Wenzel Pfeffer 1897 - 1940

Geboren 12.4.1897 in Michalovice
Gestorben 11.1.1940 in Mauthausen

Biografie

Diese Geschichte wurde von Wenzels Tochter Elfriede erzählt 

 

Wenzel Pfeffer wurde am 12. April 1897 in Michelsberg in Tschechien (Sudetenland) geboren und war Hufschmied.

Seine drei Schwestern lebten in Deutschland in Urberach (jetzt Rödermark) bei Frankfurt am Main. Als die wirtschaftlichen Verhältnisse in Tschechien ihn dazu bewogen, seine Heimat zu verlassen, ging er ebenfalls nach Urberach.

Als er dort seine Schwester Juliane besuchte, lernte er Margarethe Rumpf kennen und verliebte sich.

Margarethe Rumpf (1899-1927) führte nach dem Tod ihrer Mutter Barbara († 1918) den Haushalt ihres Vaters, des Schneidermeisters Adam Rumpf. Zum Haushalt gehörten noch die Brüder Michael und Georg sowie ein Schneidergeselle. Adam Rumpf war entschieden gegen die Verbindung seiner Tochter mit einem mittellosen Schmied, deshalb flüchtete das junge Paar zu Wenzels Mutter nach Michelsberg, als Margarethe schwanger wurde.

Dort wird am 21. Februar 1921 die Tochter Elfriede geboren, aber es dauerte noch bis zum 22. November 1921, bis alle bürokratischen Schwierigkeiten überwunden waren und die beiden heiraten konnten.

Leider gab es in Michelsberg immer noch keine Arbeit und Wenzel beschloss, sein Elternhaus zu verkaufen, um in Urberach einen Neustart zu versuchen. Nach dem Verkauf machen sie sich auf die Reise und treffen im Zug auf Margarethes Bruder Georg, der überglücklich ist, seine Schwester wieder zu sehen und seine Nichte kennenzulernen. Er sorgt dafür, dass auch der Vater sich wieder mit der kleinen Familie versöhnt. Margarethe versorgt daraufhin wieder den Haushalt des Vaters in der Bachgasse 33 und Wenzel findet in Urberach Arbeit.

1927 stirbt Margarethe an einer Bauchhöhlenschwangerschaft.

Der verwitwete Wenzel sucht für seine Tochter eine Mutter und für den Haushalt eine Frau, die er in der aus Dieburg stammenden Margarethe Helfrich findet. Das Paar heiratet 1928 und bekommt 3 Kinder. 1930 Elisabetha und 1932 Juliana. Der 1931 geborene Sohn hatte bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals und überlebte nicht. 

Obwohl „Nicht-Reichsdeutscher“ ist Wenzel Pfeffer SPD-Mitglied – ein Grund für die SA ihn eines nachts aus seiner Wohnung zu holen und zu verprügeln. Wenzel zeigt das beim Konsulat an, was leider seine Ausweisung zur Folge hat.

1934 verlässt er mit seiner Familie Deutschland und geht nach Tschechien zurück, nach Groß Sichdichfür (Velká Hleďsebe). Dort ist er arbeitslos.

Elfriede besucht die deutsche Schule und ihre Stiefschwestern den tschechischen Kindergarten und dann die örtliche Schule. Das Haus liegt heute noch am Ende einer Straße am Ortsrand mit Feldern direkt dahinter, für die kleinen Kinder ein Paradies. In ihrer Erinnerung sollte die Zeit in Groß Sichdichfür die schönste Zeit überhaupt sein. 

Nach dem Schulabschluss verlässt die von Heimweh geplagte Elfriede Tschechien und kehrt nach Urberach zu Tante Juliane zurück. 

Im Frühjahr 1939 marschieren die deutschen Truppen in die Tschechoslowakei ein. Da in Groß Sichdichfür Wenzels SPD-Mitgliedschaft bekannt ist, schmiedet die Familie Fluchtpläne und bereiten sich darauf vor, nach Australien auszuwandern. Margarethe sollte mit den Kindern reisen, er wollte sich alleine durchschlagen, der Treffpunkt sollte Marseille sein. Er wurde an der französischen Grenze geschnappt – es geht die Rede, dass ein Familienmitglied ihn verraten hat - und in das KZ Dachau gebracht. Später verlegt man ihn das KZ Mauthausen. Dort stirbt er am 11. Januar 1940. 

Er war ein lebensfroher Mensch und liebte Kuchen über alles. Seit seine junge Frau den Gästen zum Sonntagskaffee keinen Kuchen präsentieren konnte, weil er den frisch vom Blech schon alleine aufgegessen hatte, wurden immer mehrere Bleche gebacken. Auch die Weihnachtsplätzchen wurden immer an mehreren Stellen verteilt versteckt, damit an Weihnachten wenigstens noch eine Kiste da war. 

Margarethe zog mit den Kindern zurück zu ihrer Familie nach Dieburg, sie sorgte dafür, dass alle einen Beruf erlernten.

Alle drei Töchter wurde über 90 Jahre alt, er hat 4 Enkel und 5 Urenkel.

 

Ouan Skikora, Enkelin

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