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Martín Ferreiro Álvarez 1892 - 1941 Bearbeiten

Geboren 13.9.1892 in Cerdedo - Quireza (Pontevedra)
Gestorben 23.11.1941 in Gusen

Biografie

Martín Ferreiro Álvarez wurde am 13. September 1892 im Ort Outeiro in Quireza, Gemeinde Cerdedo, aktuell Cerdedo-Cotobade (Pontevedra) geboren. Laut Geburtsurkunde hatte er einen Zwillingsbruder, Manuel, sowie weitere Geschwister: Esperanza, Divina, Francisco, Antonio und José. Die Eltern hießen José und Manuela, die Großeltern väterlicherseits Carlos und María Jesusa und mütterlicherseits Manuel und Francisca.

Als einer der bedeutendsten Steinmetze Galiciens fertigte Martíns Vater José Ferreiro die Wegkreuze in Aciveiro, Cerdedo und Quireza an. Er entwarf und baute die Kirchtürme in Codeseda, die Türme von San Salvador in Ares und die Burg La Palma in Ferrol.

Laut Martín Ferreiros Militärakte[1] für den Jahrgang 1913 war er 1,65 cm groß und übte den Beruf des Steinmetzes aus. Am 15. März 1914 wurde er dem dritten Bataillon des Infanterieregiments Murcia Nr. 37 zugeordnet. Am 7. August 1915 leistete er den Fahnenschwur in Pontevedra. Im Oktober wurde er nach Ableistung des Militärdienstes entlassen und kehrte nach Quireza zurück. Für die „erste Einkleidung“ wurden von ihm 30 Peseten eingefordert.

1922 ließ er sich in A Coruña (an der Calle Alondra 48) nieder und begann auf dem Bau zu arbeiten. Mit der Zeit wurde er Baumeister.

In den Folgejahren erschien er weder zur verpflichtenden jährlichen Militärinspektion noch leistete er die Geld- oder „entsprechende Ersatzhaftstrafe“. Die Militärbehörden erklärten, dass er „weder den Junggesellenbescheid noch die vollumfängliche Entlassung erhalten wird und nicht in den Genuss aller Rechte und Vorteile aus dem Rekrutengesetz kommt“. Zudem wird darauf hingewiesen, dass er „den Wohnsitz ohne Erlaubnis der Militärbehörden ständig wechselt“; die Guardia Civil in Cerdedo wird aufgefordert, ihm dies mitzuteilen. 1928 regelte er seine militärischen Angelegenheiten und wurde begnadigt.

Nach der Ausrufung der Republik schloss er sich dem Casino Republicano an. 1931 wurde er als Mitglied der Partido Republicano Radical Socialista zum Gemeinderat unter dem Mandat von Ángel Senra gewählt. 1935 schloss er sich der Unión Republicana an und wurde zum Vizebürgermeister und Gemeinderat für Bauarbeiten unter dem Mandat von Alfredo Suárez Ferrín ernannt. Im Jänner 1936 erfolgte seine Ernennung zum Buchhalter der Spanischen Liga der Menschenrechte durch die Unión Republicana.

Zudem ist aufgrund eines Berichts der Polizei A Coruña[2] bekannt, dass er 1934 als 2. Beisitzer der Partido Radical gewählt wurde, am 7. Oktober desselben Jahres gemeinsam mit anderen Personen im Casino Republicano „wegen Äußerung subversiver Parolen bei Ausrufung des Kriegszustands“ verhaftet wurde, im Juli 1935 Ersatzbeisitzer des exekutiven Provinzkomitees der Unión Republicana war, Mitglied von Izquierda Republicana wurde und für diese Partei ein Mandat bei den Wahlen erlangte, die der Volksfront den Sieg gaben, Germinal – einem 1901 gegründeten libertären Athenäum – beitrat und an der Hommage für Casares Quiroga in Lugo teilnahm.

Er war mit Palmira Ramil Medín verheiratet und Vater von fünf Kindern: José, Eva, Martín, Blanca und Olga.

