Aron Szlama Horowicz 1905 - 1945 Bearbeiten
Geboren 15.4.1905 in Radom
Gestorben 15.1.1945 in Gusen
Biografie
Aron Szlama Horowicz wurde am 15. April 1905 als Sohn von Chazkiel Horowicz und Liba Huma Horowicz (geborene Gelbard) in Radom (Polen) geboren. Er war das älteste von insgesamt acht Kindern. Zwei seiner Brüder starben bereits im Kleinkindalter. Aron wuchs mit einem Bruder und vier Schwestern auf. Er heiratete Alta Szejwa Sztajnbaum. Sie hatten drei Kinder: Brucha Mindla (1925), Rachmil (1928) und Moshe Yaakov (1933).
Aron arbeitete zusammen mit seiner Frau in der Ledergerberei seiner Schwiegereltern. Er war dort für den Engros-Verkauf von Leder an Firmenkunden wie etwa lokale Schusterwerkstätten zuständig. Die Familie hatte ein Geschäft in der Malastraße 5.
Ihre Wohnung mit der Adresse Rynek 14 lag im ersten Obergeschoß und vom Balkon ihres Schlafzimmers aus überblickten sie den Marktplatz und das Denkmal für den unbekannten Soldaten.
Aron war ein liebevoller und fürsorglicher Vater. Er weckte in seinen Kindern die Begeisterung für Wissen und Lernen. Es war ihm wichtig, dass seine Kinder Zeitungen lasen und verstanden, aber auch, dass sie das Gelesene mit ihren eigenen Worten wiedergeben und auch ‚zwischen den Zeilen‘ lesen konnten. Freitagabends las er seinen Kindern aus einer Publikationsreihe über die spanische Inquisition vor. Er lehrte seine Kinder auch die Torah zu lesen.
Aber nicht nur für seine Kinder war ihm Bildung wichtig. Auch Aron Szlama selbst legte großen Wert darauf, sich sein ganzes Leben lang weiterzubilden. Er brachte sich selbst Esperanto bei und verkehrte schriftlich mit anderen Esperanto-Sprechenden. Aron war sehr kreativ und begeisterte seine Mitmenschen immer wieder mit kleinen Erfindungen, wie etwa mit einer an den Stromzähler angeschlossenen mechanischen Zeitschaltuhr, die freitagabends das Licht automatisch abschaltete, da ihnen das durch die Einhaltung des Sabbats verboten war.
Er war ein sehr freundlicher und großzügiger Mensch. Nach dem Besuch der Synagoge am Freitagabend brachte er immer wieder Gäste mit, die geschäftlich in Radom gestrandet und ohne Bleibe waren, da sie es vor dem Sabbat nicht mehr rechtzeitig zurück nach Hause schafften. Er engagierte sich sehr stark in der jüdischen Gemeinde und setzte sich für ihre Rechte ein. Nach dem Przytyk Pogrom 1936 war Aron bei allen Gerichtsprozessen in Radom persönlich anwesend. Diese Informationen stammen größtenteils von seinen Kindern, die ihren Vater und seine Charakterstärke in liebevoller Erinnerung behielten.
Raphael Jesin, Urenkel.