Karl Strohhäcker 1903 - 1940
Geboren 15.3.1903 in Vaihingen
Gestorben 10.4.1940 in Mauthausen
Biografie
Emil Wilhelm Strohhäcker (1903–1940), ein unbekanntes NS-Opfer aus Vaihingen
Bei Vorarbeiten zur Ortsgeschichte von Horrheim stieß der Autor auf den Fürsorgeantrag einer Karoline Strohhäcker, in dem von einem Sohn Emil die Rede war, der am 10. April 1940 im KZ Mauthausen gestorben war.[1] Nachforschungen ergaben ein ungefähres Lebensbild des Genannten, von dem bisher nichts bekannt war.
Emil Wilhelm Strohhäcker wurde am 15. März 1903 in Vaihingen geboren. Seine Eltern waren der Korbmachermeister Gustav Strohhäcker, 1871 in Großsachsenheim geboren, und Karoline Strohhäcker geb. Renner, 1873 in Heilbronn geboren. Die Familie, in der insgesamt acht Kinder heranwuchsen, wohnte in der Schloßstraße 5 (heute: Am Bergle 4); sie verzog 1928 nach Illingen. Emil Strohhäcker, der bis 1926 bei seinen Eltern gemeldet war, erscheint hier als "Tagelöhner". Er war zu dieser Zeit wohl bereits auf "Wanderschaft", denn er wurde im Juni 1926 in München zu sechs Tagen Haft wegen Bettelei verurteilt. Er blieb auch in den folgenden Jahren ein unsteter Geselle, der, wie eine Auskunft des Stadtarchivs Augsburg vom 22. Februar 2024 ausweist, immer wieder in Augsburg wohnte, und zwar in der Weißstraße 1 (bei Huber), so vom 12. November 1928 bis zum 4. Mai 1929, wieder vom 2. Juni bis zum 16. Juni 1931 und, von Ulm kommend, ab dem 18. Mai 1932 – mit unbekanntem Auszugsdatum. In Augsburg lernte er Magdalena Deiniger kennen, mit der er einen Sohn hatte, den am 12. April 1930 geborenen Rudolf, den er vor dem Amtsgericht als sein Kind anerkannte. Strohhäcker wohnte, laut Eintrag im Sterbebuch Mauthausen, zuletzt in Stuttgart, Ilgenstraße 10.[2] Da er hier nicht als Wohnungsinhaber gemeldet war, muss er zur Untermiete gewohnt haben. Als Wohnungsgeber kommt wohl in erster Linie der Mieter A. Kuhn in Frage, bei dem als Beruf "Reisender" angegeben wird; möglicherweise hatte ihn Strohhäcker in Augsburg kennengelernt.
Bei seiner Einlieferung in das KZ Sachsenhausen am 23. Juni 1938, die jedoch von Augsburg aus erfolgte, gehörte er zu einer Gruppe von 1.627 als "Arbeitsscheue" bezeichneten Häftlingen – genaue Bezeichnung AZR (Arbeitszwang Reich); er erhielt die Häftlingsnummer 7136. Strohhäcker war wohl als Landstreicher aufgegriffen worden und trug im KZ den schwarzen Winkel der auch als "Asoziale" bezeichneten Häftlinge. Am 25. Januar 1940 wurde er von Sachsenhausen nach Mauthausen überstellt, wo er die Häftlingsnummer 279 erhielt und bereits am 10. April 1940 verstarb. Bei seiner Einäscherung wurde in der Spalte Todesursache lediglich angegeben: "Keine Diagnose". Im Sterbebuch allerdings wurde eine Todesursache genannt, und zwar: "Herzinnenhautentzündung, Herz- und Kreislaufschwäche" – sicherlich eine der üblichen Phantasiediagnosen.
Drei oder vier seiner Geschwister wohnten später in Vaihingen, die Mutter zog von Ensingen aus zunächst nach Horrheim, 1954 nach Roßwag und 1960 wieder nach Ensingen, wo sie 1965 starb.
Manfred Scheck
[1] Die zahlreichen Quellenbelege finden sich gesammelt im StadtAV unter der Signatur S 6/13.
[2] Die Ilgenstraße, die, parallel zur Eichstraße, in der Nähe des Rathauses verlief, existiert nicht mehr, sie wurde 1955 aufgelassen und ist zum großen Teil überbaut.
Position im Raum

