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René Gangloff 1900 - 1945 Bearbeiten

Geboren 5.6.1900 in Jarville
Gestorben 30.1.1945 in Gusen

Biografie

René Gangloff wurde am 5. Juni 1900 in Jarville (Departement Meurthe-et-Moselle) geboren. Er war kommunistischer Aktivist und Sekretär des Volkshilfe-Komitees von Champigneulles während der Regierungszeit der Front populaire (Regierung der vereinigten linken französischen Parteien, die 1936 gebildet wurde). Ab dem Sommer 1942 stand er mit der von Marcel Simon geleiteten Résistance-Gruppe in Verbindung. Am 3. Juni 1943 wurde er von der 15. mobilen Brigade von Nancy verhaftet und am 11. Juni der SIPO und SD ausgeliefert. Am 11. Oktober 1943 wurde er gemäß NN-Erlass (Nacht-und-Nebel-Erlass) nach Mauthausen deportiert. Am 30. Januar 1945 starb René Gangloff in Gusen.

René Gangloffs Familie stammte aus dem Moseldepartement, das nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870) an das Deutsche Kaiserreich angeschlossen worden war; die Familie hatte sich für Frankreich entschieden und hatte sich deshalb in Jarville niedergelassen. Bei der 1901 durchgeführten Volkszählung wurde bei allen Familienmitgliedern der Vermerk „A.L.“ (Elsässer-Lothringer) angebracht. Renés Vater, Julien Gangloff, wurde 1871 in Gondrexange, einem Dorf des Bezirks Saarburg, geboren, seine Mutter Marie, geb. Brisset, kam 1875 in Bebing, einer sehr kleinen Ortschaft in der Nähe von Saarburg, auf die Welt. Julien Gangloff war von Beruf Zimmermann und hatte zwei Kinder: Jeanne-Marie (geb. 1897 in Laneuveville-devant-les-Nancy) und René. Die Familie lebte in der Rue du Port Nr. 2 in Jarville. 1906 zog sie nach Champigneulles (Route de Frouard Nr. 3), mittlerweile war ein neues Familienmitglied, die 1902 in Jarville geborene Yvonne, dazugekommen. 1910 kam ein weiteres Mädchen auf die Welt, sie wurde in Champigneulles geboren. Dementsprechend ging René in Champigneulles zur Schule. Wir wissen nicht, wo die Familie während des Ersten Weltkrieges lebte; gemäß der 1921 durchgeführten Volkszählung wohnte sie nicht in Champigneulles.

Am 26. Mai 1926 heiratete René Gangloff die 1907 in Rouen geborene Irma Walbrecq. Die Hochzeit fand in Champigneulles statt. Die Familie wohnte in der Rue de Nancy Nr. 43 (gemäß Polizeiangaben war es Nr. 9). René war ebenfalls von Beruf Zimmermann. Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor, ein siebtes Kind sollte im Juni 1943 auf die Welt kommen, als René verhaftet wurde. Laut der im April 1936 erfolgten Volkszählung war René damals arbeitslos.

Im Dezember 1931 wurden René und zwei weitere Kameraden während des Aufstands der Arbeitslosen, die zur Arbeit an der Schleuse von Clévant in Frouard verpflichtet worden waren, wegen „Behinderung der Arbeitsfreiheit“ verhaftet.

Am 18. Dezember 1931 verurteilte das Bezirksgericht Nancy René Gangloff und seine beiden Kameraden zu 15 Tagen Gefängnis, weil sie „versucht hatten, auf der Straße von Liverdun eingesetzte Arbeiter zur Arbeitsniederlegung anzustiften“.

Wie die meisten Arbeiter von Champignolles schloss sich René 1936 der Gewerkschaft CGT – 1937 gab es in der Stadt insgesamt 1640 in der Industrie beschäftigte Arbeiter und 1764 Gewerkschaftsmitglieder – sowie der kommunistischen Partei an. 1937 wurde er zum Sekretär des lokalen Volkshilfe-Komitees gewählt, das von Henri Heu geleitet wurde. Im Rahmen dieser Tätigkeit lernte er weitere Aktivisten wie René Becker, die Brüder Charles und Laurent Oberlin kennen.

