Fritz Graf 1912 - 1945

Geboren 13.3.1912 in Frankfurt am Main
Gestorben 18.1.1945 in Melk

Biografie

Fritz Graf wurde am 13. März 1912 in Frankfurt am Main in Deutschland geboren. Er war als Kaufmann beschäftigt. Weitere Details zu seinem Leben sind nicht bekannt.

Fritz war im KZ Dachau in Deutschland inhaftiert. Die genauen Hintergründe und das Inhaftierungsdatum sind nicht bekannt. Von dort wurde er am 2. August 1944 in das KZ Natzweiler überstellt und am 20. September 1944 wurde er weiter in das KZ Mauthausen deportiert.

Zunächst war Fritz noch als „Schutzhäftling“, also „politischer“ Häftling, deutscher Nationalität registriert, später wurde er als „§175“-Häftling kategorisiert. Die „§175“-Häftlinge waren Homosexuelle oder als solche denunzierte Personen, die nach dem Paragraphen 175 im Strafgesetzbuch inhaftiert wurden, welcher homosexuelle Handlungen strafbar machte. Einige als Homosexuelle verfolgte Häftlinge waren zunächst als „Schutzhäftlinge“ in den Konzentrationslagern inhaftiert und wurden später umgestuft.

Dieser Paragraph 175 blieb im deutschen Strafgesetzbuch im Wesentlichen bis in die 1970er Jahre bestehen, weshalb Personen, die als „§175“-Häftlinge verfolgt worden waren, auch nach der Befreiung mit massiven Vorurteilen zu kämpfen hatten und lange nicht als NS-Opfer anerkannt worden waren. Die „§175“-Häftlinge erhielten im Lager einen rosa Winkel als Kennzeichnung ihrer Kategorie und waren auf den untersten Rängen der Häftlingshierarchie. Sie blieben meist innerhalb der Häftlingsgesellschaft von ihren Mithäftlingen isoliert und wurden von der SS brutal verfolgt. Damit hatten sie schlechte Haftbedingungen und geringe Überlebenschancen.

Fritz wurde dann am 21. September 1944 weiter in das Außenlager Melk transportiert, wo er als „Hilfsarbeiter“ beim Projekt „Quarz“ eingesetzt war. Er musste daher unter unmenschlichen Bedingungen schwerste körperliche Arbeit beim Bau der unterirdischen Stollenanlage in den Wachberg bei Roggendorf in der Nähe von Melk leisten.

Wie tausende weitere Häftlinge überlebte Fritz die Lebensbedingungen im KZ Melk und die miserablen Konditionen bei der Arbeit nicht. Fritz Graf kam im KZ Melk am 18. Januar 1945 ums Leben. Die offizielle Todesursache lautete „Lungenentzündung“.

Viele Häftlinge des KZ Melk waren lungenkrank wegen des Gesteinsstaubes, den sie beim Arbeiten, beim Ausgraben und Sprengen der Stollen, einatmen mussten, oder auch wegen der klimatischen Bedingungen, besonders im Herbst und Winter 1944/1945. Außerdem kam dazu, dass es in diesen Stollenanlagen dauerhaft, unabhängig vom eigentlichen Wetter, kalt war und Wasser von der Decke tropfte und, dass die Häftlingskleidung viel zu wenig Schutz vor Kälte und Nässe bot.

Andererseits sind aber die im Totenbuch festgehaltenen Todesursachen großteils mit hoher Wahrscheinlichkeit frei erfunden und sollten die eigentlichen Gründe verschleiern. Prinzipiell kamen die meisten Häftlinge im KZ Melk wegen der katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen ums Leben.

 

Christina Kandler, Verein MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk

 

Quellen:

Internationaler Suchdienst, Arolsen Archives, Einträge für Fritz Graf (Signatur 01012603 067.024; Signatur 01012902 013.480; Signatur 01010607 097; Signatur 3712793160; Signatur 4316787; Signatur 805460017), online unter: https://collections.arolsen-archives.org/de/search (25.5.2022).

United States Holocaust Memorial Museum, Holocaust Survivors and Victims Database, Einträge für Fritz Graf, online unter: https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php (25.5.2022). Genauer: Mauthausen / Gusen Death Book, AMM Y/36 Y/43< , Dachau Concentration Camp Records

Memorial Archives, Database Victims, Fritz Graf, online unter: https://memorial-archives.international/en/entities/show/5c2f820e3849de4ab9bb5d85> (25.5.2022).

Anette Eberle: Häftlingskategorien und Kennzeichnungen. In: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 1: Die Organisation des Terrors. München 2005.

Andreas Kranebitter: Zahlen als Zeugen. Soziologische Analysen der Häftlingsgesellschaft des KZ Mauthausen. Wien 2014.

Bertrand Perz: Das Projekt „Quarz“. Der Bau einer unterirdischen Fabrik durch Häftlinge des KZ Melk für die Steyr-Daimler-Puch AG 1944–1945. Innsbruck/Wien 2014.

KZ-Gedenkstätte Mauthausen | Mauthausen Memorial, Veränderungsmeldung für den 21. September 1944, AMM Y45b_503-523.

NARA Washington DC, RG 338 (jetzt RG 549), Box 425, Case 000-50-009 (Buchenwald trial 1947), „Verzeichnis der im Arbeitslager – Quarz verstorbenen Häftlinge“, (Kopie Sammlung Bertrand Perz, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien).

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