Born 19.10.1896 in Eisenstadt Died 14.1.1940 in Mauthausen
Biography
Mathias Bauer, ein Geschäftsmann aus Eisenstadt, unverheiratet, starb am 14. Jänner 1940 im Konzentrationslager Mauthausen im Alter von 43 Jahren. Er war von der Gestapo in „Vorbeugungshaft“ genommen und im KZ inhaftiert worden, nachdem er wegen „gleichgeschlechtlicher Unzucht“ verurteilt worden war. Lange hat er im KZ nicht überlebt.
Er wurde am 3. Juli 1939, nachdem er im Gefangenenhaus des Landgerichts für Strafsachen Wien II seine Haftstrafe verbüßt hatte, sogleich dem Polizeigefangenenhaus Roßauer Lände überstellt. Den „Rücküberstellungsantrag“ der Gestapo, mit dem die Überstellung einer Person an die Polizeibehörde nach Wegfall der strafrechtlichen Haftgründe angeordnet wurde, erhielt das Gericht, wie es üblich war, mitsamt der Strafanzeige am Beginn des gerichtlichen Strafverfahrens. Dabei war dieses für ihn noch verhältnismäßig glimpflich ausgegangen:
Am 3. Februar 1939 wurde Mathias Bauer in seiner Wohnung in Eisenstadt durch Beamte der Gestapo, Außenstelle Wiener Neustadt, verhaftet. Ein anderer Mann hatte bei seinem Verhör angegeben, unter anderem auch mit Mathias Bauer homosexuell verkehrt zu haben – es war üblich, dass die Gestapo nach dem sogenannten „Schneeballprinzip“ ermittelte und jede Spur nach weiteren „Unzuchtsgenossen“ verfolgte. Mathias Bauer war von Anfang an geständig. Er gab zu, über einen längeren Zeitraum eine Vielzahl homosexueller Kontakte zu mehreren Männern gehabt zu haben und homosexuell veranlagt zu sein. Sämtliche sexuellen Kontakte waren einvernehmlich und mit erwachsenen Männern. Dies war auch für die Behörden zu keinem Zeitpunkt strittig. Die materiellen Zuwendungen, die er manchen seiner Partner gelegentlich zukommen ließ, reichten den Behörden nicht, um zusätzlich wegen des Vorwurfs der Prostitution zu ermitteln. Doch wurde Bauer immer wieder von einem seiner Sexualpartner Geld abgepresst mit der Drohung, die Behörden von dem sexuellen Verhältnis zu informieren. Aus diesem Grund wurde dieser dann auch wegen Erpressung belangt.
Die Gestapo wandte oft Prügel und Folter an, um Geständnisse zu erlangen. Dass Bauer seine Aussage unter Folter tätigte, kann nicht ausgeschlossen werden, doch hielt er diese Aussage auch noch vor Gericht aufrecht, als er von einem Verteidiger seiner Wahl vertreten wurde. Seine Unbescholtenheit und sein „volles und rückhaltloses Geständnis“, wie es der Richter ausdrückte, führten schließlich zu einem verhältnismäßig milden Urteil: fünf Monate schwerer Kerker, von denen er etwa die Hälfte bereits durch die Untersuchungshaft verbüßt hatte. Aufgrund dieses Geständnisses erschien Bauer dem Richter auch als „besserungsfähig“, wie dieser im Urteil hervorstrich. Die gegenteilige Wirkung erzielte seine Offenheit bei den zuständigen Gestapobeamten. Diesen erschien er offensichtlich durch das Eingeständnis seiner homosexuellen Veranlagung und das Ausleben seiner Sexualität als eine Gefahr für die „Volksgemeinschaft“, weshalb er vorbeugend weggesperrt wurde, nachdem er seine gerichtlich verhängte Haftstrafe bereits verbüßt hatte. Als „Homosexueller“ gekennzeichnet, im mittleren Alter, hatte Mathias Bauer im KZ kaum eine Überlebenschance. Er verstarb wenige Monate nach seiner Einlieferung. Im Schreiben der Kommandantur an das Wiener Landgericht II, welches Bauer als Zeugen in einem anderen Verfahren gegen einen seiner Sexualpartner vernehmen wollte, ist keine Todesursache vermerkt.