Nach dem Putsch im Juli 1936 zog Martín Ferreiro als Verteidiger der republikanischen Gesetzlichkeit auf Anordnung des Zivilgouvernements und mit Hilfe eines städtischen Wagens die Dynamitpatronen, Sprengzünder und Lunten vom Rathaus ab, die für städtische Bauarbeiten verwendet wurden. Laut der Akte 207/1936 des Prozesses wegen Rebellion und Hochverrat „erschien der Stadtrat Martín Ferreiro Álvarez am 19. Juli um sechs Uhr abends in den Räumlichkeiten der Stadtpolizei im Rathaus mit einer zahlreichen Menschengruppe. Als ihnen die Wächter den Zutritt verwehren wollten, machte er sein Amt als Stadtrat geltend, um mit der Gruppe bis zur Truhe vorzudringen, in der das Dynamit für städtische Bauarbeiten aufbewahrt wurde. Nachdem er das Schloss aufbrach, brachte er etwa eintausend Dynamitpatronen, Sprengzünder und ca. neunhundert Meter Lunte in seinen Besitz, die er zum Zivilgouvernement brachte, um sie für den Angriff einzusetzen, der gegen die Armee vorbereitet wurde.“[3]

Laut Aussage der Stadtpolizei „erschien am Nachmittag des Montags, 19. Juli eine Gruppe aus dreißig Personen. Als ihnen der Zutritt verwehrt wurde, trat der Stadtrat Herr Martín Ferreiro Álvarez hervor und behauptete, sie würden ihn begleiteten. Sie drangen in den Raum ein, wo das Dynamit aufbewahrt wurde, und da sie offensichtlich den Schlüssel nicht bei sich führten, ging Herr Ferreiro ihn holen, kam jedoch zurück, ohne ihn gefunden zu haben, weshalb er selbst das Schloss aufbrach. Mit dem Fahrzeug des Bürgermeisters wurden etwa tausend Dynamitpatronen, Sprengzünder und ca. 900 Meter Lunte zum Zivilgouvernement gebracht.“[4]

Die Franco-Militärbehörden betrachteten dieses Ereignis als Hochverrat und beschlossen, Martín den Prozess zu machen. Am 12. August 1936 wurde eine Vorladung im Amtsblatt der Provinz veröffentlicht, damit er erscheine und verhaftet werde. Schließlich wurde er als flüchtig erklärt.

In seinem Buch Estampas de injusticia beschreibt Luis Lamela García, wie das Dynamit geholt und befördert wurde:[5]

„Martín Ferreiro Álvarez aus Pontevedra, Stadtrat in A Coruña, übte vorübergehend das Amt als Leiter der Bauarbeiten im Park Joaquín Costa, heute Santa Margarita, aus. Dieser Mann wusste von den Dynamitpaketen im Kellergeschoss des Rathauses, die für die Bauarbeiten in besagtem Park verwendet wurden und unter der Aufsicht des Ingenieurs Víctor Solórzano standen.

Da er vom Lager wusste, und angesichts der Beschlagnahme von Waffen und Dynamit von den städtischen Waffenkammern, bat Martín Ferreiro José Moreno Torres um die Entsendung eines Dutzend Männern von der Confederación Nacional del Trabajo, um das Dynamit des Rathauses von A Coruña in den Keller der Provinzverwaltung in der Calle Riego de Agua zu bringen. Martín Ferreiro teilte die Entscheidung dem Bürgermeister Suárez Ferrín mit, obwohl im Zuge der Forschungsarbeiten nicht genau ermittelt werden konnte, ob dies vor oder nach dem Transport erfolgte.

Es ist erwiesen, dass der anarchistische FAI-Führer Moreno Torres etwa dreißig Arbeiter nach María Pita brachte, die sich in Rathausnähe aufstellten und auf die Ankunft des Stadtrats Ferreiro warteten. Dieser erschien nach wenigen Minuten mit einem offiziellen Personenwagen – dem Auto des Bürgermeisters […].

