Félix Bartolomé Barreno 1914 - 1942 Bearbeiten
Geboren 25.3.1914 in Espinar (El)
Gestorben 24.11.1942 in Gusen
Biografie
Text aus „La Voz de El Espinar“, Nr. 28 (März 2025) (pdf)
Félix wurde am 25. März 1914 in El Espinar als jüngstes der vier Kinder von Juan Bartolomé Martín und Tomasa Barreno Ordóñez geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Madrid mit seiner Mutter und seinen Geschwistern (der Vater war womöglich verstorben) in der Calle de los Jesuitas Nr. 2 nahe der Puente de Segovia, wo er ein Untergeschoß mit anderen Landsleuten teilte. Obwohl eine Familie aus bescheidenen Verhältnissen wenig Spuren in den Dokumenten hinterlässt, ist bekannt, dass seine Mutter 1920 als Bedienstete in mehreren Häusern in der Hauptstadt für ein Tagessalär von zwei Peseten arbeitete.
Ab sehr jungem Alter verdingte sich Félix als Maurer und Brunnenarbeiter, ein Beruf, der sein Schicksal während des Spanischen Bürgerkriegs besiegelte und ihn bis zum letzten Eintrag im Konzentrationslager begleitete.
Bei Kriegsausbruch war er ledig und hatte seinen Wohnsitz unweit von seiner Mutter in der Calle Soldado José María Rey Nr. 9 im damaligen Dorf Carabanchel Bajo. Als Mitglied der anarchistischen Gewerkschaft CNT (Confederación Nacional del Trabajo) gehörte er dem sogenannten „Bataillon 1. Mai“ an, das hauptsächlich aus Arbeitern aus seinem Gebiet bestand. Auf dem Foto seiner Anmeldung (10. Jänner 1937) ist ein großgewachsener, gutaussehender junger Mann mit tiefem Blick zu sehen. [1]
Seine Erfahrung als Maurer war in einer von Schützengräben und Befestigungen umgebenen Stadt unverzichtbar. Aus diesem Grund war er im April 1938 an den Bauarbeiten des riesigen Bunkers mit dem Codenamen „Position Jaca“ im Madrider Stadtviertel Alameda de Osuna in der Nähe von Barajas tätig, wo sich das Hauptquartier von General Miaja zur Verteidigung der Stadt befand. Doch ab Herbst 1938 war der Kriegsverlauf mit der Schlacht am Ebro und dem darauffolgenden Katalonien-Feldzug besiegelt.
Auf dem Weg ins Exil
Ab diesem Zeitpunkt kam es zur Flucht von Tausenden spanischen Republikanern nach Frankreich, einige davon flüchteten zu Fuß und nur mit dem, was sie am Leib trugen. Die französischen Behörden leiteten diese Flüchtlingswelle in unmenschliche Lager, umgeben von Stacheldraht und Wachen an den Stränden von Argelès-sur-Mer und Saint-Cyprien, von denen auch Mariano Gómez Fernández, ebenfalls aus El Espinar, Zeugnis ablegte und eine schonungslose Chronik dieses Vorhofs zum eigentlichen Horror verfasste.
Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, obwohl Frankreich erst Monate später in die Kriegshandlungen hineingezogen wurde. Währenddessen trat Félix Barreno „freiwillig“ in die 139. ausländische Arbeiterkompanie (Compañía de Trabajadores Extranjeros/Compagnie de travailleurs étrangers, CTE) ein, wo Ausländer praktisch gleich Spanier war – fast alle zum Dienst eingeteilten Männer kamen dort her. Diese Kompanien verrichteten landwirtschaftliche Arbeiten als Ersatz für die eingezogenen jungen Franzosen, sowie vor allem Befestigungsarbeiten. Obwohl der Umgang in den Arbeiterkompanien menschlicher als am Strand von Argelès-sur-Mer war, wurden die Männer weiterhin von den Franzosen getrennt bewacht und einer militärischen Disziplin unterzogen. Félix arbeitete im Abschnitt um Suippes bei Reims.
Im Zuge des rasanten Falls Frankreichs innerhalb von nur sechs Wochen (Mai–Juni 1940) wurden die meisten spanischen Arbeiter von den Deutschen gefangengenommen. Anfangs galten sie als Kriegsgefangene und wurden in Lagern unter relativ menschenwürdigen Verhältnissen unter dem Schutz der Genfer Konvention inhaftiert. So kam Félix ins Frontstalag 140, ein Transitlager in der Festung Belfort (Burgund); später wurde er ins Stalag IX-B in Fallingbostel (Deutschland) mit der Häftlingsnummer 87233 überstellt. Da die spanischen Häftlinge jedoch von der neuen Regierung in Madrid nicht anerkannt wurden, galten sie von da an als staatenlose „politische Häftlinge“, wodurch ihre Zukunft noch düsterer wurde. Nach einer schrecklichen Bahnreise mit weiteren Hunderten Spaniern kam Félix im Morgengrauen des 27. Jänner 1941 in der Hölle von Mauthausen (Österreich) an.
Auf der Suche nach dem Bruder
Félix’ Angehörige gaben die Hoffnung, ihn zu finden, nicht auf. Seine älteste Schwester Maximina stellte am 23. Februar 1942 einen Antrag auf Auskunft über seinen Aufenthalt über das Spanische Rote Kreuz. Die Antwort war ermutigend. Mit der Meldung vom 12. Mai 1942 leitete das Deutsche Rote Kreuz den Kurzbericht des Reichssicherheitshauptamts weiter, wonach Félix Bartolomé in Mauthausen interniert, „bei guter Gesundheit und arbeitsfähig“ war. Im Juni füllte Juan Taravillo, womöglich ein Freund oder Angehöriger, das Antragsformular für weitere Auskunft aus.
Damals trug Félix das blaugestreifte Hemd mit der eingenähten Nummer 5420 und dem umgedrehten blauen Dreieck mit dem Buchstaben „S“ – ein Paradoxon, gleichzeitig staatenlos und Spanier zu sein.
Im Herbst 1942 wurde er in das Zweiglager Gusen, das „Schlachthaus“ von Mauthausen, gebracht, wo über 4.000 Spanier umkamen. Vor Arbeit, Krankheit, Hunger und Misshandlungen erschöpft, gab es bei frostigen Temperaturen keine Hoffnung für jene, die nach Gusen kamen. Félix starb am Dienstag, dem 24. November 1942, und sein Leichnam wurde im Krematorium des Lagers zu Asche verbrannt. In seinem Totenschein ist zu lesen: Geburtsort – Espinar (Segovia). Beruf – Brunnenarbeiter. Wohnsitz – Carabanchel Bajo. Religion – Keine. Nahe Verwandte – Bruder, Maximino (eigentlich: Schwester, Maximina).
Gemeinsam mit weiteren 90.000 Toten aus dem Lagersystem erscheint sein Name in der Gedenkstätte Mauthausen, die an jenem Ort des Horrors, heute der Erinnerung, steht.
Carlos Parrilla, Journalist in der Lokalzeitung von El Espinar (Segovia, Spanien) (2025)
QUELLEN:
(1) Spanien. Ministerio de Cultura. Centro Documental de la Memoria Histórica PS-SM-C0718
B. Bermejo/S. Checa: Libro Memorial. Españoles deportados a los campos nazis.
Zeitung Castilla Libre 18.04.1938
Frankreich-BNF Gallica Liste de prisonniers
Österreich-Arolsen Archives Cod. 01012603 011.151
Unser Dank gilt allen, die zur Verfassung dieses Artikels beigetragen haben.