Die Strafverfolgung von Homosexuellen ging weiter. Auch nach dem Ende des NS-Regimes fuhren die Gerichte unvermindert fort. Erst 2005 wurden Homosexuelle als Opfer des NS-Regimes im Opferfürsorgesetz anerkannt. Es wurde dennoch in Österreich keiner einzigen Person der Status eines homosexuellen Opfers des Nationalsozialismus nach diesem Gesetz jemals zuerkannt.
Johann Karl Kirchknopf
Johann Karl Kirchknopf, Universitätsassistent am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte.
Quellen:
Strafverfahren gegen Mathias Bauer, Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA), Landesgericht für Strafsachen, A11 – Vr-Strafakten: LG 2, 711/1939
Mathias Bauer, a business man from Eisenstadt, unmarried, died on 14 January 1940 in Mauthausen concentration camp at the age of 43. He had been taken by the Gestapo into ‘preventative custody’ and imprisoned in the concentration camp after he was sentenced for ‘same sex offences’. He did not survive long in the concentration camp.
On 3 July 1939, having served his prison sentence at the prison of Vienna Regional Court for Criminal Cases II, he was immediately transferred to the police prison at Rossauerlände. As was usual in such cases, the Gestapo’s ‘request for back transfer’ had been received by the court together with the criminal charge at the beginning of criminal proceedings. For Bauer, the outcome of these had been relatively mild:
On 3 February 1939, Mathias Bauer was arrested in his apartment in Eisenstadt by officers of the Wiener Neustadt branch of the Gestapo. During interrogation, another man had stated that he had had homosexual relations with Mathias Bauer, among others – it was usual for the Gestapo to investigate based on the so-called ‘snowball principle’ and follow every trail to further ‘fellow deviants’. Mathias Bauer confessed from the beginning. He admitted to having had a number of homosexual relations with several men over a lengthy period of time and to having homosexual tendencies. All his sexual relations had been consensual and with adult men. This was never a point of contention for the authorities. The material offerings that some of his partners occasionally received from him were not enough for the authorities to investigate on charges of prostitution as well. However, one of Bauer’s sexual partners repeatedly extorted money from him by threatening to inform the authorities about his sexual behaviour. As a result, this man was then also prosecuted for blackmail.
The Gestapo often used beatings and torture to get a confession out of someone. That Bauer gave his statement under torture cannot be ruled out, yet he maintained his plea in court when represented by a defence lawyer of his choice. His integrity and his ‘full and unreserved confession’, as the judge put it, eventually resulted in a relatively mild sentence: five months’ imprisonment under harsh conditions, of which around half had already been served in custody. Based on this confession, it seemed to the judge that Bauer was ‘capable of betterment’, as he underlined in his verdict. Bauer’s openness had the opposite effect on the Gestapo officers in charge. It is clear that, to them, by admitting his homosexual tendencies and living out his sexuality, he appeared as a threat to the ‘Volksgemeinschaft’ (‘people’s community‘). For this reason he was locked away again as a preventative measure after having already served his court-ordered prison term. Marked as a ‘homosexual’ and middle-aged, Mathias Bauer barely stood a chance of survival in the concentration camp. He died just a few months after his arrival. In a document written by the commandant to Vienna Regional Court II, who wanted to question Bauer in a case against one of his sexual partners, no cause of death is mentioned.
Criminal proceedings against homosexuals continued. Even after the end of the National Socialist regime, the courts continued undiminished. Not until 2005 were homosexuals recognised as victims of the National Socialist regime under the Victims’ Welfare Law. However, in Austria no single person has ever been awarded the status of a homosexual victim of National Socialism under this law.
Johann Karl Kirchknopf
Translation into English: Joanna White
Sources:
Wiener Staat- und Landesarchiv (WStLA), Landesgericht für Strafsachen, Strafverfahren gegen Mathias Bauer [Criminal procedure against Mathias Bauer], A11 – Vr-Strafakten: LG 2, 711/1939.