Ferreiro Álvarez führte die Arbeiter an den Stadtpolizisten vorbei und ging mit ihnen auf ein kleines Lager zu, wo eine Truhe stand, in der Kisten mit je 250 Dynamitpatronen, fünf Kisten mit je hundert Sprengzünder und etwa neunhundert Meter Lunte aufbewahrt wurden. Martín Ferreiro verlangte persönlich den Truhenschlüssel vom anwesenden Polizeichef. Der Stadtbeamte berichtete, dass der Schlüssel vom Beauftragten für die Aufsicht über die Sprengstoffe aufbewahrt wurde, der nicht in der Nähe aufzufinden war. Ferreiro brach das Schloss zur Truhe auf und befahl, den gesamten darin enthaltenen Sprengstoff in den Dienstwagen zu bringen.

[…] Die Beschlagnahme des Sprengstoffes erfolgte auf Befehl des Gouverneurs Francisco Pérez Carballo, wie die Arbeiter den anwesenden Stadtpolizisten mitteilten []“

Martín Ferreiro konnte fliehen. Die Guardia Civil fand ihn nicht, obwohl sie ihn bis zu seinem Geburtsort Quireza verfolgte, wo er bei seiner Schwester Divina Zuflucht fand. Später kam er in Teixeiro unter, wo sein Bruder Antonio wohnte und er sich wahrscheinlich versteckt hielt, bis er sich Ende Oktober 1936 nach Portugal absetzen konnte.

Die Akte 949/1937,[6] die gegen Antonio Ferreiro Álvarez und José García Castro wegen Beihilfe zur Rebellion eröffnet wurde, enthält einen Leumundsbericht des Ermittlungs- und Aufsichtskommissariats A Coruña über Martín Ferreiro, in dem er als „spanisch-marxistisches Element“ beschrieben wird. Ferner heißt es darin: „Sein moralisches, öffentliches und privates Verhalten lässt sehr zu wünschen übrig. In wirtschaftlicher Hinsicht ist er ein regelrechter Taugenichts, wie die zahlreichen Betrügereien beweisen, die er in den Geschäften dieser Stadt begangen hat, wo er einen Schaden zwischen 150 und 200.000 Peseten hinterließ.“ Auch wird auf einen falschen, mit 22. Oktober 1936 datierten Passierschein der Falange hingewiesen, den Martín Ferreiro wahrscheinlich für den Grenzübertritt in A Xironda (Ourense) benutzte.

Laut diesem Prozess gilt es als erwiesen, dass José García Castro, Angestellter und angeheirateter Neffe von Antonio Ferreiro Álvarez, auf dessen Bitte hin am 24. Oktober 1936 die Grenze bei A Xironda passierte und per Auto nach Braga fuhr, wo er Martín Ferreiro in einer Pension in der Nähe des Bahnhofs traf, um ihm ein Kuvert mit 800 Peseten zu überreichen. Nachdem beide zusammen gegessen hatten und José García zur Rückkehr nach Spanien aufbrach, übergab ihm Martín Ferreiro den falschen Passierschein der Falange, den er für die Ausreise aus Spanien benutzt hatte, und riet ihm, den Zug nach Tui zu nehmen. So tat es José García, wurde jedoch an der Grenze festgenommen.

Antonio Ferreiro Álvarez wurde wegen Unterstützung der Rebellion, „da er zur Kapitalflucht beigetragen hat, die sich auf die Abwertung der nationalen Devisen auswirkt“, zu zwölf Jahren und einem Tag Haft verurteilt. José García Castro wurde freigesprochen.

Martín Ferreiro erreichte von Portugal aus Paris. Nach einiger Zeit kehrte er nach Spanien zurück. Es besteht kein urkundlicher Nachweis, dass er im Krieg kämpfte. 

Aurora Marco gibt das Zeugnis von Teresa Alvajar, Tochter von César Alvajar und Amparo López Jean, die den Krieg in Madrid, Valencia und Barcelona erlebte, wieder:[7]

„Eines Tages, das genaue Datum kann ich nicht nennen, erschien Martín Ferreiro zu Hause und blieb eine Woche bei uns. Nachdem er sich längere Zeit versteckt hielt, konnte Martín Ferreiro, Vizebürgermeister von A Coruña, nach Paris flüchten. Von dort aus fuhr er nach Valencia und weiter nach Madrid, um uns zu besuchen. Dieser Freund schickte meinem Vater ein Gedicht, in dem er seine Flucht von Galicien nach Portugal und weiter nach Frankreich erzählte […]

