August Paździora 1886 - 1940 Bearbeiten
Geboren 22.8.1886 in Horní Suchá
Gestorben 13.9.1940 in Gusen
Biografie
In der Verkündigungsbulle des Großen Jubiläums des Jahres 2 000 Incarnationis mysterium vom 29.11.1998 legte Papst Johannes Paul II. noch einmal den Finger auf die herausragende Bedeutung der Blutzeugen: „Ein dauerndes, aber heutzutage besonders beredtes Zeichen für die Wahrheit der christlichen Liebe ist das Gedächtnis der Martyrer. Ihr Zeugnis soll nicht vergessen werden. Sie sind diejenigen, die das Evangelium verkündet haben, indem sie aus Liebe ihr Leben hingaben. Der Martyrer ist vor allem in unseren Tagen Zeichen jener größeren Liebe, die jeden anderen Wert einschließt. Sein Dasein spiegelt die letzten von Christus am Kreuz gesprochenen Worte wider: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun' (Lk 23,34). Der Gläubige, der seine christliche Berufung, für die das Martyrium eine schon in der Offenbarung angekündigte Möglichkeit ist, ernsthaft erwogen hat, kann diese Perspektive nicht aus seinem Lebenshorizont ausschließen. Die zweitausend Jahre seit der Geburt Christi sind von dem beständigen Zeugnis der Martyrer geprägt.
Unser nunmehr zu Ende gehendes Jahrhundert hat vor allem als Folge des Nationalsozialismus, des Kommunismus und der Rassen- und Stammeskämpfe zahllose Martyrer hervorgebracht. Menschen aller Gesellschaftsschichten haben für ihren Glauben gelitten, indem sie ihr Festhalten an Christus und der Kirche mit dem Leben bezahlten oder mutig endlose Jahre der Gefangenschaft und Entbehrungen aller Art auf sich nahmen, um nicht vor einer Ideologie zurückzuweichen, die sich in das Regime einer grausamen Diktatur verwandelt hatte. Vom psychologischen Gesichtspunkt her ist das Martyrium der eindrucksvollste Beweis für die Wahrheit des Glaubens, die selbst dem gewaltsamsten Tod ein menschliches Gesicht zu geben vermag und ihre Schönheit auch in den grausamsten Verfolgungen zum Ausdruck bringt."
Aus der „Wolke der Zeugen" (Hebr 12,1) bleibt der Geistliche Augustin Pazdziora unvergessen. Sind wir auch über dessen Kindheit und Jugendzeit nicht näher informiert, so wissen wir doch, daß er am 22.8.1886 in dem Ort Ober-Suchau im Bezirk Freistadt in Österreichisch Schlesien zur Welt kam. Seine philosophisch-theologischen Studien absolvierte er im Anschluß an das Abitur. Noch nicht 24jährig empfing P. am 20.7.1910 das Sakrament der Priesterweihe und wurde damit dem Klerus des Erzbistums Breslau einverleibt.
Nach dem Empfang der Priesterweihe begann — wie allgemein üblich — der Seelsorgsdienst in verschiedenen Pfarreien. Nach den Kaplansjahren übertrug ihm der Erzbischof von Breslau, Adolf Kardinal Bertram, mit Datum vom 1.9.1933 die Verantwortung für die Pfarrei Konskau im Kreis Teschen im tschechischen Teil des Erzbistums. Damit trat P. seinen Dienst als Pfarrer in jenem Jahre an, in dem die Schatten in Deutschland immer länger wurden und das deutsche Volk schließlich 1939 in den Zweiten Weltkrieg getrieben wurde. Der Konflikt zwischen der kath. Kirche und der Ideologie des NS wurde von Jahr zu Jahr deutlicher. Auch P. wurde in ihn hineingerissen. Die Priester bildeten in jener Zeit ohnehin das Objekt einer steten Beobachtung durch die Machthaber des NS, weil sie in prinzipieller Gegnerschaft zu deren Ideologie standen.
Überliefert ist, daß er am 15.4.1940 von der Geheimen Staatspolizei festgenommen und verhaftet wurde. Bereits wenige Tage später, am 28.4.1940, erfolgte die grausame Strafe der Einlieferung in das berüchtigte KZ Dachau. Dort sollte er allerdings nicht lange bleiben, wurde er doch schon am 5.6.1940 dem KZ Gusen Überstellt. Das KZ, das während des Zweiten Weltkriegs mehr als 24 000 Häftlinge aufnahm, befindet sich etwa fünf Kilometer vom KZ Mauthausen in Oberösterreich entfernt und kann als dessen Außenlager bezeichnet werden. Die SS-Blockführer schickten die Häftlinge mit Vorliebe in den Steinbruch, wo sie sich zu Tode schinden konnten. Nach Pfr. Eugen Weiler trug P. hier die Häftlingsnummer 6 698. Im KZ Gusen waren die Tage P.s gezählt, starb er doch schon, wie Pfr. Eugen Weiler sowie Ulrich von Hehl und Christoph Kösters in ihrem Werk „Priester unter Hitlers Terror" dartun, ebenda am 13.9.1940. Dagegen schrieb der schlesische Kirchenhistoriker Kurt Engelbert im Jahre 1965, P. sei am „13.9.1940 im Konzentrationslager Mauthausen" (Priester, 224) gestorben. Der schlesische Kirchenhistoriker Msgr. Dr. Joseph Gottschalk kommt zu der Auffassung, P. sei im KZ Dachau ums Leben gekommen (Breslauer, 304). Möglicherweise war ihm im Jahre 1967 noch nicht bekannt, daß P. nach seinem kurzen Aufenthalt in Dachau in das KZ Gusen verschubt wurde. Wenngleich demnach Differenzen bezüglich des Todesortes bestehen, so weist die historische Forschung einhellig das gemeinsame Todesdatum aus, so daß hiervon verbindlich ausgegangen werden kann.
In seiner Eigenschaft als kath. Priester wurde P. von der Geheimen Staatspolizei verhaftet, in ein KZ eingeliefert, wo er schließlich auch den Tod fand. Die Visitatur Breslau bewahrt ihm ein ehrendes Andenken und verehrt ihn als Blutzeugen für Christus und seine Kirche.
Helmut Moll — Winfried König
In: Helmut Moll (Hg.): Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. (Paderborn 2019), S. 733-734
Quellen:
AAVB, Münster; Johannes Paul 11., Verkündigungsbulle Incamations mysterium, in: Nr. 13, in AAS 91 (1999) 142 f., zitiert nach VAS 136, 17f.; E. Gostner, 1 000 Tage im KZ. Ein Erlebnisbericht aus den Konzentrationslagern Dachau, Mauthausen und Gusen. Mit authentischem Bildmaterial und Dokumenten (Innsbruck 21947) 136-151.
Lit.: Engelbert, Priester, 224; Gottschalk, Breslauer, 304; Weiler, 511; Volk, Bertram; G. Tlllion, Ravensbrück. Suivi de: Les exterminations par la gaz à Ravensbrück. Les exterminations par la gaz à Hartheim, Mauthausen et Gusen (Paris 1988); W. J. Bandion, Johann Gruber — Mauthausen-Gusen — 7. April 1944 (Wien 1995); HehlKösters, Priester, 516.