Hermann Schmidt Fellner 1892 - 1940
Geboren 10.10.1892 in Frankfurt
Gestorben 22.1.1940 in Mauthausen
Biografie
Hermann Schmidt-Fellner wurde am 20. Oktober 1892 in Frankfurt am Main geboren. Er war evangelisch und ein Nachkomme des letzten Bürgermeisters der Freien Stadt Frankfurt, Karl Konstanz Viktor Fellner (1807-1866), der angesichts der preußischen Okkupation Selbstmord beging.
Carola Schmidt-Fellner, geb. Liebmann, wurde am 14. August 1902 geboren und stammte aus einer jüdischen Familie. Ihr Vater war Jakob Liebmann (1854-1926), die Mutter Luise, geb. Leo-Wolf (Jg. 1970). Diese ließen ihre Tochter Carola am 27. März 1903 taufen. Der Mutter, 1939 in der Rossertstraße 7 gemeldet, gelang die Flucht in die USA.
Carola und Hermann Schmidt-Fellner heirateten am 27. September 1922 und wurden am 28. September 1922 von Pfarrer Urspruch in der Weißfrauenkirche getraut.
Ihre beiden Kindern Alexander, geb. am 1. September 1923, und Hertha, geb. 20. Mai 1927, wurden von Pfarrer Urspruch am 17. November 1923 bzw. am 10. September 1927 getauft. Später hatte die Familie engen Kontakt zum Pfarrer der Dreikönigsgemeinde, Martin Schmidt.
Die Familie lebte in der Marienstraße 15. In den Jahren 1936 bis 1938 wohnte sie im Bad Homburger Leopoldsweg 12, anschließend wieder in der Marienstraße, nun in die Nr. 9.
Hermann Schmidt-Fellner trat 1912 in die Metallgesellschaft ein. Seine Schwester war mit Alfred Merton, einem der Söhne des Firmengründers Wilhelm Merton, verheiratet. 1919 kam er ins Berliner Büro der Metallgesellschaft, zwei Jahre später erhielt er die Prokura. Als Mitglied der Geschäftsleitung der Lurgi-Gesellschaft war er in den 20er und 30er Jahren mit der Betreuung des technischen Verwertungsgeschäftes befasst. Er war einer der beiden Direktoren der Metallgesellschaft.
Im März oder April 1938 wurde Schmidt-Fellner, der geschäftlich viel, auch im Ausland, unterwegs war, der Reisepass entzogen. Ende Juni 1938 erhielt er einen aus London an ihn gerichteten Brief von Hans Georg Markwald, der Ingenieur der „Lurgi Gesellschaft für Chemie und Hüttenwesen" war und wegen seiner jüdischen Herkunft entlassen werden sollte - Hans Georg Markwalds Mutter und Tante nahmen sich am 12. September 1942 bzw. 13. September 1942 im Krankenhaus in der Gagernstraße das Leben.
Am 13. September 1938 kam ein Kriminalbeamter zur Sekretärin von Schmidt-Fellner und verlangte die Herausgabe der Korrespondenz mit Markwald. Vier Tage später, am 17. September 1938, wurden Schmidt-Fellner und ein weiterer Kollege kurz nach ihrer Rückkehr aus Berlin ohne Angaben von Gründen verhaftet. Schmidt-Fellner kam „vorbeugend" in Haft.In den späteren Entschädigungsverfahren hieß es, angeblich wegen „Beihilfe einem Juden ins Ausland geholfen zu haben" oder „weil er einer Verfolgten (nämlich seine Ehefrau) nahe gestanden hat" (Entschädigungsbescheid vom 11.11.1959). Der Sekretärin wurde zwei Tage nach der Verhaftung von einem Vorgesetzten mitgeteilt, Schmidt-Fellner sei in Präventivhaft, und sie dürfe mit niemand darüber sprechen.
