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Kazimierz Kobyliński 1923 - 1943 Bearbeiten

Geboren 26.2.1923 in Poznań
Gestorben 18.1.1943 in Mauthausen

Biografie

Kazimierz Kobyliński wohnte in Posen bei seiner Mutter. Etwa ein Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam er auf die Luftwaffen-Offiziers-Schule in Krosno. Er legte dort sein Examen ab und wurde entlassen. Ab Juni 1940 leistete er Zwangsarbeit in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik in Berlin-Borsigwalde und wurde im Gemeinschaftslager für polnische Zivilarbeiter in Berlin-Schönholz untergebracht. Am 26. April 1942 entwendete er zusammen mit vier anderen Zwangsarbeitern ein paar Kleidungsstücke aus einem Lagerraum des Heeresbekleidungsamtes. Kazimierz gestand die Tat, die Kleidungsstücke an sich genommen zu haben, da er selbst nur schlechte Kleidung hatte. Er sagte aus: „Ich nahm mir aus der Kiste eine Hose und eine Jacke.“ Aus der Untersuchungshaft schickte er Ende Juli 1942 einen polnisch-sprachigen Brief an seiner Mutter, der zwecks Zensur von einem Gerichtsdolmetscher ins Deutsche übersetzt wurde:

„Liebe Mutter, seit dem 30. April bin ich im Gefängnis, aber ich weiß nicht wie lange. Meine einzige Hoffnung sind Herr Jesu und die allerheiligste Mutter. Ich bete zu ihnen. Ich hoffe du verzeihst es mir mein schlechtes Handeln. Ich schwöre dir, dass ich niemals mit Kollegen gehen und ihren Rat hören werde. Ich bin noch jung. Wir haben uns das dritte Jahr schon nicht gesehen. Wenn wir uns nicht auf der Erde treffen, sehen wir uns im Himmel. Ich warte auf Antwort.“ Aus dem Brief geht es hervor, dass er sich zum Diebstahl der Wintersachen von seinen Freunden überreden ließ, was er nun schwer bereute. Am 11. August 1942 verurteilte das Berliner Sondergericht die Angeklagten „wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls nach Polenstrafrechtsverordnung zu verschärftem Straflager von 5 Jahren.“

Nach dem Urteil wurden sie dem Straflager in Wronki zugeführt, von wo sie zum KZ Mauthausen gebracht wurden. Kazimierz starb dort kurz nach seiner Ankunft.

Quellen:

Personalakte von Kazimierz Kobyliński, in: Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 12 C Berlin II/6679 (Bestand: Staatsanwalt beim Sondergericht Berlin II)

Personalakte von Kazimierz Kobyliński, in: Bundesarchiv Berlin, R 3001/124607 (Bestand: Reichsjustizministerium)

 

Autorin: Dr. Katarzyna Woniak – Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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