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Ernst Jürgensen 1899 - 1943 Bearbeiten

Geboren 7.1.1899 in Altona / Hamburg
Gestorben 12.1.1943 in Gusen

Biografie

Ernst Karl Heinrich Jürgensen wurde am 7. Januar 1899 in Altona geboren. Der ledige Musiker und Hotel-Hausdiener blieb in Hamburg. Im August 1929 wurde er vom Amtsgericht Hamburg wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu 20 Tagen Gefängnis und vom selben Gericht im Oktober 1932 nach §175 und wegen tätlicher Beleidigung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Am 6. Januar transportiert man ihn in das Gefängnis Wolfenbüttel und am 31. März ging es zurück nach Hamburg zwecks Entlassung am 4. April 1933.

Im Mai 1934 wurde er erneut wegen „widernatürlicher Unzucht“ verurteilt, diesmal aber zu drei Jahren Gefängnis, die er ab den 14. Mai 1935 wieder im Gefängnis Wolfenbüttel verbüßte. Am 28. September 1935 transportierte man ihn weiter zur Schwerstarbeit in das Strafgefangenenlager Brual-Rhede im Emsland. Am 3. Mai 1937, zum rechnerischen Strafende, wurde er in Hamburg aus der Haft entlassen.

Nun wurde er Hausdiener in einem Hotel in Marne in Schleswig-Holstein und dort am 13. November 1937 festgenommen. Am 11. Februar 1938 wurde er vom Landgericht Itzehoe nach §175a, Ziffer 3, zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus und als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“ zu darauffolgender Sicherungsverwahrung, also unbegrenzter Haft, verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm für fünf Jahre aberkannt. Mit dem Urteil wollte er sich nicht abfinden, doch seine Revision wurde verworfen. Am 18. Juni 1938 transportierte man ihn in das Zuchthaus Bremen-Oslebshausen. Nach dem Ende der Strafe ging es am 10. August 1940 weiter in die Sicherungsanstalt in Rendsburg und von dort am 3. Oktober 1940 in die Sicherungsanstalt Butzbach.

Reichsjustizministers Thierack vereinbarte mit dem Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, dass Sicherungsverwahrte und zu langen Haftstrafen Verurteilte „durch einen Einsatz dort, wo sie zugrunde gingen, vernichtet werden.“ Fast alle Sicherungsverwahrten wurden Ende 1942 und Anfang 1943 in die KZ transportiert, so auch Ernst Jürgensen. Am 9. Dezember 1942 wurde er der Polizei Gießen übergeben, tags darauf kam er in das KZ Mauthausen, erhielt dort die Nr. 16.884 und wurde am nächsten Tag in das Außenlager Gusen gebracht. Dort starb er den von der Justiz gewünschten Tod einen Monat später am 12. Januar 1943 um 7.10 Uhr im Alter von 44 Jahren angeblich an Nierenentzündung, tatsächlich aber doch wohl an den Strapazen der jahrelangen Haft und Zwangsarbeit und der Unterversorgung im KZ. Sein Leichnam wurde drei Tage später verbrannt.

In Hamburg wurde zu seinem Gedenken ein Stolperstein gesetzt.

Rainer Hoffschildt

Rainer Hoffschildt wurde 1948 in Mecklenburg geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete bis zur Pensionierung als Berater in einer Sozialbehörde in Hannover. 1980 begann er mit der Errichtung des Schwullesbischen Archivs Hannover. Publikationen, u. a.: Olivia. Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover (1992).

Quellen:

Bernhard Rosenkranz, Ulf Bollmann, Gottfried Lorenz: Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919-1969 (Hamburg 2009), S. 221. Björn Marnau: Die Verfolgung von männlichen Homosexuellen im Landgerichtsbezirk Itzehoe 1937-1945, In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 30 (1996), S. 26-62, hier anonymisiert S. 39-43. Niedersächsisches Landesarchiv, Staatsarchiv Wolfenbüttel, Häftlingsbücher der Gefängnis Wolfenbüttel, Signatur: 43 A Neu Fb. 3 Buch 3, Häftlingsnummer 3192 und 4436. Karteikarten im Hauptregister des ITS in Bad Arolsen.

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