Schmidt-Fellner schrieb am 19. Septmeber 1938 an einen befreundeten Rechtsanwalt aus dem Polizeigefängnis Klapperfeldstraße: „Was los ist, ahne ich nicht und sehe der Entwicklung mit Ruhe entgegen" (Dokumentation der Metallgesellschaft vom 5.3.1959).
Die Verhaftung Schmidt-Fellners war keine örtliche Angelegenheit der Gestapo: Dr. Werner Best, damals der zweite Mann der Gestapo des Deutschen Reiches hinter Reinhard Heydrich war mit dem Fall betraut und erklärte am 22. November 1938 in einer Unterredung mit einem von der Metallgesellschaft beauftragten Anwalt: „Die Inhaftierung der beiden Herren richte sich nicht gegen die Metallgesellschaft, sondern sei zu ihrem Schutz angeordnet... Es habe der Verdacht bestanden, dass die Herren auf Grund ihrer Kenntnisse im Ausland ein eigenes Geschäft aufbauen würden, welches der deutschen Wirtschaft - und der Metallgesellschaft schädlich werden könne. Dass den Herren das zuzutrauen sei, gehe u.a. aus folgenden hervor: Schmidt Fellner habe dem jüdischen Ingenieur Markwald die Emigration ermöglicht, die für Deutschland schädlich gewesen sei, da Markwald besondere Kenntnisse besessen habe..." (Brief des Anwalts an die Metallgesellschaft vom 22.11.1938).
Von hier aus wurde er am 22. Mai 1939 oder 3. Juni 1939 in das KZ Dachau überführt und von dort am 27. September 1939 weiter in das KZ Mauthausen. Hier war er mit der Nr. 33611 im Strafblock untergebracht.
Die Familie erhielt aus Mauthausen eine Urne geschickt, angeblich mit den Überresten des Ehemanns und Vaters. In der Dreikönigskirche hielt Pfarrer Martin Schmidt die Trauerfeier, überwacht von zahlreichen Gestapobeamten, die in den Kirchenbänken saßen. Um keine Vorwände für Sanktionen zu bieten, las er in dem Gottesdienst ausschließlich Verse aus der Bibel
Carola Schmidt-Fellner musste die Wohnung in der Marienstraße 9 räumen. Die Familie lebte ab dem 17. März 1943 in der Weiherstraße 6 im Ostend, einem sogenannten Judenhaus, in dem die jüdischen Bürger oft erst wenige Monate vor der Deportation bei anderen Juden Unterkunft fanden. Carola Schmidt-Fellner war bereits ab dem 8. Februar 1943 zur Zwangsarbeit bei der Druckerei Osterrieth in der Frankestraße verpflichtet worden und musste am Arbeitsplatz den Judenstern tragen. Am 6. Januar 1944 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Dort war sie als Briefträgerin eingesetzt und erlebte 1945 die Befreiung. Da sie die Rücktransporte nicht abwarten wollte, machte sie sich selbst auf den Weg. Auf Güterzügen gelangte sie im Juni 1945 wieder nach Frankfurt. Sie starb 1982. Der Sohn Alexander Schmidt-Fellner lebte in Berlin und musste zuletzt noch Zwangsarbeit leisten. Er emigrierte 1946 in die USA. Die Tochter Herta Leip besuchte die Anna-Schmidt-Schule, heiratete 1956 und lebt in Bad Vilbel.
Die Stolpersteine wurden initiiert von der Evangelischen Dreikönigsgemeinde. An der Verlegung nahmen die Tochter Herta Leip (Bad Vilbel), der Enkel Alexander (Bad Vilbel) und die Enkelinnen Martina Leip (Berlin) und Kathrin Leip (Windsbach) teil.
Quelle:
Stadt Frankfurt am Main, Stolperstein-Biographien im Bahnhofsviertel, Schmidt-Fellner, Carola und Hermann | Stadt Frankfurt am Main [Zugriff: 24.08.2023]
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