Stefan Chałupka 1921 - 1945 Bearbeiten
Geboren 26.7.1921 in Piławce / Pylyava
Gestorben 7.3.1945 in Melk
Biografie
Stefan Chałupka wurde am 28. Juli 1921 in Pławce, Ukraine als Sohn von Leon (geboren 1888) und Józefa (geboren 1898 als Józefa Napierała) Chałupka. Er hatte sechs Geschister, Wawrzyniec (geboren am 8. August 1913), Stanisław (geboren 1914), Maria (geboren 1916), Jan (geboren 1919), Stanisława (geboren 1924) und Kazimiera (geboren 1927).
Stefan ging in Pławce in die Grundschule und arbeitete dann auf dem Bauernhof seiner Eltern, später als Forstarbeiter in den Wäldern des Grafen Adolf Bniński aus Gułtów.
Im Zweiten Weltkrieg gehörte er dem Inspektorat der Heimatarmee in Sroda Wielkopolska in Polen an. Die Heimatarmee (Armia Krajowa) war die militärische Organisation der polnischen Untergrundbewegung, die sich nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 formiert hatte.
Sie kämpften gegen die deutsche Besatzung, aber auch gegen die Einvernahme polnischen Territoriums durch die sowjetische Armee. Ihre Aktionen konzentrierten sich auf die Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst, auf Sabotage und auf Partisanenaktionen gegen die deutschen und sowjetischen Einheiten und Einrichtungen.
Das alliierte Luftabwurf-Programm zielte darauf ab, die Heimatarmee aus der Luft mit Waffen und Sprengstoffen zu versorgen. Bei einer dieser Aktionen in Janów, die von den deutschen Besatzern entdeckt wurde, wurde Stefan am 17. September 1943 festgenommen und im KZ Fort VII in Poznań (Posen) und später in einem Lager in Żabikowo inhaftiert.
Auch sein älterer Bruder Wawrzyniec Chałupka war ein Funktionär der Heimatarmee. Bei dieser Luftabwurf-Aktion in Janów wurde nicht nur Stefan, sondern auch Wawrzyniec verhaftet. Wawrzyniec konnte im Oktober 1943 aus dem Lager in Żabikowo bei der Feldarbeit flüchten. Nachdem er sich mehrere Monate erfolgreich versteckt hatte, wurde er aber verraten und im April 1944 erschossen.
Es ist nicht genau bekannt, wie es Stefans Eltern und Geschwistern während des Krieges und der Besatzung durch die Nationalsozialisten erging. Sein Bruder Stanisław war im September 1939 im Zweiten Weltkrieg in der Schlacht bei Bzura gefallen.
Seine Mutter Józefa, sein Vater Leon und seine Schwester Kazimiera, die damals noch minderjährig war, wurden im Juli 1944 zur Arbeit nach Deutschland deportiert, nach Nordrach im heutigen Baden-Württemberg. Sie kehrten im April bzw. Mai 1945 in ihre Heimat zurück.
Józefa lebte bis 1951. Kazimiera zog nach dem Krieg nach Schlesien, heiratete und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahre 1992. Auch Maria, Jan und Stanisława lebten bis ins hohe Alter.
Stefan gelangte 1944 in das KZ Mauthausen, wo er als polnischer „Schutzhäftling“ registriert wurde. „Schutzhäftlinge“ waren prinzipiell Personen, die aufgrund ihrer politischen Einstellung von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Jedoch waren die Haftkategorien reine Zuschreibungen der SS und signalisieren nicht zwangsläufig den wahren Grund der Inhaftierung in einem Konzentrationslager.
Am 5. Dezember 1944 wurde er von Mauthausen in einem Transport von 1.000 KZ-Häftlingen, hauptsächlich Sowjets, Polen und Italiener, in das KZ-Außenlager Melk deportiert. Stefan war dort als „Hilfsarbeiter“ beim Projekt „Quarz“ eingesetzt und musste daher schwerste körperliche Arbeit beim Bau der unterirdischen Tunnel in den Wachberg in der Nähe von Melk leisten.
Wie tausende weitere Häftlinge überlebte er die Lebensbedingungen im KZ Melk und die miserablen Konditionen bei der Arbeit nicht.
Stefan Chałupka starb am 7. März 1945 im KZ Melk und wurde vermutlich im Krematorium verbrannt. Seine Todesursache wurde als „akute Herzschwäche“ angegeben. Die im Totenbuch festgehaltenen Todesursachen sind aber großteils mit hoher Wahrscheinlichkeit frei erfunden.
Christina Kandler (2025), Verein MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk
Quellen:
Internationaler Suchdienst, Arolsen Archives, Einträge für Stefan Chalupka, online unter: <https://collections.arolsen-archives.org/de/search> [Zugriff: 26.4.2022].
United States Holocaust Memorial Museum, Holocaust Survivors and Victims Database, Einträge für Stefan Chalupka, online unter: <https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php> [Zugriff: 26.4.2022].
Lebendiges Museum Online, Der Warschauer Aufstand 1944, online unter: <https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/warschauer-aufstand-1944.html> [Zugriff: 31.8.2022].
Informationen von Roman Wojcicki, April 2022.
Kazimierz Matysek, Aliancki zrzut broni i sprzętu dla oddziałów Średzkiego Inspektoratu Rejonowego Armii Krajowej. In: Stud. Mater. Ośr. Kult. Leśn., Oktober 2011.
Anette Eberle, Häftlingskategorien und Kennzeichnungen. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hg.), Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1: Die Organisation des Terrors. München 2005.
Bertrand Perz, Das Projekt „Quarz“. Der Bau einer unterirdischen Fabrik durch Häftlinge des KZ Melk für die Steyr-Daimler-Puch AG 1944-1945. Innsbruck/Wien 2014.
Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.