Jan Chawiński 1919 - 1943 Bearbeiten
Geboren 19.11.1919 in Sosnowice
Gestorben 17.3.1943 in Mauthausen
Biografie
Jan Chawiński wurde am 19. November 1919[1] in Sosnowice unweit von Krakau geboren. Wie er im Brief an seine Mutter schrieb, meldete er sich freiwillig zur Arbeit im Deutschen Reich. Im Juli 1940 wurde er vom Gericht Cottbus wegen Unzucht zu drei Jahren Haftstrafe verurteilt. Zum Strafvollzug brachte man ihn zum Gefängnis Plötzensee und später nach Tegel (beide in Berlin). Die Umstände der Haft führten bei Jan zu stark empfundener Vereinsamung, so dass sich ein Gefängnisarzt gegen die verhängte Einzelhaft aussprach. „Er klagte über Heimweh und hielt sich meistens für sich. Zweck Vermeidung eines Rückfalls wäre es ratsam, ihn in Gemeinschaft mit einem polnisch sprechenden Gefangenen zu legen“ – schrieb der Arzt an den Vorstand des Gefängnisses Plötzensee im Oktober 1941. Kurz davor verfasste Jan einen Brief in polnischer Sprache an seine Mutter, der von Gerichtsbeamten einbehalten wurde. Darin klagte er über seine seelische Verfassung:
„Ich denke, ich werde hier sterben, denn ich werde von diesen Leuten verachtet. Als ich noch zu Hause war, konnte durch die Stadt schlendern, durch meine Heimat; ich fürchtete mich nicht so sehr wie jetzt. Vielleicht vergeht das alles, dieses Unglück; vielleicht habe ich es doch gut gemacht, dass ich wegen des Broterwerbs nach Deutschland kam. Ich bereue es dennoch so sehr, dass ich hierherkam.“
Nachdem Jan im Winter 1942/1943 mehr und mehr in Apathie und Verzweiflung verfiel und die Gefängnisarbeit boykottierte, entschied der Gerichtsvorstand über seine Verlegung nach Mauthausen, die er folgend begründetet:
„Jan ist im Papierschuppen zu jeder Arbeit unbrauchbar. Zur Richtigstellung seiner 1 Stunde geleisteten Arbeit brauchen 2 Mann dieselbe Zeit. Ob aus Dummheit oder um die Arbeit zu sabotieren sich so benimmt, entzieht sich meiner Kenntnis.“
Die Gefängnisarbeit im Papierschuppen sabotierte Jan in der Hoffnung, auf diese Art und Weise nach Hause entlassen zu werden. Diese Strategie bewirkte jedoch das Gegenteil. Wegen Sabotage musste er zusätzliche Schikanen und Disziplinierungsmaßnahmen ertragen.
Am 2. Februar 1943 kam der 23-jährige Pole nach Mauthausen, wo er kurze Zeit später einem Menschenversuch mit Impfungen „Tetra Vaccine” und T.A.B.-Endogen-Adsorbat unterzogen wurde. Anscheinend lag daran die Ursache seines Todes, der lediglich sechs Wochen nach seiner Ankunft im KZ Mauthausen eintrat. Die gesamte, mehr als zweijährige Gefängniszeit, hoffte Jan nicht nur auf eine Einstellung als Schuhmacher nach seiner Entlassung, weil er seine Kenntnisse einbringen wollte, sondern auf die Rückkehr nach Polen und ein Wiedersehen mit seiner Familie. Doch mit dem qualvollen Tod in Mauthausen war ihm das nicht mehr vergönnt.
Quellen:
Landesarchiv Berlin, Personalakte von Jan Chawiński, A Rep. 370, Sign. 706.
Arolsen Archives, Häftlingskartei von Jan Chawiński aus dem KZ Mauthausen, 1.1.26/1391984 https://collections.arolsen-archives.org/en/archive/1391983/?p=1&s=chawinski&doc_id=1391984.
Autorin: Dr. Katarzyna Woniak – Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
[1] Das in den Hätflingskarteien festgehaltene Geburtsdatum von 19.1.1909 scheint Tippfehler zu sein, zumal sein Alter mit 23 genannt wird, was dem Geburtsdatum (19.11.1919) aus dem Cottbusser Urteil entspricht.