František Říkovský 1901 - 1942 Bearbeiten
Geboren 26.12.1901 in Přerov
Gestorben 15.10.1942 in Mauthausen
Biografie
Er besuchte das Gymnasium in Olomouc/Olmütz und in Prag im Stadtteil Královské Vinohrady, wo er 1921 auch das Abitur ablegte. Er begann sein Studium an der Medizinischen Fakultät der Masaryk-Universität Brünn, aber nach dem ersten Semester wechselte er zur Naturwissenschaftlichen Fakultät über. Er studierte hier Geografie und Naturwissenschaften. 1926 verteidigte er seine Dissertation zum Thema: Srážkové poměry na Moravě a v českém Slezsku a jejich vztah ke konfiguraci terénu (Die Niederschlagsverhältnisse in Mähren und im tschechischen Teil Schlesiens und deren Beziehung zur Gestalt des Terrains). Am 3. Februar promovierte er und errang den Titel Dr. rer. nat. Die wissenschaftliche Tätigkeit František Říkovskýs ist eng mit dem Geografischen Institut der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Masaryk-Universität verbunden. Zuerst war er wissenschaftlicher Assistent und im Mai 1930 habilitierte er sich im Fach Geografie. Durch Beschluss des Präsidenten der Republik Edvard Beneš vom 13. August 1936 wurde František Říkovský in Ermangelung systemgebundener Professorenstellen zum nicht honorierten außerordentlichen Professor der Geografie ernannt. Die Stelle eines honorierten außerordentlichen Professors bekam er erst am 4. September 1939.
Professor Říkovský war Spezialist für geomorphologische Forschungen und war der Autor einiger wissenschaftlicher Arbeiten. Wir nennen z. B. die Monografien Boskovicko, zeměpisný obraz (Die Gegend um Boskovice, ein geografisches Bild) (Boskovice 1930), Československo (Die Tschechoslowakei) (Brno 1935) und vor allem die hervorragende Studie Základy k sídelnímu zeměpisu Česko-Slovenska (Grundlagen zur Siedlungsgeografie der Tschecho-Slowakei) (Brno 1939). Er war auch in einer Reihe wissenschaftlicher Vereinigungen tätig, vor allem in der Mährischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft, im Geografischen Kommitee des Nationalen Forschungsrates bzw. im Naturwissenschaftlichen Klub in Brünn.
František Říkovský heiratete am 24. Juli 1928 Ludmila geb. Holovská. Am 28. Mai 1939 gebar sie die Tochter Ludmila Jiřina.
Nach der Schließung der tschechischen Hochschulen durch die Nazisten war Professor Říkovský an der Staatlichen Handelsakademie in Brünn tätig und vom 3. September 1941 arbeitete er kurz als Oberlandeskommissar des Archivdienstes im Mährischen Landesarchiv ebenda. Er reihte sich in den Widerstand der Brünner Hochschulpädagogen ein und die Gestapo verhaftete ihn am 11. Dezember 1941. Danach war er im Polizeigefängnis der Gestapo im Kaunitz-Kolleg, von wo Professor Říkovský am 3. Februar 1942 nach Mauthausen gebracht wurde. Sein Gesundheitszustand war damals sehr schlecht und der berühmte Chirurg Professor Josef Podlaha (1893-1975), der ebenfalls von den Nazisten gefangen gehalten wurde, operierte ihn sogar. Trotz des Ernstes der Lage verlor Professor Říkovský jedoch nicht die Hoffnung und glaubte an eine Rückkehr nach Hause. Dazu kam es leider nicht, weil ihn die Nazisten in Mauthausen am 15. Oktober 1942 bei bestialischen ärztlichen Versuchen durch eine Spritze ins Herz töteten.
Vladimír Černý
Vladimír Černý, geb. 1975 in Svitavy, studierte Geschichte und Politologie an der Masaryk-Universität in Brno. Gegenwärtig unterrichtet er extern am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und europäische Studien an der Fakultät für soziale Studien und am Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität.
Quellen:
Archiv der Masaryk-Universität Brünn, Fond A 1 Rektorat der Masaryk-Universität, Karton 175/3158, persönliche Akte von František Říkovský.
Literatur:
František X. Halas: Nacistická perzekuce na brněnské univerzitě v letech 1939-1945 (Die nazistische Verfolgung an der Universität Brünn 1939-1945). In: Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity. C, Řada historická. Jg. 27-28, 1978-1979, Nr. C 25-26, S. 41-70.
Rudolf Musil et al.: Osobnosti Přírodovědecké fakulty Masarykovy univerzity (Persönlichkeiten der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Masaryk-Universität). Brno 1997.