Adolf Bradáč 1901 - 1942 Bearbeiten
Geboren 15.6.1901 in Nové Město
Gestorben 24.10.1942 in Mauthausen
Biografie
Die Geschichte der Familie Bradáč
Adolf Bradáč wurde am 15. Juni 1901 in Nové Město na Moravě als Kind von Josef Bradáč und Františka Bradáčová geboren. Er war eines von zwölf Kindern. Er ging bei einem Schneider in Hostomice in die Lehre. In dieser Gemeinde lernte er auch seine künftige Frau Marie kennen, die am 24. Mai 1905 in Hostomice als Kind von Antonin Zik und Josefa Ziková geboren wurde. Die Eheleute wohnten nacheinander in Třebotov, in Pankrác und Nuslé und zogen im Jahre 1939 in die Záhřebská ulice 558/6 in Vinohrady um. Adolf Bradáč führte hier eine große Schneiderei, in der zehn Mitarbeiter angestellt waren. Seine Ehefrau Marie kümmerte sich um den Haushalt und war gleichzeitig auch noch Mitglied des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes (ČČK). In dieser Organisation fanden die Bradáč' viele Freunde, mit denen sie dann während der Okkupation intensiv zusammenarbeiteten. Im Jahre 1925 wurde ihre Tochter Jarmila geboren. Beide Eltern waren römisch-katholischen Bekenntnisses.
Die Familie Bradáč band auch das Mitglied des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes, Anna Šrámková in die Unterstützung der Fallschirmspringer aus der Gruppe ANTHROPOID ein. Anna Šrámková hatte engen Kontakt zu Jan Zelenka-Hajský. Wahrscheinlich kam die Bitte, eine konspirative Wohnung für den Fallschirmspringer der Fallschirmspringergruppe OUT DISTANCE, Adolf Opálka, zu finden von ihm. Schon bald fand Adolf Opálka bei den Bradáč's im April für 14 Tage ein vorübergehendes Asyl.
Adolf Bradáč war auch mit dem Kaplan Vladimír Petřek und dem Priester Václav Čikl bekannt. Zu der Zeit, als sich die Fallschirmspringer in der orthodoxen St. Cyrill-und-Method-Kirche versteckten, traf er sich mit beiden in seiner Schneiderwerkstatt, um zu beraten, wie man den Fallschirmspringern weiterhelfen könne.
Am 17. Juni wollte die Familie Bradáč den Geburtstag ihres Ehemanns und Vaters feiern. Dieser wusste jedoch schon, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Er hatte erfahren, dass Familien verhaftet wurden, die an der Unterstützung der Fallschirmspringer beteiligt waren. Anstelle einer Feier wies er daher seine Tochter Jarmila an, sich zu ihrer Großmutter nach Hostomice zu begeben. Einen Tag später wurde das Versteck der Fallschirmspringer in der St. Cyrill-und-Method-Kirche entdeckt und es erfolgte eine weitere Welle von Verhaftungen. Und da sie sowohl Bradáč als Repräsentanten der orthodoxen Kirche in der Resslova ulice als auch die Familien, die Karel Čurda Unterkunft gewährt hatten, kannten, war der Weg der Gestapo zu ihnen nur eine Frage der Zeit. Am 22. Juni 1942 wurden sie bei der Arbeit verhaftet. Adolf Bradáč in seiner Schneiderwerkstatt, Marie Bradáčová beim Waschen.
Im September 1942 wurden die Eheleute aus dem deutschen Polizeigefängnis in Prag-Pankrac und am Karlsplatz in das Haftgefängnis der Prager Gestapo in der Kleinen Festung Terezín verlegt. Während ihres Aufenthalts im Gefängnis Terezín wurden sie am 29. September 1942 durch ein Standgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde am 24. Oktober 1942 im Konzentrationslager Mauthausen vollstreckt. Um 8:40 Uhr wurde im Alter von 36 Jahren Marie Bradáčová mit einem Schuss in den Hinterkopf erschossen und um 17:34 Uhr im Alter von 41 Jahren ihr Ehemann Adolf.
Auch ihre Tochter Jarmila entging der Rache der Deutschen nicht. Sie überlebte die Verhaftung ihrer Eltern in relativer Sicherheit in Hostomice. Dann kehrte sie nach Prag zurück, wo sie ihre Lehre als Frisörin fortsetzte. Ende September begannen die Verhaftungen der Kinder der Widerstandskämpfer, die an der Unterstützung des Attentats beteiligt waren. Die Kinder wurden im Prager Stadtteil Šárka-Tal im kleinen Schloß Jeneralka interniert. Jarmila konnte sich dem zunächst entziehen. Erst nachdem eine deutsche Familie in das Haus der Bradáč's eingezogen war, wurde festgestellt, dass die Bradáč' eine Tochter Jarmila hatten. Die neuen Mieter meldeten dies den Behörden und am 24. November kam die Gestapo wegen Jarmila. Sie wohnte damals bei ihren Verwandten in Podolí. „Sie kamen, es war halb eins. Einer in Zivil, einer in Uniform ... Wir fuhren nach Pečkárna. Dort warteten wir. Ich weiß nicht mehr wie lange. Wahrscheinlich haben sie sich beraten, was sie mit mir machen. Weil siebzehn Jahre die Hinrichtung bedeuteten. …. So haben sie sich dort wahrscheinlich beraten, irgendetwas wurde ihm gezeigt und wir fuhren nach Jenerálka.“ Jarmila wurde das älteste Kind, das im Rahmen der Aktion „Fallschirmspringer“ interniert wurde. Sie war 17 Jahre alt. Im April 1944 wurden die Kinder aus Jeneralka nach Svatobořice verlegt, wo sie bis zur Auflösung des Lagers im April 1945 blieben. Anschließend wurden sie nach Plana nad Lužnicí transportiert, wo sie am 5. Mai von revolutionären Einheiten befreit wurden. Hätten die Deutschen den Krieg gewonnen, wäre diesen Kindern das gleiche Schicksal zuteilgeworden wie ihren Eltern. Nur wegen der öffentlichen Meinung „schob“ K. H. Frank die Vollstreckung der Todesstrafe bezüglich dieser Kinder auf die Zeit „nach dem siegreichen Krieg“ auf. Aufgrund dieser Tatsache überlebte Jarmila Bradáčová den Krieg.
Vlastislav Janík, Forscher, Delegierter des Mauthausen-Komitees in Tschechien