Márton Berkovics 1925 - 1944 Bearbeiten
Geboren 16.2.1925 in Dej
Gestorben 25.11.1944 in Melk
Biografie
Márton Berkovics wurde am 16. Februar 1925 in Des im heutigen Rumänien geboren. Er lebte dort mit seinen Eltern Ignác und Miriam (geb. Kieselstein / Kizenshtein) Berkovics und seinen Geschwistern Adolf (geb. 1926), Aranka (geb. 1929) und Moric (geb. 1941). Márton, Adolf und ihr Vater Ignác waren allesamt als Taglöhner beschäftigt.
Im Frühjahr 1944 besetzten die Nationalsozialisten das damalig ungarische Gebiet ihrer Heimat und die antisemitische Gesetzgebung wurde stark verschärft.
Der Hauptteil der jüdischen Bevölkerung Ungarns wurde in Ghettos zwangsumgesiedelt, so auch die Familie Berkovics.
Alle jüdischen Familien der Umgebung, das waren über 7.000 Personen, mussten im Mai 1944 in den Bunjar-Wald bei Des marschieren und waren dort etwa eine Woche untergebracht. Das gesamte Gelände war draußen, es gab keine Gebäude.
Kurz darauf begannen die Deportationen in die nationalsozialistischen Lager. Márton war 19 Jahre alt, als er Anfang Juni 1944 gemeinsam mit seiner Familie in das KZ Auschwitz-Birkenau in Polen transportiert wurde.
Bei der Ankunft wurde der Transport selektiert, das bedeutet, es wurde entschieden, ob die Angekommenen für die Zwangsarbeit und den Aufenthalt im Lager ausgewählt wurden, oder für den sofortigen Tod in der Gaskammer.
Mártons Mutter Miriam (geb. 1900) wurde kurz nach ihrer Ankunft in der Gaskammer in Birkenau ermordet.
Über das Schicksal seiner Schwester Aranka und seines Bruders Moric ist nichts bekannt. Vermutlich kamen sie ebenso in Auschwitz ums Leben.
Márton, Adolf und ihr Vater Ignác wurden im KZ Auschwitz für die Zwangsarbeit ausgewählt und als „jüdische“ Häftlinge ungarischer Nationalität registriert.
Sie verbrachten nur wenige Tage in Auschwitz, bevor sie am 7. Juni 1944 in das KZ Mauthausen in Österreich überstellt wurden.
Auch in Mauthausen blieben Márton, Adolf und Ignác nur eine Woche.
Márton wurde gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder am 13. Juni 1944 in das KZ-Außenlager Melk transportiert, wo die meisten Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen schwerste körperliche Arbeit beim Bau der unterirdischen Stollenanlage in den Wachberg bei Roggendorf in der Nähe von Melk leisten mussten. Es sind keine genauen Angaben zu Mártons Arbeitsposition in diesem Lager bekannt.
Ervin Weiss, ein Mithäftling in Melk, der ebenso aus Des stammte, erinnert sich daran, dass beide Brüder Berkovics in diesem Lager mehrmals versuchten, sich das Leben zu nehmen, dies aber jedes Mal vereitelt wurde.
Am 8. Juli 1944 wurde das KZ Melk von amerikanischen Fliegern bombardiert. Vermutlich wusste die amerikanische Armee nicht, dass sich auf dem Areal, das bis Frühjahr 1944 als militärische Kaserne genutzt wurde, ein Konzentrationslager befand. Dabei wurden über 200 Häftlinge getötet und zahlreiche schwer verletzt, darunter auch Mártons Bruder Adolf, der in Folge in das Krankenrevier des KZ Mauthausen gebracht wurde.
Márton und sein Vater Ignác blieben beide im KZ Melk.
Wie tausende weitere Häftlinge überlebte Márton die Lebensbedingungen im KZ Melk und die miserablen Konditionen bei der Arbeit nicht. Márton Berkovics starb am 25. November 1944 im Alter von 19 Jahren. Seine offizielle Todesursache lautete „allgemeine Sepsis“, also Blutvergiftung. Die offiziellen Todesursachen verschleierten aber die wahren Hintergründe: prinzipiell kamen die meisten Häftlinge im KZ Melk wegen der katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen ums Leben.
Vier Tage zuvor war bereits sein Vater Ignác im KZ Melk ums Leben gekommen.
Von der Familie Berkovics überlebte einzig und allein Mártons Bruder Adolf seine Inhaftierung in den NS-Konzentrationslagern.
Christina Kandler, Verein MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk
Quellen:
USC Shoah Foundation, Visual History Archive, Interview Code 27368 vom 26.3.1997.
Internationaler Suchdienst, Arolsen Archives, Einträge für Mitglieder der Familie Berkovics, online unter: https://collections.arolsen-archives.org/de/search (9.11.2022).
United States Holocaust Memorial Museum, Holocaust Survivors and Victims Database, Einträge für Mitglieder der Familie Berkovics, online unter: <https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php> (9.11.2022).
Yad Vashem, Internationale Holocaust Gedenkstätte, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, Einträge für Adolf Berkovics, online unter: https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de&advancedSearch=true&sln_value=Amaradzhi&sln_type=synonyms&sfn_value=Chana&sfn_type=synonyms (9.11.2022).
Yad Vashem, Internationale Holocaust Gedenkstätte, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, Einträge für Mitglieder der Familie Berkovics, online unter: https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de (9.11.2022).
Jewishgen.org, Martyrs of the town Dej, online unter: https://www.jewishgen.org/yizkor/dej/dej462.html (18.11.2022).
The Museum of the Holocaust in Northern Transylvania, The Concentration Camp of Dej, online unter: http://holocausttransilvania.ro/en/exhibits/show/ghetouri-si-lagare/ghetou-dej (18.11.2022).
Bertrand Perz: Das Projekt „Quarz“. Der Bau einer unterirdischen Fabrik durch Häftlinge des KZ Melk für die Steyr-Daimler-Puch AG 1944–1945. Innsbruck/Wien 2014.