Einen Tag, bevor die Straße von Valencia nach Barcelona gesperrt wurde, kam zu unserer großen Erleichterung Mama mit Martín Ferreiro an. Papa warf ihm seinen Leichtsinn vor, so lange in Valencia zu bleiben, worauf Martín Ferreiro entgegnete: ‚Hätten wir die Straße gesperrt vorgefunden, dann wären wir über das Meer hierher gekommen.‘ Ferreiro – der aus Galicien nach Portugal flüchtete, später Paris erreichte und von dort aus nach Valencia kam – war das große Risiko gewohnt. Durch seine Ankunft hatte ich kein Zimmer mehr, denn nach dem Wunsch meiner Mutter wurde es unserem Freund überlassen, und so schlief ich von nun an auf dem Sofa.

Martín Ferreiro war mittelgroß, eher dick als stark, mit graumeliertem Haar mit Stoppelschnitt und Obergebiss aus Gold, was mich faszinierte. Dieses bewegte sich beim Sprechen, und ich schaute ganz hingerissen hin. Er war ein ausgezeichneter Mensch. Er lebte glücklich mit uns und war sehr zufrieden mit dem Zimmer, das ich ihm überließ, mit dem kleinen Schreibtisch, wo er seinen Irrweg in Prosa und als Gedicht in einem dunkelblauen Lederheft niederschrieb: De los verdugos huyendo, crímenes y horrores viendo (Auf der Flucht vor den Henkern, Verbrechen und Gräuel erlebend). Manchmal verließ er sein Zimmer und las Mama und mir, mit Amparos Tochter Silvia auf dem Schoß, Auszüge vor. Das Mädchen, froh in meinen Armen zu sein, schaute aufmerksam zu und lächelte, und Martín sagte: ‚Dieses Mädchen ist sehr intelligent.‘

Ferreiro hatte einen kleinen Zwischenfall in Paris: Als er die Weite einer Metrostation bewunderte, zog er ein Holzmetermaß hervor, das er immer bei sich hatte, und begann seelenruhig Maß zu nehmen. Fast wäre er für einen Spion gehalten worden. Gleiches geschah in Valencia mit einer Kanonenmündung, die er in einem Militärpark gemeinsam mit Castelao und anderen Freunden begutachtete. Als er das Metermaß hervorzog, nahm ihn der Wache haltende Soldat als vermeintlichen Spion fest. Castelaos Abgeordnetenausweis befreite ihn aus der misslichen Lage. Nach Kriegsende ging er nach Frankreich, und nach der Zusammenarbeit mit der Résistance wurde er von den Deutschen ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert, wo er laut Aussagen von Augenzeugen verstarb, die es später meinem Vater in Paris erzählten. Was wurde aus seinen sterblichen Überresten? Wo ruht dieser großartige Mann, der als Verteidiger der Freiheit und der Republik starb? Möge er in Frieden ruhen. Hiermit gedenke ich voller Bewunderung seiner Tapferkeit und Beständigkeit im Kampf für die Republik.“

Im letzten Quartal 1938 ging er nach Frankreich. Von dort schrieb er mehrere Briefe an seine Frau Palmira, seinen Bruder Martín und seine ältesten Kinder Eva und Pepe, die er als 'Divina', 'Divina Álvarez', 'Tante Divina' bzw. 'Deine Lehrerin' signierte. Zweifelsohne wählte er diesen Namen in Erinnerung an seine Schwester Divina Ferreiro Álvarez. In einem Brief beglückwünschte er Eva für ihre sechzehn „Lenze“, in einem anderen äußerte er seine Freude, weil Pepe seinen Schulabschluss geschafft hatte, und riet ihm, weiter zu lernen und die Hoffnung nicht aufzugeben, später die Universität zu besuchen. Seinem Bruder Martín versprach er, wunderschöne Sammelbilder zu kaufen, wenn er nach Paris käme. Der letzte Brief ist mit 12. Mai 1940, kurz vor seiner Festnahme datiert. Darin erfolgte ein geheimnisvoller Auftrag an seine Frau: Sie sollte einen Wertgegenstand abholen, der einem französischen Onkel gehörte, für den sie einen hohen Franc-Betrag erhalten könnte, und forderte sie auf, das französische Konsulat um Hilfe zu bitten. In mehreren Briefen nahm er auf diesen französischen Onkel Bezug, der ein bedeutendes Amt bekleidete und den Wunsch äußerte, 1940 nach Paris zu ziehen.[8]

