Ignacy Oleksiak 1916 - 1944
Geboren 29.4.1916 in Kisielewo
Gestorben 10.3.1944 in Mauthausen
Biografie
Ignacy Oleksiak wurde 1916 im Dorf Kisielowo geboren. Er stammte aus einer katholischen Familie und wurde auch in diesem Glauben großgezogen; seine Eltern, Stefania und Stanisław waren Besitzer eines Bauernhofs. Sie besaßen einen Bauernhof, auf dem sie Arbeitslose aus der Umgebung beschäftigten. Sie hatten auch einen Obstgarten und Bienenhäuser.
Der Vater von Ignacy war ein gebildeter Mann, er besaß eine Tischlerwerkstatt und stellte seine Dienste für die Bewohner der benachbarten Dörfer zur Verfügung. Stanisław Oleksiak war ein respektierter Bürger. Bücher waren seine Leidenschaft, deshalb besaß er auch eine eigene Bibliothek, welche die Bewohner von Kisielewo und aus den benachbarten Ortschaften ebenfalls benutzen durften.
Die Mutter von Ignacy, Stefania, widmete sich der Erziehung der vier Kinder: dem Sohn Henryk, welcher im Alter von neun Jahren verstarb, den Töchtern Jadwiga und Irena sowie dem Sohn Edmund. Sie war eine sehr gütige Person, welche den Dorffrauen finanziell unter die Arme griff und stets einen Rat parat hatte, wenn ein solcher benötigt wurde. So wuchs auch Ignacy in dieser wundervollen und warmherzigen Familie auf und hatte auch ein Vorbild, dem er folgen konnte. Er schöpfte daraus mit vollen Händen, aber das Schicksal war extrem grausam zu ihm.
Aus Erzählungen der Familie und von Bekannten geht hervor, dass er ein sehr gut aussehender, lustiger, gebildeter junger Mann war. Er schloss das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Warszawski (Warschau) ab. Er hatte eine wunderschöne Verlobte, ihr Name war Irena Wrońska. Leider lebt keiner der Menschen mehr, die ihn persönlich kannten.
Viele Jahre gab es nur wenige Informationen darüber, warum der Onkel, Ignacy, verhaftet wurde. Die Großeltern, Stefania und Stanisław, haben sich nie mit dem Tod ihres Sohnes abgefunden. Die Erinnerungen daran waren so schmerzhaft, dass in Sorge um ihren Gesundheitszustand dieses Thema nicht angesprochen wurde.
Laut den in der Familie weitergegebenen Erzählungen war der Augenblick der Verhaftung des Onkels sehr dramatisch. Im Februar 1943 fuhren zwei Gestapo-Männer auf Fahrrädern vor. Sie führten den Onkel – nur mit Hose und Hemd bekleidet – hinaus, ketteten ihn mit Handschellen an die Fahrräder und führten ihn zur Gestapodienststelle in Zawidz. Diese befand sich nur wenige Kilometer von seinem Haus entfernt. Von dort wurde er nach einigen Tagen nach Płock und später in das Konzentrationslager Mauthausen gebracht.
Nach einigen Wochen erhielten die Großeltern ein Telegramm, dass ihr Sohn nicht mehr lebt. Als Todesursache wurde eine Lungenentzündung angeführt. Als die Großeltern sich zwecks Freigabe der Leiche an die Leitung des Lagers wandten, um seinen Leichnam beizusetzen, erhielten sie ein Schreiben, dass sie damit aufhören sollten, sofern sie nicht wollten, dass das gleiche Schicksal ihren zweiten Sohn ereilt.
Angeblich hatte ein Nachbar den Onkel verraten. Nach dem Krieg haben die Leute meinem Großvater geraten, dass er die neuen Behörden darüber informieren sollte, er stimmte dem allerdings nicht zu. Er sagte, dass er so seinen Sohn nicht zurückbekommen würde und Gott den Verräter bestrafen wird.
Heute verstehe ich, dass mein Großvater über die Tätigkeit des Onkels Bescheid wusste, aber Angst hatte, darüber zu sprechen, um die restliche Familie keiner Gefahr auszusetzen. Nach vielen Bemühungen gelangten wir an bestätigte Tatsachen. Quelle: Notatki Płockie Nr 42 (Notizen aus Płock Nr. 42). Titel des Artikels: „Batalion Mazowsza Płockiego”. Autor Waldemar Brenda. [...] er gehörte zur Narodowa Organizacja Wojskowa (Nationale Militärorganisation). Eine der Grundaufgaben der Organisation war die Durchführung von Spionagetätigkeiten.
Die Informationen wurden von polnischen Mitarbeitern der Gemeindeämter und anderen deutschen Institutionen bereitgestellt. Die Eisenbahn und die Kommunikationsknoten wurden ständig beobachtet. Ignacy fand Arbeit in einer Fabrik von Kazimierz Iłowiecki, einem Mitglied der Nationalen Partei (Stronnictwo Narodowe). Die Fabrik in Borków stellte Süßigkeiten, Schokolade und Fruchterzeugnisse her. Rund 40 Personen fanden dort Beschäftigung, wobei die meisten von ihnen in den Widerstandsbewegungen NDW oder POZ aktiv waren. Die Fabrikmitarbeiter sammelten Informationen über geplante Aussiedlungen oder Verhaftungen von Polen, wodurch man gefährdete Personen warnen konnte. Der Funk wurde überwacht und ein Untergrund-Bulletin verbreitet. Die Fabrik arbeitete bis Jänner 1943. Als Gefangener wurde der Onkel als ein für das „Dritte Reich“ besonders gefährliches Element behandelt.
Das sind unsere Erinnerungen. Sie verblassen im Gedächtnis und werden mit den Jahren immer weniger.
Hanna Gajlewska – Tochter von Jadwiga, Schwester von Ignacy
Elżbieta Rzędarska – Tochter von Irena, Schwester von Ignacy
Aneta Rybicka – Enkelin von Irena, Schwester von Ignacy
Position im Raum

