Eugène Michel Pierre Lavergne 1911 - 1945
Geboren 6.12.1911 in Paris
Gestorben 16.2.1945 in Mauthausen
Biografie
Eugène Michel Pierre Lavergne, der von allen Pierre genannt wurde, war unverheiratet und von Beruf Ingenieur. Im Zweiten Weltkrieg zeichnete er sich im Kampf an der saarländischen Grenze durch seine hervorragenden Leistungen als Artillerieoffizier aus. Ab dem Jahr 1940 beherbergte er flüchtige Kriegsgefangene, denen er half, die Demarkationslinie zu überqueren. Im Jahr 1940 trat er dem Spionagedienst „Kléber“ bei, dem er militärische Informationen lieferte, und sicherte die Rückkehr von alliierten Flugzeugpiloten nach London.
Im Februar 1942 nahm man ihn ein erstes Mal in Tours (Indre-et-Loire) fest und ließ ihn wieder frei. Im März wurde er in Bourges (Cher) erneut gefangengenommen und am 20. Juni 1942 von dem Gericht der Feldkommandantur 776 wegen illegalen Grenzübertritts der Demarkationslinie zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung versuchte er, England zu erreichen, doch das gelang ihm nicht. Nach diesen Inhaftierungen verließ er den Spionagedienst „Kléber“ und engagierte sich 1942 bei der Organisation Combat. 1943 wohnte er in Lyon (Rhône) in der rue Jarente.
Marcel Pecq (alias „Battesti“, Gefechtsführer der Region 1 / Lyon), Pierre Lavergne (alias „Beaugé“, regionaler Anführer der Geheimarmee „Combat“, zuständig für die Region R1) und Jean Mairey (alias „Fontenay“, Pierre Lavergne zugeteilt für politische und administrative Angelegenheiten) beriefen Ende Jänner 1943 zwei Besprechungen mit den auf Departement-Ebene Verantwortlichen von „Combat“ in Chambéry (Savoie) und in Bourg-en-Bresse (Ain) ein. Gleich nach der Rückkehr von diesem Treffen in Chambéry ersuchte Lavergne Mairey, eine weitere Besprechung in Lyon zu organisieren. Vor dem am 1. Februar 1943 festgelegten Termin für dieses Treffen hatte Pierre Lavergne noch eine Besprechung mit dem Piloten Claudius Billon, dem regionalen Stabschef der Geheimarmee. Dieses Treffen verlief noch ohne Zwischenfälle. Als sich Billon danach auf sein Fahrrad setzte und in Richtung Guillotière-Brücke fuhr, um das Stadtzentrum zu erreichen, wurde er von Agenten des Sicherheitsdiensts, die ihm mit dem Auto gefolgt waren, festgenommen. (Er konnte flüchten, wurde aber dennoch am 6. Februar 1943 erneut festgenommen.) Jean Mairey, der wenig später bei der Guillotière-Brücke aus der Straßenbahn stieg, konnte nur tatenlos zusehen, wie zwei Personen in Zivil seinen Kameraden Pierre Lavergne im Auto abführten.
Am 3. Februar 1943 kam Pierre Lavergne in das Fort Montluc. Sein weiterer Weg ist einigermaßen unklar. Nach Montluc wurde er im Gefängnis Mal-Coiffée (Allier) inhaftiert. Von dort aus schrieb er jede Woche an seine Familie, die seine Briefe nach der Zensur durch die Deutschen erhielt. Seinen letzten Brief, der mit August 1943 datiert ist, erhielt die Familie im September. In diesem kündigte er an, dass er verurteilt werden würde. Dem Funktionär der regionalen „Combat“, André Plaisantin, zufolge wurde er Anfang 1944 nach Linz gebracht, bevor er in das Konzentrationslager Sachsenhausen überführt wurde. Auf jeden Fall ist sehr wahrscheinlich, dass Pierre Lavergne als „Nacht-und-Nebel“-Häftling deportiert wurde. Am 13. Februar 1945 verließ er Sachsenhausen mit dem ersten Evakuierungstransport in Richtung Österreich und traf am 16. Februar 1945 in Mauthausen ein. Maurice Germain, zur gleichen Zeit im Lager eingetroffen, bestätigte, dass Pierre Lavergne das Massaker überlebte. Er verstarb in Mauthausen, wahrscheinlich sehr kurz nach seiner Ankunft und noch bevor er registriert wurde.
Adeline Lee
Adeline Lee, Lisieux, ist eine französische Historikerin. Für die neuen Dauerausstellungen an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen nahm sie an einem umfangreichen Forschungsprojekt nach Quellen zur Geschichte des KZ Mauthausen in französischen Archiven und Sammlungen teil. Sie ist die Autorin zahlreicher Artikel über die Deportation von Französinnen und Franzosen in das KZ-System Mauthausen.
Aus dem Französischen von Andrea Peyrou
Quellen:
Service historique de la Défense, dossier MED 21 P 473492, LA 8059 (Auszug aus dem Register des französischen Gefängnisses Montluc), 26 P 1120 (Bericht Kanthack).
Archives de l’Amicale de Mauthausen, pochette 451/3: Aufzeichnung von Juan de Diego (Schreiber in der Politischen Abteilung) über den Transport aus Sachsenhausen.
Archives Nationales, F/9/5577, Vernehmung von De Dionne durch Chalufour (Sonderbeauftragte der Forschungsstelle für feindliche Kriegsverbrechen in Paris) am 11. August 1945.
Position im Raum

