Θεόδωρος Κριάρης / Theodoros Kriaris 1889 - 1945 Bearbeiten
Geboren 10.1.1889 in Chania
Gestorben 30.3.1945 in Melk
Biografie
Theodoros Georgios Kriaris (Θεόδωρος Γεώργιος Κριάρης): Herr Kriaris wurde am 10. Jänner 1889 im Bergdorf Azogires im Südwesten Kretas geboren. Das Dorf hatte damals circa 180 Einwohner, die allesamt von der Landwirtschaft (v.a. Oliven und Schafe) lebten. Obwohl Theodoros Kriaris aus einfachen Verhältnissen stammte, schaffte er es an die Pädagogische Hochschule in Athen. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer zog es ihn zurück nach Kreta, wo er an der Volkschule seines Heimatortes Azogires unterrichtete. Er heiratete und das Paar bekam sechs Kinder (zwei Söhne und vier Töchter). Nachdem das nationalsozialistische Regime Kreta eroberte, versuchte Theodoros Kriaris in seinem Ort, Widerstand gegen die Deutschen Besatzer zu organisieren. (Als Lehrer und somit angesehene Person im Ort sah er das als seine Pflicht.) Wegen diesen Versuchen wurde Herr Kriaris im Frühjahr 1944 verhaftet. Zunächst wurde er in das Gefängnis Agias (nahe der Stadt Chania auf Kreta) gebracht. Dort hätte sich für ihn – organisiert durch einige Nachbarn und Freunde – eventuell die Möglichkeit ergeben, zu entkommen und in die Berge zu flüchten. (Im gebirgigen Südwesten der Insel gelang es einigen Widerstandskämpfer*innen, sich in die Berge zurückzuziehen.) Aber Herr Kriaris fürchtete, dass seine Familie dann der Vergeltung der NS-Soldaten ausgeliefert wäre und entschloss sich tragischerweise, nicht zu fliehen. Theodoros Kriaris wurde daraufhin nach Mauthausen verschleppt (Ankunft am 2. Mai 1944) und von dort ins Außenlager Melk überstellt, wo er am 30. März 1945 stirbt. Für seine Familie verlieren sich mit der Verschleppung nach Österreich seine Spuren. Seine sechs Kinder sind zu diesem Zeitpunkt zwischen fünf und fünfzehn Jahre alt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bekommt die Familie von einem ehemaligen KZ-Häftling, der nach Kreta zurückkehrt, die vage (und falsche) Auskunft, dass Theodoros Kriaris 1944 im KZ Dachau gestorben ist. Das ungewisse Schicksal des Vaters beschäftigt seine Kinder Zeit ihres Lebens, aber sie sind nicht in der Lage selbst Nachforschungen zu betreiben. Erst im Jänner 2022 erfährt die Familie vom wahren Schicksal von Theodoros Kriaris. Seine Tochter Katerina, die bei der Verhaftung ihres Vaters neun Jahre alt war, hatte den Wunsch wie ihr Vater ebenfalls Lehrerin zu werden. Obwohl die Familie (nicht zuletzt wegen des tragischen Todes des Vaters) arm war, schaffte sie es, an der Pädagogischen Akademie in Athen zu studieren. Sie unterrichtete danach bis zu ihrer Pensionierung als Volksschullehrerin auf Kreta. Sie lebt in Chania auf Kreta und hier erfährt sie im Jänner 2022 vom wahren Schicksal ihres Vaters, was sie zutiefst bewegt. Theodoros‘ Sohn Georgios bleibt im Heimatdorf Azogires, wo er die Landwirtschaft der Familie bis zu seinem Tod 2017 weiterführt. Sein Sohn Theodoros Georgios Kriaris (der Enkel und Namensvetter von Herrn Kriaris) betreibt gemeinsam mit seinen beiden Kindern ein Restaurant im Küstenort Paleochora, bewirtschaftet aber auch nach wie vor (gemeinsam mit seinem Sohn) dieselben steilen Berghänge. Er ist es, der durch einen Zufall und mit der Hilfe einer Österreichischen Freundin auf die Spur seines Großvaters kommt. Theodoros Kriaris bedankt sich tief bewegt im Namen der Familie bei allen, die bei dieser Recherche geholfen haben. Er bezeichnet diese späte Gewissheit als „größtes Geschenk, das seine Familie je erhalten hat“.
Gabriele Panzner, enge Freundin des Enkels von Herrn Kriaris