Im April 1942 wurde René Gangloff von Charles Oberlin kontaktiert, dessen Familie in Champigneulles wohnte und mit der er bereits vor dem Krieg diverse kämpferische Aktionen durchgeführt hatte. Charles nahm immer wieder von der Polizei gesuchte Mitglieder der Sabotagegruppe T.P. wie Marcel Simon (regionaler Leiter des FTP), Edouard Marchewska und seinen Bruder Laurent Oberlin bei sich auf. Seit Juli 1942 bot er auch Boleslaw Nadany Unterschlupf, der nach der Zerschlagung seiner Gruppe in Dombasle-Varangéville am 11. April 1942 auf der Flucht war. René Gangloff stand auch mit Marcel Simon in Verbindung. Nach einem massiven Sabotageakt am Verschiebebahnhof von Champigneulles am 8. Januar 1943 wurde die von Marcel Simon gegründete Gruppe T.P. von den Polizisten der 15. mobilen Brigade der Kriminalpolizei von Nancy zerschlagen. Im Mai 1943 wurde eine zweite von Marcel Simon gegründete Gruppe zerschlagen. Marcel Simon selbst wurde am 11. Mai von den Polizisten der 15. Brigade im Haye-Wald in der Nähe von Nancy erschossen.

Nach dem Polizeiverhör der ältesten, damals 15-jährigen Tochter von Charles Oberlin wurde René Gangloff am 3. Juni von denselben Polizisten verhaftet. Das Mädchen hatte zunächst behauptet, René Gangloff habe Marcel Simon als Verbindungsmann gedient, später widerrief sie ihre Aussage und gab zu, alles erfunden zu haben. Als René Gangloff vom Kommissar Lucien Bascou, dem Leiter der antikommunistischen Sektion der 15. Brigade, verhört wurde, gab er an, Charles Oberlin zu kennen, der am 9. Februar in Dompcevrin im Departement Meuse verhaftet worden war. Er beschränkte sich auf diese Aussage. Der Kommissar Bascou schloss seinen Bericht vom 4. Juni an den Leiter der regionalen Kriminalpolizeibehörde wie folgt: „P.S. : Betreffend GANGLOFF René, der zugibt, vor zehn Monaten von OBERLIN Charles eingeladen worden zu sein, um an einer Flugblattverteilung teilzunehmen, der darüber hinaus bekennt, sich mehrmals mit SIMON Marcel getroffen zu haben, wo dieser doch wegen verschiedener terroristischer Handlungen gesucht wurde, und der aufgrund seiner früheren Verbindungen zur kommunistischen Partei davon abgesehen hat, OBERLIN und SIMON zu denunzieren, bin ich der Ansicht, dass eine einmonatige administrative Internierung eine ausreichende Strafe wäre.“ Darunter wurde mit einem roten Stift Folgendes hinzugefügt: „7 Kinder, davon 6 lebende. Die Frau ist im achten Monat schwanger. Ich empfehle eine 15-tägige Internierung, denn hier geht es mehr darum, ein Exempel zu statuieren, als den Mann auf den rechten Weg zu bringen.“ Der Polizeidirektor und Leiter der regionalen Kriminalpolizeibehörde, Charles Courrier, leistete den Empfehlungen von Bascou Folge und schlug dem Präfekten der Region, Jean Schmidt, vor, Gangloff „einen Monat zu internieren, weil er Oberlin und Simon nicht angezeigt hatte. Eine Internierungsdauer von 15 Tagen ist angesichts der Tatsache, dass Gangloff Vater von sechs Kindern ist und seine Frau ein siebtes Kind erwartet, meiner Ansicht nach ausreichend.“ Der Präfekt schloss sich dieser Meinung an. Die Verordnung des Präfekten wurde am 5. Juni unterzeichnet; demzufolge sollte Gangloff 15 Tage im Lager von Écrouves interniert werden, „weil er einen gefährlichen, von der Polizei gesuchten Mann nicht gemeldet hatte.“ Der Präfekt der Region unterschrieb am selben Tag eine Entlassungsurkunde: „Der oben Genannte ist nach 15 Tagen Internierung zu entlassen.