Sein Aufenthalt in Argelès bzw. einem sonstigen Flüchtlingslager in Frankreich ist nicht belegt, sowie auch nicht seine Rekrutierung durch eine ausländische Arbeiterkompanie (CTE), obwohl in einem undatierten Brief von Paulino Cores Soto an Martíns Ehefrau erwähnt wird, dass sie Ende 1939 in den Arbeiterkompanien mobilisiert wurden.

Tatsache ist, dass er von der deutschen Wehrmacht höchstwahrscheinlich in Saint-Dié (Département Vosges) zwischen dem 20. und 26. Juni 1940 gefangen genommen und im Stalag V-D in Strasbourg mit der Gefangenennummer 2618 inhaftiert wurde. Die elsässische Hauptstadt wurde im Juni 1940 ins Deutsche Reich eingegliedert. Das Stalag war von November 1940 bis Juni 1942 als Häftlingslager in Betrieb, weshalb anzunehmen ist, dass er vorher in einem anderen Lager inhaftiert war.

Am 11. Dezember bestieg Martiño Ferreiro im Bahnhof Strasbourg einen Viehwaggon eines Zugs nach Mauthausen mit insgesamt 847 Spaniern. Nach zwei Tagen und drei Nächten Fahrt ohne Essen und Trinken und ohne Schlaf erreichten sie frühmorgens ihr österreichisches Ziel. Bei eisigen Temperaturen unter ‑20 °C legten er und seine Reisegefährten unter der Aufsicht der SS mehr als fünf Kilometer zu Fuß bis zum Spanierlager zurück.

Nach der Dusche, Rasur und Desinfizierung wurde er in Mauthausen als Maurer und Polier mit der Gefangenennummer 4983 eingetragen. Dort hinterließ er seine geringen Habseligkeiten und die wenigen Personalien, die ihn mit der Vergangenheit verbanden: Name, Geburtsdatum und -ort, Name der Ehegattin, seine letzte Wohnadresse in A Coruña.

Zur Sklavenarbeit und zur Vernichtung verdammt sowie unmenschlichen Anstrengungen ausgesetzt, wurde er am 24. Jänner 1941 ins Nebenlager Gusen gebracht, wo er mit der Gefangenennummer 9229 eingetragen wurde. Die Kräfte, um die Gräuel zu überstehen, hatten ihn verlassen, und zehn Monate später starb er am 23. November um 6:30 Uhr in den Armen von Francisco Pena Romero aus A Coruña. Seine letzten Worte waren: „Francisco, ich werde mein A Coruña nie wieder sehen.“[9] Die „offizielle“ Todesursache war chronische Nervenentzündung.[10] Drei Tage lang lag sein Leichnam aufgestapelt mit anderen, bis im Krematorium Platz frei wurde, wohin man ihn am 25. November brachte.

Am selben Tag, an dem Martiños Körper zu Rauch und Asche wurde, erfolgte die Veröffentlichung einer Mitteilung an ihn, wonach „durch Beschluss des Regionalgerichts für politische Rechenschaft von A Coruña die Akte im Sekretariat des besagten Gerichts drei Tage ab dem Folgetag der Veröffentlichung dieser Mitteilung im staatlichen und Provinzamtsblatt ausgelegt [wird], damit besagte Beschuldigte Einsicht nehmen und innerhalb der folgenden achtundvierzig Stunden ihre Verteidigungsschrift verfassen können, wobei sie persönlich oder durch Vertretung erscheinen und für ihre Verteidigung einen Anwalt heranziehen oder darauf verzichten können. Zu Urkunde dessen und zur Mitteilung an die Beschuldigten [][11]

