Jan Włodarczyk 1892 - 1944
Geboren 24.8.1892 in Maleszowa
Gestorben 13.12.1944 in Hartheim
Biografie
Jan Włodarczyk war mit der Region Zagłębie Dabrowskie, dem Dombrowaer Kohlenbecken, bzw. mit der Stadt Sosnowiec eng verbunden. Er lebte dort mit seiner Frau Katarzyna und den drei Kindern Maria, Mieczysława und Jerzy. Ab 1924 war er ein aktives Mitglied der Polska Partia Socjalistyczna (Polnische Sozialistische Partei, PPS), der Gwardia Ludowa (Volksgarde) der PPS sowie auch der Milicja (Miliz) der PPS.
Er war ab 1928 Mitarbeiter des örtlichen Badehauses, das sich direkt neben dem Wohnhaus befand. Ab 1935 war Jan Włodarczyk Betreuer der Jugendorganisation der Towarzystwo Uniwersytetu Robotniczego (Gesellschaft der Arbeiteruniversität). In dieser Organisation war er ein Vorbild und eine große Autorität.
Der unerwartete Tod seiner Frau im Jahre 1939 verschlimmerte die Tragödie des Zweiten Weltkrieges für ihn. Die Wohnung der Włodarczyks sowie das Badehaus wurden Verteilungszentren für konspirative Zeitungen, Flugblätter und Literatur der PPS. Mehr als zwei Jahre lang wurden dort Zeitungen und gelegentlich auch Flugblätter vervielfältigt und an die durch die Nazis eingeschüchterte und verfolgte Bevölkerung verteilt, um ihnen Mut, Glauben und Hoffnung zu geben.
Jan Włodarczyk, der das Pseudonym „Czarny“ (Schwarz) trug, versteckte gemeinsam mit seinen Kindern das Vervielfältigungsgerät und die Waffen für die Sabotagetruppen der Gwardia Ludowa der PPS. Die Töchter, die in den Reihen der Roten Pfadfinder und der Organizacja Młodzieżowa Towarzystwo Uniwersytetu Robotniczego (Jugendorganisation der Gesellschaft der Arbeiteruniversität) heranwuchsen, waren als Kuriere und Kontaktpersonen tätig. Zwei Hausdurchsuchungen der Gestapo bei den Włodarczyks und im angrenzenden Badehaus waren ohne Ergebnis. Das Haus von Jan Włodarczyk und seinen Kindern hatte zwei Ausgänge, die im Falle einer Durchsuchung ermöglichten, belastende Dokumente wegzuschaffen.
Die nächste Operation der Gestapo in der Nacht vom 11. auf den 12. August 1943 im Rahmen der Aktion „Oderberg“ endete mit der Festnahme von mehr als 200 Familien in Zagłębie Dabrowskie. Unter ihnen war die Familie Włodarczyk: Jan und seine Töchter Maria und Mieczysława. Sein Sohn Jerzy war in der Arbeit und entging dadurch der Verhaftung.
Jan Włodarczyk wurde im Gefängnis in Mysłowice grausamen Verhören unterzogen. Nach fast drei Monaten wurde er nach Auschwitz deportiert (27. Oktober 1943, Häftlingsnummer 159044). Ein ähnliches Schicksal erfuhren seine Töchter: Sie waren Gefangene des KZ Auschwitz-Birkenau, Maria mit der Häftlingsnummer 54679 und Mieczysława mit der Häftlingsnummer 54680. Ihren Vater haben sie nie wieder gesehen. In den Briefen, die Jan Włodarczyk schrieb, berichtete er, dass er am 12. Februar 1944 von Auschwitz nach Ebensee, ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen, deportiert worden war. Seinen letzten Brief schrieb er im Juni 1944 aus Ebensee.
Trotz diverser Suchaktionen blieb das Schicksal Jan Włodarczyks nach Kriegsende unbekannt. Erst nach 48 Jahren kam im Jahr 1992 eine Nachricht aus Bad Arolsen, mit der das Internationale Rote Kreuz darüber informierte, dass Jan Włodarczyk am 13. Dezember 1944 im Schloss Hartheim ums Leben kam.
Er wurde als „lebensunwert“ klassifiziert und zur Genugtuung der Folterknechte in Hartheim ermordet. Er war 52 Jahre alt.
Urszula Kowalska
Urszula Kowalska ist die Tochter von Mieczysława Szmatoły, geborene Włodarczyk, und älteste Enkelin von Jan Włodarczyk. Nach 48 Jahren der Suche hat sie die Wahrheit über den Mord an ihrem Großvater in der Tötungsanstalt in Schloss Hartheim erfahren.
Aus dem Polnischen von Katharina Czachor
Position im Raum

