Born 17.11.1907 in London Died 28.4.1945 in Mauthausen
Biography
Willibald Zelger wurde am 17. November 1907 in London als Sohn von Lilian und Willibald Zelger geboren. Sein Vater stammte ursprünglich aus Südtirol, war um die Jahrhundertwende Fotograf in London gewesen und kehrte kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach Österreich zurück, da er als österreichischer Staatsbürger interniert worden wäre. Zelger sen. gründete während des Krieges in Wels eine Pferdeschlachterei, aus der sich im Laufe der Zeit die Fleischindustrie W. Zelger entwickelte. Willibald Zelger jun. war musisch begabt und wollte die Fleischhauerei nicht übernehmen. Er schlug schließlich eine Laufbahn als Elektriker ein.
Am 17. Mai 1941 wurde Zelger wegen Abhörens ausländischer Rundfunksender verhaftet und zu 15 Monaten Zuchthaus verurteilt. Seine Haft saß er im Landesgericht Linz und in der Strafanstalt Garsten ab. Da er britischer Staatsbürger war, wurde Zelger jun. von seiner Familie immer aufgefordert, in die Schweiz zu flüchten. Er wollte jedoch seine Verlobte Anna und seinen Vater nicht zurücklassen.
Als „feindlicher Ausländer“ benötigte Zelger zur Eheschließung eine „Befreiung von der Beibringung eines Ehefähigkeitzeugnisses“ durch „den Reichsführer SS Reichsinnenminister“. Diese wurde ihm mit der Auflage erteilt, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft annehme.
1944 schloss sich Willibald Zelger der „Welser Gruppe“ an, einer illegalen Organisation, der vor allem, aber nicht nur, Kommunistinnen und Kommunisten angehörten. Die Gruppe wurde von einem Spitzel verraten, und rund 100 Personen im Großraum Linz, Wels und Gmunden wurden verhaftet. Willibald Zelger wurde am 7. September 1944, fünf Tage vor der geplanten Hochzeit mit seiner Verlobten Anna Kalcher, inhaftiert und in das KZ Mauthausen überstellt. Seine Verlobte war bei der Verhaftung bereits schwanger. Sie versuchte in der Folge unermüdlich, Kontakt zu Willibald Zelger aufzunehmen, was jedoch immer wieder von der Gestapo und der SS verhindert wurde. Wie ein Bericht des Überlebenden Richard Dietl schildert, wurden die inhaftierten Mitglieder der „Welser Gruppe“ von Beginn an schwer misshandelt, manche schon früh nach ihrer Ankunft von der SS ermordet.
Im Jänner 1945 gebar Anna Kalcher im siebten Schwangerschaftsmonat einen Sohn, der ebenfalls den Vornamen Willibald erhielt. Gleichzeitig musste sie nun um das Leben ihres Sohnes sowie ihres Verlobten bangen. Diese schreckliche Zeit mit ihren Traumatisierungen stellte auch nach der Befreiung eine große Bürde für Anna Kalcher dar, nicht zuletzt in gesundheitlicher Hinsicht.
Da die Alliierten nach seinem Willen keine „aufbauwilligen Kräfte“ vorfinden sollten, ließ Gauleiter Eigruber die im KZ Mauthausen inhaftierten oberösterreichischen Antifaschisten kurz vor der Befreiung ermorden. In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 wurden 42 Menschen, unter ihnen Willibald Zelger, in der Gaskammer von Mauthausen umgebracht.
Harald Grünn
KZ-Verband Oberösterreich
Harald Grünn, geb. 1971, Landesvorsitzender des Landesverbands Oberösterreich der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA OÖ).
Willibald Zelger was born on 17 November 1907 in London, the son of Lilian and Willibald Zelger. His father originally came from South Tyrol, had worked as a photographer in London around the turn of the century and returned to Austria shortly before the outbreak of the First World War to avoid internment as an Austrian citizen. During the war Zelger Sen. set up a horse butcher’s in Wels, which grew over time into the firm Fleischindustrie W. Zelger. Willibald Zelger Jun. was musically talented and did not want to take over the meat business. In the end he pursued a career as an electrician.
On 17 May 1941 Zelger was arrested for listening to foreign radio broadcasts and sentenced to 15 months’ imprisonment. He served his sentence at Linz regional court and Garsten prison. Since he was a British citizen, Zelger Jun.’s family kept pressing him to flee to Switzerland. However, he did not want to leave behind his fiancée Anna or his father.
As an ‘enemy alien’ Zelger needed an ‘Exemption from Provision of a Certificate of no Impediment to Marriage’ from the ‘Reich Chief of the SS Reich Interior Minister’ in order to marry. This was granted him on condition that he take German citizenship.
In 1944 Willibald Zelger joined the ‘Wels Group’, an illegal organisation made up mainly, but not exclusively, of Communists. The group was betrayed by a spy and around 100 people in the Linz, Wels and Gmunden area were arrested. Willibald Zelger was imprisoned on 7 September 1944, five days before his planned wedding to Anna Kalcher, and transferred to the Mauthausen concentration camp. His fiancée was already pregnant at the time of his arrest. Subsequently she tried relentlessly to make contact with Willibald Zelger but was blocked time and again by the Gestapo and the SS. As described in a report by the survivor Richard Dietl, the members of the ‘Wels Group’ who had been imprisoned were mistreated from the beginning, with some being murdered by the SS shortly after their arrival.
In January 1945 Anna Kalcher gave birth at seven months to a son who was also named Willibald. Now she had to fear for the lives of both her son and her fiancée at the same time. This terrible time and its traumatisations bore heavily on Anna Kalcher, even after liberation, and not least in terms of her health.
Since Gauleiter Eigruber’s wanted to leave the Allies no ‘forces capable of reconstruction’, he had the Upper Austrian antifascists imprisoned at Mauthausen concentration camp murdered shortly before liberation. On the night of 28 to 29 April 1945, 42 people, among them Willibald Zelger, were murdered in the gas chamber at Mauthausen.