Am 21. Jänner 1942 wurde das Urteil des Regionalgerichts für politische Rechenschaft veröffentlicht: „In A Coruña, den 21. Jänner 1942. Nach Einsicht durch dieses Regionalgericht für politische Rechenschaft in die ihm zustehende Akte gegen Martín Ferreiro Álvarez, 46-jährig, verheiratet, Baumeister, Sohn von José und Manuela, geboren in Pontevedra und ehemals wohnhaft in A Coruña, Aufenthaltsort gegenwärtig unbekannt, nach Ermittlung des von der Provinzkommission für die Beschlagnahme von Gütern dieser Provinz eingesetzten Sonderrichters und fortgesetzt durch den jeweils zuständigen Richter, ergeht der Beschluss: Der Beschuldigte Martín Ferreiro Álvarez ist zur politischen Rechenschaft zu ziehen und wird dazu gezogen, wofür er zu zwölf Jahren absoluten Berufsverbots, zwölf Jahren Verbannung im Umkreis von mindestens zweihundert Kilometern von A Coruña und Pontevedra und zur Zahlung von 25.000 Peseten verurteilt wird. […] Zur formgerechten Mitteilung an den Bestraften wird ihm zusätzlich mitgeteilt, dass er innerhalb von fünf Tagen ab dem Folgetag der Veröffentlichung dieses Beschlusses Beschwerde einlegen kann, sofern er dies als angebracht erachtet.“[12]

Das Urteil des Regionalgerichts für politische Rechenschaft wurde für rechtskräftig erklärt, und im Mai 1943 wurde Martín Ferreiro aufgefordert, „innerhalb von zwanzig Tagen ab dem Folgetag der Veröffentlichung dieses Schreibens die ihm auferlegte Geldstrafe zu begleichen oder den Antrag unter Vorlage der Sicherheiten gemäß § 14 des Gesetzes vom 9. Februar 1939 zu stellen.“[13]

Jahre später schrieb Adolfo Bregua Mouriño, ein 1945 aus Mauthausen freigelassener Häftling, die Familie Ferreiro an, um ihr von den Einzelheiten von Martiños Tod zu berichten: „Er starb in Anwesenheit von zwei weiteren Männern aus A Coruña, Arturo García und Andrés Adriano, mit dem Spitznamen Chacón bekannt. Martín verbrachte viel Zeit mit mir. Wir waren bis zum Ende zusammen. Ich schätzte ihn fast wie einen Vater. Ich konnte nichts tun, um sein für mich so schmerzhaftes Schicksal zu verhindern, und bitte nur darum, dass seine Frau und seine Kinder sich dem Schicksal fügen und die Ruhe bewahren, in der Überzeugung, dass ihr Ehemann niemandem jemals Schaden zufügte, sondern ganz im Gegenteil, dass er ein guter Mensch war, der niemals ein böses Wort in den Mund nahm. Er starb wie die Männer, für ein Ideal [][14]

Im Juli 1952 veröffentlichte das Amtsgericht A Coruña zwei Bekanntmachungen innerhalb von zwei Wochen. Dort wurde die Akte über die Todeserklärung von Martín Ferreiro Álvarez geführt, „der zwischen dem 18. und 21. Juli 1936 diese Stadt verließ, ohne dass je wieder von ihm erfahren wurde. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt.“ Den Antrag stellte Frau Palmira Ramil Medín, „die Armenhilfe bezieht“.[15]

Im Februar 1962 beantragte die Kanzlei Schaps, Hintenthur und Schneider im Namen des Oberlandesgerichts Düsseldorf bei den französischen Behörden, konkret dem Ministerium für ehemalige Kämpfer und Kriegsopfer, auf Antrag von Palmira Ramil Medín, Witwe von Martín Ferreiro Álvarez, die Ausstellung einer Bestätigung von dessen Deportierung von Frankreich nach Mauthausen und späteren Tod: „Martín Ferreiro Álvarez, spanischer Staatsbürger. Im zweiten Halbjahr 1936 sah er sich zur Flucht aus A Coruña gezwungen, weil er ein Gegner des Franco-Regimes war und die begründete Befürchtung hegte, aufgrund seiner politischen Gesinnung vor Gericht gestellt zu werden. Herr Martín Ferreiro Álvarez arbeitete zunächst in Frankreich als Architekt. Nach der Besatzung Frankreichs durch deutsche Truppen wurde er für den obligatorischen Arbeitsdienst zwangsrekrutiert. Am 13. Dezember 1940 wurde er ins Konzentrationslager Mauthausen in Deutschland gebracht, wo er am 23. November 1941 starb.“[16]

