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Paul Stawinski 1892 - 1945 Bearbeiten

Geboren 27.10.1892 in Mügeln
Gestorben 5.3.1945 in Mauthausen

Biografie

Paul Stawinski wird am 27. Oktober 1892 in Mügeln, einem Ortsteil der sächsischen Stadt Heidenau, in einer Arbeiterfamilie geboren. Nach Besuch der Volksschule wird er Hoteldiener und zeitgleich in der Arbeiterjugendbewegung und Gewerkschaft aktiv. Häufige Konflikte mit den Hotelbesitzern führen wiederholt zu Maßregelungen und Entlassungen. Paul Stawinski ist im 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 Soldat im Jäger-Bataillon 12 und wird mehrfach, teils schwer, verwundet. Offenbar war er in Sachsen zunächst Mitglied der SPD, vollzieht dann aber unter dem Eindruck der Gräuel des 1. Weltkrieges und der gescheiterten Novemberrevolution 1918/19 den Bruch und tritt zur USPD über.

Als Rädelsführer und engagierter Gewerkschafter bekannt, bleibt er bei der Arbeitssuche im Hotelgewerbe der Sächsischen Schweiz völlig erfolglos. Irgendwann nach dem Krieg siedelt er ins Ruhrgebiet über und landet im westfälischen Herne. Im Jahre 1926 wohnt er im Haus Altenhöfener Straße 143, dem damaligen Wohnquartier von Bergleuten der Zeche Constantin 4/5 und Metallarbeitern der Flottmann-Werke. Er selbst ist jetzt als Tiefbauarbeiter bei der Stadt Herne beschäftigt. 1927 wird Paul Stawinski Mitglied der KPD und des „Einheitsverbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter“ (einem Vorläufer von ÖTV/ver.di) sowie des kommunistischen Theatervereins. Aufgrund seiner politischen Erfahrungen und seiner Beliebtheit avanciert der 35-jährige Gemeindearbeiter später zum Leiter der KPD-Betriebsgruppe „Städtische Betriebe“, der u.a. auch Otto Kuhn (Betriebsrat Stadtverwaltung) und Ewald Kaiser (Betriebsrat Fuhrpark/Müllabfuhr) angehören. In Herne heiratet Paul Stawinski am 24. Februar 1928 die im westpommerschen Stettin[1] geborene Martha Rossow (*18.10.1899). Zur gleichen Zeit beziehen die Eheleute eine gemeinsame Wohnung im Haus Vödestraße 13 im gleichen Stadtteil. Die Ehe bleibt kinderlos. Im Jahre 1930 wird auch Martha Mitglied der KPD und engagiert sich zudem aktiv in der örtlichen Agit-Prop-Gruppe[2] und in der IAH[3]. Zunehmend bestimmt der Kampf gegen den aufziehenden Faschismus den Alltag von Paul, Martha und ihren Genossen.

Ab Januar 1933, nach der Machtübertragung auf die Faschisten, gerät auch Paul Stawinski ins Visier der braunen Schlägertrupps, die nunmehr noch hemmungsloser gegen die stadtbekannten Arbeiterfunktionäre vorgehen. Zwar wird Stawinski bei den letzten, bereits stark behinderten Kommunalwahlen am 21. März 1933 noch zum Stadtverordneten gewählt; er kann, wie die übrigen neun KPD-Abgeordneten, sein Mandat aber nicht mehr antreten. Ende März 1933 gehört Paul Stawinski auch zu einer größeren Anzahl von Arbeitern, die auf Antrag eines sogenannten „Kontrollausschusses“ der NSDAP aus politischen Gründen fristlos aus dem Dienst der Stadt Herne entlassen werden. Offenbar ist der Antifaschist zu diesem Zeitpunkt längst untergetaucht.

