Born 24.9.1897 in Radziechów Died 3.2.1945 in Gusen
Biography
Władysław Bober wurde am 24. September 1897 in Radziechów in der Woiwodschaft Tarnopol geboren. Diese Region gehörte in jener Zeit zu Österreich und von 1919 bis 1939 wieder zu Polen; heute ist sie Teil der Ukraine. Władysławs Eltern waren Rozalija und Antoni Bober. Unser Großvater, Antoni Bober, war Tischler und Organist in einer römisch-katholischen Kirche in Radziechów. Unser Vater, Władysław Bober, spielte ebenfalls manchmal Orgel in dieser Kirche. Als wir noch in Grudziądz lebten, spielte er für uns auch auf dem Harmonium.
In den Jahren 1916 bis 1918 war unser Vater zum Militärdienst in die österreichisch-ungarische Armee einberufen. Nach der Unabhängigkeit Polens meldete er sich am 1. Juni 1919 freiwillig zur polnischen Armee. Während des Polnisch-Sowjetischen Kriegs kämpfte er 1920 bei der Verteidigung der Stadt Zamość. Als Berufssoldat erlangte er den Rang des Oberwachtmeisters, obwohl er in dieser Zeit auch die berufliche Qualifikation zum Kanzlisten erwarb. In den Jahren 1924 bis 1939 diente er in der Armee in Grudziądz. Dort heiratete er 1925 Zofia Anna Zgoda. Sie bekamen fünf Kinder: Tochter Lucyna (1926), die beiden Söhne Tadeusz (1932) und Zygmunt (1935) sowie die Töchter Irena (1940) und Janina (1942). Noch vor dem Krieg, im August 1939, wurde die Militäreinheit in die kleine Stadt Staszów in der Woiwodschaft Sandomierz verlegt, wohin auch die Familie folgte.
Zu Kriegsbeginn, im September 1939, geriet unser Vater in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er aber bereits im Herbst desselben Jahres wieder entlassen wurde, und er konnte zur Familie nach Staszów zurückkehren. Wir wissen, dass er zu dieser Zeit die Gelegenheit hatte, seine Eltern in Radziechów ein letztes Mal zu sehen.
In Staszów nahm unser Vater unterschiedliche Arbeiten an, um für die Familie zu sorgen, so ging er beispielsweise auch hausieren. Als Kanzlist und weil er fließend Deutsch sprach, bekam er eine Stelle bei der deutschen Firma Ömler aus Stuttgart, die für die Armee Straßen baute.
Wir können uns gut an die Weihnachtsfeiern erinnern und an die Lieder, die der Vater gemeinsam mit dem Nachbarn gesungen hat. Sie sangen Weihnachtslieder und sogenannte Schäfergedichte auf Polnisch und Ukrainisch.
Im Moment der Festnahme durch den deutschen Sicherheitsdienst im März 1943 musste er seine Frau mit fünf Kindern alleine lassen: Lucyna (blind) war 17 Jahre alt, Tadeusz elf Jahre, Zygmunt neun Jahre, Irena drei Jahre und Janina acht Monate alt. Als die Patrouille des Sicherheitsdienstes zu uns kam und unseren Vater verhaften wollte, war er nicht zuhause. Er konnte sich damals verstecken. Als er jedoch erfuhr, dass seiner ganzen Familie die Festnahme drohte, falls er nicht gefunden würde, meldete er sich sofort beim Sicherheitsdienst.
Während die Wohnung nach unserem Vater durchsucht wurde, musste Zygmunt Zeuge einer grässlichen Szene werden. Die kleine Janina fing an, in ihrer Krippe jämmerlich zu weinen, woraufhin der Offizier der SD sofort mit der Pistole zur Krippe ging. Nur die verzweifelten Schreie der Mutter haben ihn davon abgehalten, die Waffe zu benutzen.
Den ersten Monat der Gefangenschaft verbrachte unser Vater im Gefängnis in Sandomierz, von wo er uns schrieb, dass er sehr bald zurückkommen würde, da er unter keiner Anklage stehen würde. Der nächste Brief kam dann leider schon aus Auschwitz.
1945 erklärte das Gericht unseren Vater für tot. Im Sommer 2014 fand unsere Familie schließlich heraus, dass der Vater/Großvater am 6. Dezember 1944 von Auschwitz ins KZ Gusen transportiert worden war, wo er am 3. Februar 1945 starb.
Tadeusz Bober / Zygmunt Bober / Irena Rutkowska / Joanna Schaller (Bober)
Tadeusz Bober, Zygmunt Bober und Irena Rutkowska sind die Kinder, Joanna Schaller (Bober) ist die Enkelin von Władysław Bober.
Władysław Bober was born on 24 September 1897 in Radziechów in the voivodeship of Tarnopol. At that time, this region belonged to Austria; from 1919 to 1939 it was back in Polish hands; today it is part of Ukraine. Władysław’s parents were Rozalija and Antoni Bober. Our grandfather, Antoni Bober, was a carpenter and an organist in a Roman Catholic church in Radziechów. Our father, Władysław Bober, also sometimes played the organ in this church. While we were living in Grudziądz he used to play the harmonium for us.
Between 1916 and 1918 our father was a conscript in the Austro-Hungarian army. After Poland achieved independence, he volunteered on 1 June 1919 for the Polish army. During the Polish-Soviet War he fought in 1920 in the defence of the city of Zamość. As a professional soldier, he rose to the rank of staff sergeant, although he also gained a professional qualification as a clerk at this time. Between 1924 and 1939 he served in the army in Grudziądz. He married Zofia Anna Zgoda there in 1925. They had five children: their first daughter, Lucyna (1926), two sons, Tadeusz (1932) and Zygmunt (1935) followed by daughters Irena (1940) and Janina (1942). Still before the war, in August 1939, his military unit was transferred to the small town of Staszów in the voivodeship of Sandomierz, with his family following him.
At the start of the war, in September 1939, our father was taken prisoner by the Russians, but was released in the autumn of the same year and was able to return to his family in Staszów. We know that he had the opportunity of seeing his parents in Radziechów for the last time.
In Staszów our father took on various jobs in order to provide for his family, for example, door-to-door selling. As a clerk with fluent German, he obtained a job with the German company Ömler, from Stuttgart, which was building roads for the army.
We can well remember the Christmas celebrations and the songs that our father sang with our neighbour. They sang carols and ‘shepherds’ songs’ in Polish and Ukrainian.
When he was arrested by the German SD (Security Service) in March 1943, he was immediately forced to leave his wife alone with five children: Lucyna (blind) was 17; Tadeusz eleven, Zygmunt nine, Irena three und Janina eight months. When the SD patrol came to us to arrest our father, he was not at home. He was then able to hide. But when he learned that our whole family was threatened with arrest if he was not found, he immediately reported to the SD.
While our flat was searched for our father, Zygmunt had to witness a terrible scene. Little Janina started to cry miserably in her cot, whereupon the SD officer went straight over to her with his pistol. Only our mother’s desperate screams were able to prevent him from using the weapon.
Our father spent the first month of his captivity in the prison in Sandomierz, from where he wrote to us that he would very soon return because he was not accused of anything. But, tragically, the next letter came from Auschwitz.
In 1945 the court pronounced our father dead. In summer 2014 our family finally found out that our father/grandfather had been transported from Auschwitz on 6 December 1944 to the Gusen concentration camp, where he died on 3 February 1945.
Tadeusz Bober / Zygmunt Bober / Irena Rutkowska / Joanna Schaller (Bober)