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Wacław Góralczyk 1897 - 1941 Bearbeiten

Geboren 20.9.1897 in Zawiercie
Gestorben 10.10.1941 in Gusen

Biografie

Wacław Góralczyk wurde am 20. September 1897 in Zawiercie geboren. Er war der Sohn von Franciszek und Antonina, geborene Główczyńska. Der Vater war Tischler und beginnend mit dem 29. März 1925 wurde er zum ersten höher gestellten Mitglied der gerade gegründeten Tischlerinnung. Die Familie war römisch-katholisch. Wacław besuchte das achtjährige private philologische Männergymnasium (Prywatne Gimnazjum Filologiczne Męskie) in Zawiercie, welches heute in einem vernachlässigten Gebäude in der ul. Kościuszki 12 untergebracht ist.

1915 trat er den Legionen bei. Am 8. Mai 1915 wurde er dem 4. und später dem 6. Infanterieregiment der III. Brigade der Polnischen Legionen zugeteilt. Wacław Góralczyk wies sich mit dem Legionärsausweis Nr. 24579 aus. Er kämpfte in der 3. Kompanie und erreichte den Rang Starzy Legionista (Oberlegionär), d. h. den höchsten Rang im Korps der Legionäre. Zwischen Juli 1920 und 13. November 1920 diente er in den Legionen als Freiwilliger.

1921 inskribierte er für das erste Semester an der Philosophischen Fakultät der Uniwersystet Jagielloński (Jagiellonen-Universität) als außerordentlicher Hörer. Beginnend mit dem Eintrag für das Studienjahr 1921/22 erscheint ein Vermerk über eine beim MWRiOP (Ministerium für Glauben und öffentliche Bildung in der 2. Republik Polen) erfolgreich abgelegte Abiturprüfung und ab diesem Zeitpunkt wird Góralczyk als ordentlicher Hörer geführt. Er erhielt auch den Rang eines Unterleutnants der Polnischen Armee. Am Ende des Jahres 1924 heiratete er Anna Sysler. Er nahm seine Tätigkeit in der Stadtverwaltung (Militärabteilung) auf.

Von 1934 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er zum Vizepräsidenten der Stadt Zawiercie ernannt. Er war aktiv in den Reihen des Związek Strzelecki (Schützenverband) tätig und war seit 1936 in dessen Vorstand; sowie in der Gesellschaft Polski Czerwony Krzyż (Polnisches Rotes Kreuz). Er war Vorsitzender des Komitet Obywatelski Niesienia Doraźnej Pomocy dla Bezrobotnych (Bürgerkomitee für die Gewährung sofortiger Hilfe an Arbeitslose) in Zawiercie, welches 1930 entstand. 1932 wurde er Sekretär des Związek Zawodowy Pracowników Miejskich (Berufsverband der Stadtmitarbeiter), zu dem Magistratsbeamte sowie Beamte der städtischen öffentlichen Einrichtungen gehörten. Den größten Einfluss in diesem Verband hatte die Abteilung BBWR (Bezpartyjny Blok Współpracy z Rządem (Parteiloser Block der Regierungsunterstützer)), in der Wacław Góralczyk die Position des stellvertretenden Vorsitzenden innehatte. Im Jahr 1938 wurde Wacław Góralczyk als stellvertretender Vorsitzender Mitglied des Rada Obwodowa OZN des Landkreises Zawiercie [Bezirksratsmitglied von Obóz Zjednoczenia Narodowego [Lager der Nationalen Einheit, seit Mitte 1936 eine politische Organisation in Polen]). Am 1. September 1939 wurde er zum stellvertretenden Kommandanten der Staatspolizei in Zawiercie nominiert. Als Ergebnis des ungünstigen Verlaufs der Schlacht an der Grenze war er gezwungen, ins Landesinnere zu fliehen. Gegen Ende des Jahres 1939 kehrte er nach Zawiercie zurück.

Ein Jahr später hielten ihn die Deutschen zweimal als Geisel fest. Dann deportierten sie ihn in das Konzentrationslager Gusen/Mauthausen, das oft als „das Vernichtungslager für die polnische Intelligenz“ bezeichnet wurde. Laut dem Gefangenenregister kam er am 10. Oktober 1941 in Gusen ums Leben. Sein Familiengrab befindet sich auf dem Pfarrfriedhof der Heiligen Apostel Peter und Paul.

Er hinterließ ein Manuskript, in Versform geschriebene Notizen aus der Zeit seines Militärdienstes bei den Legionen. In den Notizen merkt man, dass der Autor nach seinem eigenen Schreibstil sucht. Es ist eine Sammlung verschiedener literarischer Gattungen: Lieder, Hymnen, Sonette, Epigramme, Elegien. Das Ganze ist in einer schönen kaligraphischen Schrift mit vielen Verzierungen der ersten Buchstaben verfasst. Zahlreiche Randbemerkungen und Überschreibungen beweisen, dass der Autor viel Zeit darauf verwandte, seine Notizen auszuarbeiten. Góralczyk gab dem Manuskript den Titel Wiersze Wacława Góralczyka z 6. pułku piechoty legiończyka (Gedichte von Wacław Góralczyk aus dem 6. Infanterieregiment der Legionen). Das Manuskript ist das Debüt eines Teenagers, eines jungen Menschen, dem zuteilwurde, in den schweren Kriegstagen zu leben. Der Autor musste seine poetischen Träume verwerfen und sich der grausamen Realität stellen. Die Gedichte wurden für die Schublade geschrieben, weil sie nie das Tageslicht erblicken sollten. Der Autor selbst hat später nie wieder irgendeine Art literarischer Tätigkeit aufgenommen. Seine Notizen erlauben es lediglich zu beurteilen, wofür der junge Legionär lebte, woran er dachte, wovon er träumte und schwärmte. Wofür er bereit war zu kämpfen, stellt er in seinen Gedichten und Notizen dar, die er in den Nächten und den übungs- und kampffreien Momenten verfasste. Trotz seines jungen Alters kannte der Autor die Geschichte und die Literatur Polens gut und wusste, von was für einem Polen er träumte. Er gab seine Heimat, seine Familie und seine Träume auf und trat freiwillig den Legionen mit nur 17 Jahren bei. Sein Traum wurde Realität – Polen erneuerte sich als ein freies und unabhängiges Land.
 

Paulina Stelmaszczyk

 

Bibliographie:

Wacław Góralczyk: Zapiski zawierciańskiego legiończyka [Notizen des Legionärs von Zawiercie] (Zawiercie 2019).

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