In der „Hölle von Recklinghausen“ 

Bis in den Herbst kann er sich einem Zugriff von SA und Polizei entziehen, wird dann aber doch am 11. Oktober 1933 erstmalig verhaftet und ins Polizeigefängnis nach Recklinghausen verschleppt. Am 18. Oktober gerät auch seine Frau Martha in die Fänge der Gestapo. Sie wird ebenfalls in Recklinghausen eingesperrt und hier in der „Hölle von Recklinghausen“[4] verschärften Verhören unterzogen, d.h. schwer misshandelt. In einem Massenprozess vor dem Oberlandesgericht Hamm wird Paul Stawinski am 31. Mai 1934 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt, während Martha nach sechsmonatiger Untersuchungshaft „aus Mangel an Beweisen“ freigesprochen werden muss. Obwohl die Wohnung der Stawinskis in der Vödestraße 13 gerade nach Machtantritt der Nazis ein häufig genutzter Anlaufpunkt für geheime Zusammenkünfte gewesen war, ist Martha auch unter Folter nichts zu entlocken, was sie selbst oder ihre Genossen hätte belasten können.[5] 

Im Moorlager bei Papenburg 

Den überwiegenden Teil seiner Haft muss Paul Stawinski in einem der frühen Konzentrationslager im Moor bei Papenburg verbringen. Unter den Wachmannschaften in den Moor-Lagern befinden sich auch mehrere SS-Angehörige aus Herne, was Paul Stawinski und seine Mithäftlinge aus der Stadt zu spüren bekommen. Im Januar 1935 wird er aus dem KZ bei Papenburg entlassen und kehrt wieder nach Herne zurück. In einem Nachruf seiner Partei aus der Nachkriegszeit heißt es: „Nach seiner Entlassung folgten lange Jahre der Arbeitslosigkeit, während der er mutig […] den illegalen Widerstandskampf gegen den Hitlerfaschismus fortsetzte.“[6]

Am 17. August 1944 ergeht der Gestapo-Befehl unter dem Decknamen „Aktion Gewitter", nach dem im Rahmen einer reichsweiten Verhaftungswelle gegen frühere Funktionäre der KPD und SPD, vor allem ehemalige Abgeordnete gleich welcher Ebene, festzunehmen sind.[7] Paul Stawinski gehört zu den tausenden Antifaschisten, die jetzt erneut aufgegriffen und eingekerkert werden. 

Von Herne ins KZ Sachsenhausen und weiter nach Mauthausen 

Vermutlich geht er vom Polizeigefängnis in Herne auf Transport ins KZ Sachsenhausen, wo er am 13. September 1944 eintrifft. Nach Aussagen von Mithäftlingen sollte er Anfang Februar 1945 ins KZ Bergen-Belsen überführt werden.[8] Lange Zeit ist sein weiteres Schicksal ungewiss, er gilt nach dem Krieg als verschollen. Tatsächlich wird Paul Stawinski am 16./17. Februar 1945 ins KZ Mauthausen, in der Nähe des österreichischen Linz, eingewiesen und erhält die Häftlingsnummer 132111 (Kategorie: Schutzhaft).[9]

Hier, im größten Konzentrationslager auf dem Gebiet Österreichs, kommt der jetzt 52 Jahre alte Herner Gemeindearbeiter und aktive Gewerkschafter Paul Stawinski acht Wochen vor der Befreiung des Lagers durch US-Truppen, am 5. März 1945 zu Tode.[10]

 

Norbert Arndt, DGB Geschichtswerkstatt Herne

 

[1] (polnisch Szczecin/ Woiwodschaft Westpommern)

[2] Agitation und Propaganda/Kultur

[3] Internationale Arbeiterhilfe

[4] Wegen der unmenschlichen Verhörmethoden wurde das Polizeigefängnis von den Häftlingen so bezeichnet

[5] Diese und weitere Informationen aus BArch R 58/3943 und BArch R 3003/46

[6] Paul Stawinski/Bundesarchiv Dy55/V278/6/1825

[7] Korte, Detlef: "Aktion Gewitter" in Schleswig-Holstein. Eine Präventivmaßnahme der Gestapo: Verhaftung von Sozialdemokraten und Kommunisten im August 1944, Demokratische Geschichte 3(1988), S. 521-526

[8] Paul Stawinski/Bundesarchiv ebenda

[9] Bestand 1.1.26.1,Dok.ID 11654842 u. individuelle Unterlage KZ Mauthausen sowie Bestand 1.1.26.3, Dok.ID 1780780, ITS Archiv

[10] Veränderungsmeldung KZ Mauthausen, Bestand: 1.1.26.1, Dok.ID 1286874, IST Archiv

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