Fünfundzwanzig Jahre später schrieb Palmira Ramil am 1. April 1989 an Santiago Álvarez: „In der Ausgabe von La Voz de Galicia vom vergangenen 31. Dezember erscheint eine Liste von 105 Galiciern, die im Konzentrationslager Mauthausen starben. Darunter befindet sich mein Ehemann, Herr Martín Ferreiro Álvarez, der bei Ausbruch des Bürgerkriegs Stadtrat in A Coruña war. Wegen seines republikanischen Gedankenguts musste er zunächst nach Portugal, später nach Frankreich fliehen, wo er nach der Invasion durch die Nazis gefangen genommen und in das besagte Konzentrationslager gebracht und dort später ermordet wurde. Da mir dadurch eine Pension zustehen könnte, schreibe ich Sie um Auskunft über die Behörde an, von der ich die Unterlagen erhalten kann, die die Umstände der Festnahme, der Haft und des Todes meines Ehemannes belegen. Falls Sie über ein diesbezügliches Dokument verfügen, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir eine Kopie zukommen ließen.“[17]

Auf dem Campo das Laudas, einem Grabsteinfeld in As Raposeiras (Meilide) zum Gedenken der Opfer des Faschismus, wurde vergangenen Oktober ein Gedenkstein für Martiño Ferreiro Álvarez aufgestellt. Carlos Solla las ein Gedicht von Martiño vor, das über seine Flucht berichtet.

„Es ist sogar möglich, dass ich gelegentlich träume und die Träume den Geist erheben, indem sie meine schmerzende, gequälte Seele stärken.“[18]

María Torres

Quelle:

https://www.buscameenelciclodelavida.com/2019/11/martin-ferreiro-alvarez-de-quireza.html

Fußnoten:

[1] Militärarchiv Guadalajara

[2] AIMNOR. Prozessakte 949/1937, von Xosé Álvarez zur Verfügung gestellt.

[3] AIMNOR Prozessakte 207/1936

[4] Ebd.

[5] Luis LAMELA: Estampas de injusticia. La Guerra civil del 36 en A Coruña y los documentos originados en la represión, Edicios do Castro (1998), S. 58, 60.

[6] Militärisches Zwischenarchiv Nordwest. Prozessakte 949/1937, von Xosé Álvarez zur Verfügung gestellt.

[7] Aurora MARCO (Ed.): Teresa Alvajar López: Memorias dunha Republicana, Edicions Laiovento (2012), S. 75, 76, 90.

[8] Briefe von Martín Ferreiro Álvarez. Persönliches Archiv von José Luis Alamán Ferreiro.

[9] Zeugnis von Francisco Pena, Sohn des Deportierten Francisco Pena Romero aus A Coruña.

[10] ITS Archives, Bad Arolsen.

[11] Spanisches Amtsblatt Nr. 8 vom 8/01/1942.

[12] Spanisches Amtsblatt Nr. 112 vom 22/04/1942, S. 2014.

[13] Spanisches Amtsblatt Nr. 249 vom 6/09/1943, S. 3161.

[14] Brief von Adolfo Bregua Mouriño an José Bouzas. Persönliches Archiv von José Luis Alamán Ferreiro.

[15] Spanisches Amtsblatt Nr. 52 vom 10/07/1952, S. 1952 sowie Nr. 211 vom 29/07/1952, S. 2141.

[16] S.H.D. Bureau des Archives des victimes des conflits contemporains. Caen (Frankreich).

[17] Santiago Álvarez: Las milicias populares gallegas. Un símbolo de la Galicia antifranquista, Ediciós do Castro (1989), S. 158.

[18] Brief von Martín Ferreiro Álvarez an seine Frau Palmira, datiert am 29/02/1940. Persönliches Archiv von José Luis Alamán Ferreiro

 

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