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Giacomo Menasce 1922 - 1945 Bearbeiten

Geboren 11.6.1922 in Ródos
Gestorben 25.3.1945 in Mauthausen

Biografie

Giacomo Menasce: Der Onkel, den wir niemals kennen lernten

Jaco Menashe – Giacomo Menasce, wie der Name auf Italienisch geschrieben wird – wurde am 11. Juni 1912 auf der Insel Ródos (Rhodos) im Ägäischen Meer geboren. Seine Eltern waren Isaac und Reina Menashe, geborene Benun. Jaco war der jüngste von fünf Brüdern – Abraham, Rahamin, Samuel, Haim und Jaco.

Sein ganzes kurzes Leben lang lebte Jaco auf der Insel Ródos, die zu dieser Zeit (1912 bis 1943) unter italienischer Besatzung war. Wie die meisten seiner Freunde aus der jüdischen Gemeinde hielt Jaco den Sabbath und alle jüdischen Feiertage streng ein. Jaco blieb seinem sephardischen Erbe treu, seine Muttersprache war „Juden-Spanisch“ (Ladino). Er lernte Hebräisch in der Schule und half seinen Zeitgenossen mit dieser Sprache.

Jacos Vater starb traurigerweise am 13. Oktober 1922, als Jaco erst ein paar Monate alt war. Es war sehr schwer für meine Großmutter Reina, alle fünf Söhne alleine aufzuziehen. So wurde vereinbart, die beiden älteren Söhne (Abraham und Rahamin) zu ihren Onkeln nach Süd-Rhodesien bzw. Argentinien zu schicken. Auch Jacos Bruder Samuel verließ Ródos wenig später. Als 1938 auch sein Bruder Haim in den Kongo ging, beschloss Jaco, mit seiner Mutter in Ródos zu bleiben.

Jaco vermisste seine Brüder sehr. In einem Brief vom Februar 1943 schrieb er: „Lieber Avramachi, bitte sag den lieben Brüdern Sami und Rahamin, dass sie mir einen kurzen Brief schreiben sollen – ich vermisse es, ihre Briefe zu lesen.“ Im selben Brief kann man lesen, dass das Leben in Ródos zu dieser Zeit sehr schwer geworden war. „Ich bin groß geworden, aber ohne Zukunft. Wir hoffen, dass wir eine haben werden, wenn der Krieg vorbei ist.“ Leider sollte er das Kriegsende nicht erleben.

Im ersten Halbjahr des Jahres 1944 verlobte sich Jaco mit Blanca Benun, einer entfernten Verwandten. Beide, Jaco und Blanca, wurden traurigerweise aus Ródos deportiert, bevor sie sich das Ehegelübde geben konnten. Blanca wurde im August 1944 in Auschwitz ermordet.

Am 23. Juli 1944 wurden Jaco und seine Mutter Reina, zusammen mit nahezu 1.700 Juden von Ródos, von der deutschen SS auf drei Booten abtransportiert, die am 31. Juli Athen erreichten. Sie wurden bis 3. August im berüchtigten Konzentrationslager Chaidari festgehalten, bevor man sie in Viehwaggons – jeweils 65 Menschen pro Waggon – verlud, deren Bestimmungsort Auschwitz war.

Nach einer entsetzlichen Reise, die 13 Tage dauerte, kam der Zug am 16. August in Auschwitz an. Unmittelbar nach ihrer Ankunft fand die „Selektion“ statt, und die Mehrheit der Deportierten wurde in die Gaskammern gebracht. Reina war unter ihnen.

Viele der jungen Menschen, unter ihnen Jaco, wurden zur Zwangsarbeit geschickt. Fünf Monate lang stand Jaco die tägliche Not der schlechten Ernährung durch, einem harten Winter, einer brutalen Behandlung durch die SS-Wachen und der Sklavenarbeit ausgesetzt.

Am 18. Jänner 1945, nur neun Tage, bevor die Rote Armee Auschwitz erreichte, zwang die SS etwa 60.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch vom Vernichtungslager Auschwitz nach Wodzisław Śląski, einer kleinen Ortschaft in Schlesien in etwa 56 Kilometer Entfernung. Jaco war einer der Marschierenden.

Der Marsch fand im tiefsten Winter statt, mit schlechter Versorgung an Essen und Obdach, und kaum einer Möglichkeit zur Rast. Fast jeder vierte starb unterwegs an Hunger, Kälte oder Erschöpfung. Der Marsch wurde als einer der berüchtigtsten „Todesmärsche“ bekannt. Alberto Israel, ein Überlebender aus Ródos, sagte später: „Wir hatten nur unsere dünne Häftlingskleidung und kaputte Schuhe. Wenn du etwas Warmes trinken wolltest, musstest du deinen Urin trinken.“

Nach ihrer Ankunft in Wodzisław wurden die Häftlinge auf offene Güterwagen verladen und in verschiedene Konzentrationslager in Deutschland gebracht. Jaco kam auf einen Zug, der ins Konzentrationslager Mauthausen fuhr, wo er am 25. Jänner 1945 ankam. Bei seiner Ankunft in Mauthausen erhielt er die Häftlingsnummer 121103, wobei ihm in Auschwitz vermutlich bereits eine andere Nummer auf seinen Unterarm tätowiert worden war.

Laut „Totenbuch“ starb Jaco im Sanitätslager, das außerhalb des Hauptlagers Mauthausen gelegen war. Obwohl es „Sanitätslager“ genannt wurde, war es ein Krankenlager, das nicht viel mehr als ein Ort war, an den man Häftlinge brachte, die auf den Tod warteten. Es gab keine medizinische Betreuung und keinerlei Hygiene – in den Wochen vor der Befreiung teilten bis zu sechs Häftlinge ein Bett –, sodass die Sterblichkeit stets sehr hoch war.

Jaco starb am 23. März 1945 um 3:45 Uhr. Es gibt kein Dokument darüber, wo er begraben wurde.

Isaac Menashe

Isaac Menashe ist der Neffe von Giacomo Menasce 

 

Aus dem Englischen von Andreas Kranebitter

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