René Gangloff wurde noch am selben Tag (5. Juni 1943) ins Lager von Écrouves gebracht und unter der Nummer 2174 registriert. Von der Lagerleitung wurde er als „Kommunist“ eingestuft. Am 11. Juni nahmen sich die deutschen Behörden seines Falles an und sperrten ihn im deutschen Trakt des Gefängnisses Charles III in Nancy ein. Der Kommandeur der SIPO und des SD beschloss, René Gangloff gemäß „Nacht-und-Nebel-Erlass“ zu deportieren. So wurde Gangloff am 7. Oktober zunächst ins Fort Romainville gebracht. Am 11. Oktober wurde er gemeinsam mit 44 weiteren Männern, davon neun Kameraden der Simon-Gruppe, ins Lager Saarbrücken-Neue Bremm überstellt, am 16. Oktober wurde er ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Dort wurde ihm die Häftlingsnummer 37767 zugewiesen. Am 1. Januar 1945 wurde er ins Außenlager Gusen gebracht, wo er als Zimmermann eingesetzt wurde. Am 30. Januar 1945 starb er im Außenlager Gusen II, der Leichnam wurde in Gusen I verbrannt.

Am 20. November 1956 wurde René Gangloff der Titel Déporté politique (politischer Deportierter) zuteil, und am 4. Juli 1960 erhielt er die Auszeichnung Mort pour la France (Für Frankreich gestorben). Der Status „Mort en déportation“ (Während der Deportation gestorben) wurde ihm per Erlass vom 24. April 1992 zugebilligt. Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal in Champigneulles.

 

Jean-Claude Magrinelli, Schriftsteller, Forscher im CRIDOR (Centre Régional et International de Documentation et de Recherche – Regionales und internationales Dokumentations- und Forschungszentrum) und Referent

 

Quellen:

AN (Pierrefitte) F9 5578: „Liste des exécutions en France du 1er novembre 1940 au 15 août 1944“ (Liste der in Frankreich vom 1. November 1940 bis 15. August 1944 durchgeführten Exekutionen), Spule 1, S. 117

Service Historique de la Défense (SHD) (Zentralarchiv des französischen Verteidigungsministeriums und der französischen Armee) in Caen: Akte Nr. 21 P 453 370;

- Archiv des Departements Meurthe-et-Moselle: 6 M 33-272: Volkszählung 1901 in der Gemeinde Jarville; 6 M 33-114: Volkszählungen 1906, 1911, 1926, 1931 und 1936 in der Gemeinde Champigneulles: WM 330: Akte der Präfektur bezüglich der administrativen Internierung; 927 W 165, 192, 201: Kontrollregister und Verzeichnisse des Lagers von Écrouves, 927 W 223: Einzelakte von René Gangloff; WM 313 und 2101 W 10: Akten der regionalen Kriminalpolizeibehörde in Nancy (Gruppe Marcel Simon); 3 U 3 1261: Urteil Nr. 2359 vom 18. Dezember 1931;

Livre mémorial de la déportation (Gedenkbuch der Deportation), Transport von Paris am 11. Oktober 1943;

Arolsen Archives 1318734: Totenbuch und 1450818: Sterbeurkunde in Gusen;

Journal Officiel (Amtsblatt) vom 19. Juni 1992, S. 8021;

Fotografie und Korrespondenz von Herrn Jean-Pierre Ottavi vom 26., 27. und 31. Dezember 2021, vom 4. und 5. Januar 2022, vom 25. und 26. Januar 2022 und vom 14. August 2022.

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