Arne Jostein Ingebrethsen 1903 - 1945

Geboren 7.9.1903 in Flekkefjord
Gestorben 7.1.1945 in Melk

Biografie

Arne Ingebrethsen wurde 1903 in Flekkefjord geboren. Mit einem Zeitungsredakteur als Vater und einer Typografin als Mutter war es selbstverständlich, dass er beruflich in die Fußstapfen seiner Eltern treten würde. Im Jahr 1933 heiratete er Inger, geborene Johansen. Ihr Sohn Bjørn wurde ungefähr ein Jahr danach geboren. 1942 kam der zweite Sohn Aage zur Welt – ein halbes Jahr, bevor Arne in deutsche Gefangenschaft kam.

Kurz nach dem Kriegsbeginn wird Arne Ingebrethsen Redakteur der Lokalzeitung. Die Zeitung wird einer strengen Zensur unterzogen. Seine Liebsten und Freunde spüren, dass ihn diese Situation plagt. Aber er versucht, die Bevölkerung zu ermuntern, für die Freiheit des Landes zu kämpfen. Er tut dies in Texten, die als Fabel oder „harmloses“ Märchen getarnt sind.  Im August 1940, einen Tag, nachdem ein solcher Artikel in der Zeitung erscheint, wird Arne Ingebrethsen verhaftet. Die Zeitung wird von den Deutschen vorübergehend geschlossen. Drei Monate später wird er aus dem Gefängnis in Oslo entlassen.

Scheinbar ist er nicht Teil der organisierten Widerstandsarbeit. Es soll sich später herausstellen, dass er ein geheimer Hintermann einer der Anführer der SOE-Operationen (Special Operations Executive) in Flekkefjord und Umgebung ist. Diese Operationen der SOE sind in mehreren Büchern und im Film Det største spillet (Das größte Spiel) geschildert.

Am 23. Juni 1943 wird er von den Deutschen entführt. Er wird zu einer abseits gelegenen Hütte gebracht, die in Flekkefjord als Folterzentrum der Gestapo benutzt wird. Er wird gefoltert. Die Folter dauert drei Tage, bevor er zum Hauptquartier der Gestapo in Kristiansand gebracht wird, wo die Folterungen fortgesetzt werden. Es stellt sich heraus, dass er vom berüchtigtsten Denunzianten des Sørlandet denunziert worden ist. Im Juli wird er ins Gefängnis Møllergata 19 in Oslo und danach ins Häftlingslager Grini überstellt. Am 13. November kommt er auf einen Transport nach Deutschland. Er weiß nicht, wohin er kommen wird und was ihn erwartet. Aber die Reise markiert den Anfang seines letzten schmerzhaften Lebensabschnitts.

Nach einem monatelangen Transport kam er mit seinen Mitgefangenen im KZ Natzweiler in Frankreich an. Die Norweger wurden „Nacht-und-Nebel“-Häftlinge.

Der „Nacht-und-Nebel”-Erlass war in der Realität eine raffinierte Form der Todesstrafe. Die „Nacht-und-Nebel“-Häftlinge sollten sich mit einem Minimum an Essensrationen zu Tode arbeiten. Ihre Bestrafung war menschenverachtend. Im Laufe von wenigen Monaten wurden viele von ihnen „Muselmänner“. Außerdem sollten sie versteckt und vergessen werden. Niemand durfte wissen, wo sie sich befanden, ob sie am Leben oder tot waren. Sie waren vollkommen isoliert und ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Anfang September 1944 wurden die Natzweiler-Häftlinge nach Dachau evakuiert. Über 70 der norwegischen „Nacht-und-Nebel“-Häftlinge wurden von dort nach Mauthausen überstellt und in dessen Außenlagern Ebensee, Gusen und Melk untergebracht. Arne Ingebrethsen starb am 7. Jänner 1945 in Melk.

504 norwegische „Nacht-und-Nebel“-Häftlinge wurden während des Krieges ins KZ Natzweiler verschleppt. Nur die Hälfte kehrte in ein freies Land zurück. Von den acht „Nacht-und-Nebel“-Häftlingen aus Flekkefjord überlebten nur zwei. Drei von ihnen starben in den Außenlagern von Mauthausen.

Aage Jostein Ingebrethsen

Aage Jostein Ingebrethsen ist der Sohn von Arne Jostein Ingebrethsen.

 

Aus dem Norwegischen von Lykke Larsen und Merethe Aagaard Jensen

Position im Raum