José Vicente Ripollés Burdeus 1913 - 1943
Geboren 19.3.1913 in Burriana
Gestorben 29.12.1943 in Steyr
Biografie
José Vicente Ripollés Burdeus [1] kam am 19. März 1913 in der Calle de Santo Tomás Nr. 10 in Borriana auf die Welt. Er war das älteste Kind von Vicente Ripollés Blasco und Virginia Burdeus Monsonís. Er hatte drei Geschwister: Salvador, Virginia und Bautista. Am 4. März 1937 heiratete er María Teresa Montoliu Segarra aus Cabanes. Dieser Ehe entstammt deren einziges, am 1. Jänner 1938 geborene Kind Vicente (Vicentín, wie ihn der Vater nannte).
Von seinem Leben während des Spanischen Bürgerkriegs ist bekannt, dass er den Grad eines Hauptmanns erlangte und im Februar 1939 über die französische Grenze ging. Zunächst wurde er im Lager Argelès-sur-Mer, umgeben von Stacheldrahtzaun am Meer, und später in Barcarès untergebracht.
Ende 1939 trat er der 88. CTE bei, die in der Gegend von Embrun (Hautes-Alpes) und später, ab Jänner 1940, in Saint-Mihiel im Département Meuse (Lothringen) arbeitete. Die französischen Unterlagen sind widersprüchlich, da in einigen Dokumenten behauptet wird, dass die Festnahme durch die Deutschen in Charmes (Vosges) am 20. Juni 1940 stattfand, was jedoch durch den Bericht der Gendarmerie Nationale in Épinal vom Mai und Juni 1967 widerlegt wird [2]. Nach der Festnahme wurde er im Stalag III-A in Luckenwalde in Brandenburg, etwa 50 Kilometer von Berlin entfernt, mit der Häftlingsnummer 49892 interniert. Von dort aus konnte er Schriftverkehr mit seiner Frau María Teresa sowie einigen Freunden wie Elías Delpalillo führen. Seiner Gattin berichtete er in den Briefen, dass ihn das Nichterhalten von Antworten oder eines Fotos seines Kinds bekümmerte, sowie dass er warme Kleidung, insbesondere Socken und lange Unterhosen, brauchte. Gleichzeitig brachte er seinen Stolz zum Ausdruck, die „Sprache Goethes“ zu lernen.
Ende 1940 kam er ins Stalag XII-D in Trier. Von dort aus wurde er am 22. Jänner 1941 nach Mauthausen gebracht. Der Zug mit 775 „Rotspaniern“, darunter Pelegrín Aguilar Bou aus Alfondeguilla und Manuel Batalla Paúl, kam am 24. Jänner 1941 um 22 Uhr am örtlichen Bahnhof an.
Am Morgen des 25. Jänner betrat er das Lager, und laut den Memoiren von Servideo García Gómez, Deportierter Nr. 3455, donnerte es sofort aus dem Mund eines Dolmetschers in perfektem Spanisch:
Spanier: Ihr seid im Konzentrationslager Mauthausen angekommen, das ihr nur sehr schwer verlassen werdet, es sei denn durch den Schornstein des Krematoriums. Nur sehr wenige sind diesem Lager entkommen, weil sie die strenge Disziplin befolgt und alles erfüllt haben, was ihnen der Oberlagerkommandant befohlen hat. Wenn also jemand von euch überleben will, weiß er, was zu tun ist. Andernfalls wird bald Rauch und Asche aus euch.
Sofort nach dieser Ansprache kamen sie provisorisch in Baracken unter, die so überfüllt waren, dass sie nicht ausruhen konnten. Am nächsten Morgen wurden sie zum Appell vor den Baracken befohlen. Danach wurden sie auf den Platz gebracht, wo sie in Gruppen von 25 Personen in die Baracke kamen, wo sie sich auszogen, rasiert wurden und ihre wenigen noch erhaltenen Habseligkeiten abgeben mussten. Dort erhielten sie den Sträflingsanzug und die Nummer, die die Person entmenschlichte. José Vicente bekam die Häftlingsnummer 3325 zugewiesen und wurde als Angestellter eingetragen. Das Schicksal wollte es, dass sein Schwager Victoriano Montoliu Segarra aus Cabanes auch zu den Deportierten nach Mauthausen gehörte, allerdings bereits im August 1940 interniert wurde. Auch er überlebte die Deportation nicht und wurde am 14. Oktober 1941 ermordet.
José Vicente wurde vom Hauptlager Mauthausen an das Außenkommando Steyr-Münichholz überstellt. Die Unterlagen erlauben keine konkrete Festlegung des Datums. Dagegen ist bekannt, dass ab 1942 rund 300 mehrheitlich spanische Häftlinge das Lager errichteten, wo die Deportierten als Sklavenarbeiter untergebracht wurden. Ziel des Lagers war der Einsatz der Häftlinge für die Fertigung von Kugellagern und Flugzeugmotoren für die Firma Steyr-Daimler-Puch AG, den Bau von Luftschutztunneln und die Schutträumung nach den Luftangriffen. In diesem Lager, dessen Gesamthäftlingszahl unbekannt ist, war José Vicente Ripollés der erste Spanier, der die Funktion als Blockältester übernahm.
Laut Totenbuch verstarb er am 29. Dezember 1943 um 4:00 Uhr morgens in Steyr an Wassersucht, doch inoffiziell wurde er angeblich von zwei polnischen Kapos vergiftet, mit denen er Tage zuvor gestritten hatte [3]. In Steyr kamen mindestens 295 Häftlinge ums Leben. Ihre Leichen wurden im städtischen Krematorium Steyr verbrannt. José Vicentes Tod wurde 1950 seiner Ehefrau María Teresa an ihrem Wohnsitz in der Calle General Aranda Nr. 24 (Nr. 26 laut José Vicentes Briefen) in Benicàssim mitgeteilt.
Am 5. Mai 1945 befreiten US-Truppen das Lager Steyr-Münichholz. In den 1950er Jahren errichtete die Amicale de Mauthausen (Verband der französischen KZ-Überlebenden) ein Denkmal an der Stelle des ehemaligen Konzentrationslagers. Die letzten Baracken wurden leider 1993 abgerissen. Seit 2013 steht die Ausstellung Stollen der Erinnerung über das Konzentrationslager Münichholz und die Zwangsarbeit in Steyr Besuchern offen.
Biografie verfasst von Lara Cardona Fernández und Jose Francisco Albelda García unter Mithilfe von Vicente Ripollés Rodríguez, Enkel von José Vicente Ripollés Burdeus.
Fotos:
Foto 1: José Vicente Ripollés während des Kriegs. Zur Verfügung gestellt durch seinen Enkel Vicente Ripollés.
Fotos 2 + 3: José Vicente skizziert von einem Kameraden während des Kriegs. Zur Verfügung gestellt durch Vicente Ripollés.
Foto 4: Foto von José Vicente Ripollés in Frankreich, datiert am 5. August 1939. Zur Verfügung gestellt durch seinen Enkel Vicente Ripollés.
[1] Scheint gelegentlich auch als „Burdeos“ auf.
[2] SHD-Caen. Akte 21P 531 286
[3] Information erhalten von Amical de Mauthausen y otros campos.
Position im Raum

