent in his free time by playing the mandolin – a fashionable instrument at the time – and founding a quartet.
Teufl was involved in the union at the Linz tobacco processing plant and was soon elected to the works council. From 1932 until the unions were banned he was the representative for the tobacco workers’ union. Sepp Teufl was well-known and respected within the Linz workers’ movement – well beyond the sphere of the KPÖ. He had good contacts to left-wing, social democratic circles and sought to coordinate efforts in the struggle against the threatened suppression of the workers’ movement. In autumn 1933, for example, Teufl spoke opposite Otto Bauer at an event organised by the Social Democratic Workers’ Party of German Austria (SDAP).
After the KPÖ was banned by the Dollfuß government in May 1933, Sepp Teufl became chairman of the Upper Austrian KPÖ. He carried out illegal political work under the codename ‘Brand’ and was arrested for the first time in September 1933.
Teufl was actively involved in the fighting in Linz in February 1934. Distributing leaflets and other illegal work caused Teufl to lose his job at the tobacco factory. He also had to serve a six month custodial sentence from September 1934 to March 1935 for ‘Communist activities’ and ‘subversive actions’. During his imprisonment the 12th Party Conference of the KPÖ in Prague in September 1934 voted him on to the Central Committee. The following years brought several more arrests and convictions, with Sepp Teufl one of those sent to the Wöllersdorf internment camp in 1936. During his various spells in prison he also got to know several illegal National Socialists and argued political questions with them. Even the future Gauleiter August Eigruber was once his cellmate.
Teufl refused an offer to go into exile in Switzerland. This was a very difficult period for his family and Teufl’s wife Johanna had to provide their livelihood from her work at the tobacco factory.
During the ‘Anschluss’ (‘Annexation’) of Austria, Sepp Teufl was imprisoned in March 1938 for a short time. Now, however, the National Socialists began to court the prominent workers’ leader. He was collected in person from his cell by a functionary with the words: ‘So Sepp, you can see now that we’ve won, now you’ll see things get better! Our party is a real workers’ party! We’ll show you what we can get done, and then we hope you’ll become one of us.’ Bringing Teufl over to the National Socialists would have been a good move in propaganda terms. The Nazi regime also gave him back his job at the tobacco processing plant. Yet at the same time Teufl was placed under strict Gestapo surveillance. On 16 August 1939 they wrote to Berlin: ‘Teufl is still a fanatical Communist. He may be keeping himself in check at the moment but his activity is a serious prospect to be reckoned with.’
As shown not least by this report, all the temptations and threats of the Nazi regime were for nought – Sepp Teufl remained a harsh critic of the National Socialists and stayed true to his antifascist beliefs. He continued to carry out illegal work and was a popular contact person and source of information for those on the left. Much store was set by his advice – especially during the period when the German Reich was on the advance everywhere and National Socialism was celebrating one victory after another. Teufl set up an illegal printing press, wrote and produced his own leaflets and, from 1940, was chairman of the new leadership of the Communist Party of Upper Austria.
Political unreliability meant that Sepp Teufl was not called up for military service in the Wehrmacht and instead continued to work at the tobacco factory. After Teufl refused to accept a position in the NSDAP – a personal suggestion from Gauleiter Eigruber – he was sent to Vinnytsia in Ukraine in July 1943 in order to satisfy himself of the ‘true face of Bolsheivsm’. Back home Teufl had to give lectures at the tobacco factory reporting on his trip. This was a balancing act for him – on the one hand the threat of repressive measures hung over him, on the other the regime was trying to present him as a defector. After one or two appearances however, Teufl was asked to stop giving talks.
Finally, in 1944, a spy exposed the KPÖ’s organisation in the central region of Upper Austria (‘Wels Group’), which led to a wave of arrests. Although Sepp Teufl was advised by a comrade to flee he did not want to leave his family behind. He feared that otherwise they could expect reprisals as part of family punishment measures (Sippenhaftung).
On 9 September 1944 the Gestapo arrested Sepp Teufl near his house in Linz’s industrial district. On this day he saw his family – his son Josef was only six months old – for the last time. After a long period of uncertainty the family learned in December 1944 that Sepp Teufl was in the Mauthausen concentration camp. He had been arrested and taken there together with around 100 Upper Austrian antifascists. Many of them met their deaths in the first days after arrival through maltreatment by the SS or were murdered by its members.
Sepp Teufl was able to send a total of five letters to his family from Mauthausen concentration camp. Despite the terrible conditions in the concentration camp, the letters were full of confidence and Sepp Teufl tried to reassure his wife and children and instil courage in them. Through his deployment as a blacksmith’s assistant outside the camp he was also able to send some messages illegally. On 20 March 1945 Sepp Teufl wrote in his last secret message smuggled out of the camp: ‘When events continue to hasten as they do now then I hope that we will see each other very, very soon. All of us here are at fever pitch and each of us is already painting the future in the rosiest of colours. My calculation is now for 1 May.’
Sepp Teufl also tried to build up an organisation in the concentration camp and win people over for if the worst happened. However, an escape attempt in April 1945 failed.
When the imminent arrival of the Allies was foreseeable even for the most fanatical of National Socialists, Gauleiter Eigruber had the Upper Austrian antifascists murdered on his personal command. The Allied troops should find no ‘forces capable of reconstruction’ at their disposal.
In the early hours of 29 April 1945, 42 Upper Austrians were murdered in the gas chamber of Mauthausen – Sepp Teufl among them. Only one prisoner marked for death, Richard Dietl, survived and after liberation was able to report on the fate of the Upper Austrians arrested in September 1944. According to his statement, Sepp Teufl guessed the intentions of the SS yet, in spite his relatively good mental and physical condition, did not flee but remained with his comrades.
The operation on the night of 28-29 April 1945 was the final murder to be committed using gas at the Mauthausen concentration camp.
After his death, Sepp Teufl’s family endured a difficult period. While they were recognised as the surviving dependents of a Nazi victim and resistance fighter, their social situation was not easy. Teufl’s wife Johanna died as early as 1962 of heart failure. Like her daughter Ingeborg she had been active in the KZ-Verband Oberösterreich.[1] In 1945 a street in Linz was named after Sepp Teufl.
Harald Grünn
KZ–Verband Oberösterreich
Translation into English: Joanna White
[1] Translator’s note: the Upper Austrian branch of the KZ-Verband, a national survivors’ association.
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