Johann Georg 1910 - 1940 Bearbeiten
Geboren 18.2.1910 in Lübeck
Gestorben 30.1.1940 in Mauthausen
Biografie
Über die Kindheit und Jugend von Johann Karl („Hans“) Georg ist nichts bekannt. Den unterschiedlichen Nachnamen seiner Eltern auf Dokumenten zufolge war er ein „uneheliches“ Kind. In seiner Personalakte am Stadtarchiv Ingolstadt befindet sich u.a. eine Abschrift aus dem Strafregister:[1] Im Jahr 1928 war der damals 18-Jährige durch das Amtsgericht Rehna wegen Körperverletzung zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt worden. Am 2. März 1931 ließ ihn das Amtsgericht Lübeck wegen „Geistesschwäche“ entmündigen.[2] Als sein Vormund war Walther P., ein „Rektor“ aus Lübeck, eingesetzt worden. Von August 1934 bis März 1935 befand sich Hans Georg beim freiwilligen Arbeitsdienst in Ebenhausen. Zum ersten Mal wegen „Bettelns“ verhaftet und zu fünf Tagen Haft verurteilt wurde er in im April 1935 in Ingolstadt. Im Februar 1936 griff ihn die Polizei in Nürnberg auf und er musste wegen „Landstreicherei“ für eine Woche ins Gefängnis. Ab 5. März 1936 hatte Hans Georg bei einem Landwirt in Eberstetten bei Pfaffenhofen eine Anstellung als Dienstknecht. Nach sechs Tagen meldete er sich aufgrund einer Sehnenscheiden-Entzündung krank. Da er im Krankenstand nicht bei dem Bauern in Eberstetten bleiben konnte, nächtigte Hans Georg im „Gasthaus zum Frühlingsgarten“ in Ingolstadt. Bei einer Polizeikontrolle konnte der junge Mann keine Arbeitszeugnisse vorzeigen. Hans Georg wurde festgenommen. Die Ingolstädter Polizei stellte Nachforschungen an. Zum Verhängnis wurde dem damals 26-Jährigen, dass die Staatsanwaltschaft München und die Amtsanwaltschaft Pfaffenhofen „wegen Betrugs“ nach ihm suchten: Hans Georg war beim „unbefugten Tragen“[3] des Parteiabzeichens der NSDAP erwischt worden. Am 6. April 1936 wurde er durch einen Beschluss des Ingolstädter Oberbürgermeisters in das Arbeitshaus Rebdorf eingewiesen. Im März 1937 beantragte Hans Georg seine vorzeitige Entlassung. Sein Antrag wurde mit der Auflage bewilligt, dass er sich bei seinem neuen Arbeitgeber gut führen müsse. Andernfalls drohe ihm „Wiedereinschaffung in die Arbeitsanstalt“[4]. Hans Georg hielt es nicht lange aus auf seiner Arbeitsstelle und musste zurück ins Arbeitshaus Rebdorf. Zunächst war seine Entlassung für Dezember 1937 vorgesehen. Hans Georgs Vormund aus Lübeck jedoch beantragte im November 1937, ihn „weiterhin in der Anstalt zu belassen“[5]. Den Dokumenten zufolge war einzig und allein der Antrag des Vormundes ausschlaggebend für den Beschluss zur Haftverlängerung: Mit Bezug auf Hans Georgs angebliches „asoziales Verhalten“[6] veranlasste der Ingolstädter Oberbürgermeister Josef Listl am 13. Dezember 1937 eine Verlängerung von dessen Zwangsverwahrung im Arbeitshaus Rebdorf um weitere sechs Monate. Im November 1938 wurde Hans Georg in Augsburg wegen „Bettelns“ verhaftet und zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Am 17. Februar 1939 ist seine Ankunft im Konzentrationslager Dachau dokumentiert.[7] Am 9. Mai 1939 wurde er in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert,[8] wo er am 30. Januar 1940 umgekommen ist.[9] Die offizielle Todesursache lautete: „Herz- und Kreislaufversagen infolge Rippenfellentzündung“.[10]
Agnes Krumwiede (2025)
Anmerkungen:
[1] StadtA IN AIV 451 „Bayerisches Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz" Personalakte Hans Georg
[2] Vgl. ebd.
[3] Ebd.
[4] Ebd.
[5] Ebd.
[6] Ebd.
[7] ITS Digital Archives Sterbeurkunde KL Mauthausen https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429828 (zuletzt aufgerufen am 04.08.2025)
[8] Mauthausen Memorial MM/Y50 Transportliste
[9] ITS Digital Archives Sterbeurkunde KL Mauthausen https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131531290 (zuletzt aufgerufen am 04.08.2025)
[10] Ebd.