Henryk Lesiński 1906 - 1941 Bearbeiten
Geboren 13.7.1906 in Mława
Gestorben 3.12.1941 in Hartheim
Biografie
Henryk Lesiński wurde am 13. Juli 1906 in Mława im heutigen Polen geboren. Seinen Vater Bolesław lernte er nie kennen, denn dieser war drei Monate vor seiner Geburt verstorben. Im Alter von 15 Jahren verlor Henryk Lesiński auch seine Mutter durch eine chronische Krankheit. Nach dem Tod der Mutter musste er für sich selbst sorgen. Nach dem Schulabschluss im Jahr 1924 absolvierte Henryk Lesiński eine Ausbildung zum Lehrer. Nach einem Probejahr bekam er 1925 eine feste Anstellung an einer Grundschule.
1930 heiratete Henryk Lesiński Michalina Spiewak, kurz darauf wurde er zum Direktor einer Grundschule in der Nähe von Lódz (Polen) ernannt.
Henryk und Michalina bekamen zwei Kinder: Sławomir wurde im Jahr 1932 geboren, Teresa zwei Jahre später.
1935 begann Henryk Lesiński seine Ausbildung am Pädagogikum der freien Polnischen Universität in Warschau, welche er 1938 abschloss. Daneben war er als Sozialarbeiter, Chef der Freiwilligen Feuerwehr und aktives Mitglied der Polnischen Lehrer-Gewerkschaft tätig.
Am 1. September 1939, als Hitler-Deutschland Polen überfiel, wurde Lesiński einberufen, um Warschau zu verteidigen. Als Polens Hauptstadt Ende Oktober kapitulierte, kam er zurück nach Hause und unterrichtete weiter.
Die Schule war bis Weihnachten 1939 in Betrieb, dann musste sie auf Befehl des nationalsozialistischen Bürgermeisters des Dorfes geschlossen werden. Der gesamte Schulbesitz wurde in der Folge enteignet.
Nach der Schließung der Schule arbeitete Henryk Lesiński in einer Molkerei. Am 6. Mai 1940 wurde er jedoch im Rahmen der so genannten „Aktion AB“ („Außerordentliche Befriedungsaktion“) verhaftet und nach einem kurzen Aufenthalt im Gefängnis von Stryków in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Am 10. Mai 1940 wurde er dort als politischer Gefangener unter dem Namen Heinrich Lesinski registriert.
Am 18. August 1940 transportierte man Henryk Lesiński in das Konzentrationslager Mauthausen, am 24. Januar 1941 von dort ins KZ Gusen. Ein Brief an seine Familie vom 23. November 1941, den er von Gusen aus abgeschickt hatte, blieb erhalten.
Im Januar 1942 wurde Michalina Lesińska von der nationalsozialistischen Polizei informiert, dass ihr Mann am 4. Dezember 1941 verstorben sei. Einen Monat später erhielt sie eine offizielle Benachrichtigung. In Wirklichkeit hatte man Henryk Lesiński am 3. Dezember 1941 im Rahmen der „Aktion 14f13“ aus dem KZ Gusen nach Hartheim gebracht, wo er unmittelbar nach der Ankunft durch Kohlenmonoxid ermordet wurde.
Im Jahre 2002 wurden im Zuge von archäologischen Untersuchungen auf dem Gelände des Schlosses Hartheim zahlreiche Gegenstände aus dem Besitz der Opfer sowie menschliche Überreste in Form von Asche und Knochenstücken gefunden. Unter den Gegenständen befand sich auch eine Häftlingsmarke mit der Nummer „8570“. Dies war die Häftlingsnummer von Henryk Lesiński im KZ Gusen.
Florian Schwanninger
Lern- und Gedenkort Schlos Hartheim
Abb.: Porträtfoto aus dem Jahr 1928
Abb.: Porträtfoto aus dem Jahr 1938
Abb.: Henryk und Michalina Lesiński mit ihren Kindern im Jahr 1939
Abb.: Brief vom 23. November 1941 aus dem KZ Gusen
Abb.: Häftlingsmarke von Henryk Lesiński aus dem KZ Gusen, aufgefunden bei Grabungen in Hartheim im Jahr 2002