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Emile Ferdinand Lansberg 1921 - 1941 Bearbeiten

Geboren 27.6.1921 in Den Haag
Gestorben 13.10.1941 in Mauthausen

Biografie

Emile Ferdinand wurde am 27. Juni 1921 in Den Haag geboren. Meine Mutter erzählte mir, dass er ein hübscher Junge war und gerne Gitarre spielte. Er machte eine Ausbildung zum Koch in Den Haag.

Am 22. Februar 1941 – es war ein Samstagnachmittag – gab es eine große Razzia in Amsterdam. In den Tagen / Wochen davor war es immer wieder zu kleineren Zusammenstößen zwischen den deutschen Besatzungssoldaten der Wehrmacht – unterstützt von den Schlägertruppen der niederländischen Nazipartei NSB – und den jüdischen Ghettobewohnern gekommen, die es satt hatten, ständig verprügelt zu werden, und sich zur Wehr setzten. Die Nazis wollten diesen ständigen Auseinandersetzungen ein Ende setzen und beschlossen, eine Razzia durchzuführen. Emile Ferdinand lebte im Haus seiner Eltern in Den Haag 60 km von Amsterdam entfernt und hatte das Pech zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Wir wissen nicht, warum er nach Amsterdam gefahren war.

Am Ende des Tages wurden 391 (laut einer anderen Quelle: 388) Personen verhaftet und in das Durchgangslager „Kamp Schoorl“ in den Niederlanden gebracht, unter ihnen auch Emile Ferdinand. Von dort wurde er am 27. oder 28. Februar 1941 in das KZ Buchenwald überstellt.

Nach ihrer Ankunft in Buchenwald starben 47 aus dieser Gruppe in Folge von Erschöpfung, Gewalt / Misshandlungen und unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Steinbruch.

Am 23. (oder 22.) Mai 1941 wurde Emile Ferdinand mit den aus dieser Gruppe noch übriggebliebenen 341 (343?) Häftlingen sowie auch zusammen mit 350 entkräfteten polnischen Arbeitern nach Mauthausen transportiert, wo er am 13. Oktober 1941 im Alter von 20 Jahren starb.

Meine Mutter – seine Schwester – erzählte uns, dass ihre Mutter Rebecca noch Monate nach seiner Verhaftung Angst hatte. Emile Ferdinand schrieb einige (stark zensurierte) Briefe aus Buchenwald und Mauthausen. In seinem letzten Brief an seine Mutter schrieb er, dass er sich etwas unwohl fühle, aber es bestünde kein Grund zur Sorge. Es war wahrscheinlich im November, als Rebecca in das Büro der Sicherheitspolizei in Den Haag bestellt wurde, wo sie vom Tod ihres Sohnes erfuhr. 

Wally de Lang, eine holländische Historikerin, schrieb eine Dissertation zum Thema: „De razzia's van 22 en 23 februari 1941 in Amsterdam“ (Die Razzien am 22. und 23. Februar in Amsterdam). Ich glaube es gibt diese Arbeit nur auf niederländisch. Sie versuchte die Wege der bei dieser Razzia in Amsterdam verhafteten Personen nachzuzeichnen. In ihrer Arbeit spricht sie von 389 verhafteten und 387 ermordeten Personen. Ich zitiere: „Berührend sind die Haftentlassungsgesuche, die alle unbeantwortet geblieben sind, denn das vorgegebene Ziel war: ‚Rückkehr nicht erwünscht‘.“

Diese Razzia war auch der Auslöser für den berühmt-berüchtigten Februar-Streik in Amsterdam.

Ein Überlebender aus dieser Gruppe war Eddy de Wind, der ebenfalls ein Buch schrieb: „Eindstation (Endstation) Auschwitz“. Er sagte: „Die Politik war ‚Vernichtung durch Arbeit‘.“

Das ist alles, was ich über meinen Onkel – den ich nie kennenlernen durfte – weiß.

 

Oscar van Leeuwen, Neffe

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