Wilhelm Kleißle 1889 - 1940
Geboren 19.12.1889 in Windenreute / Emmendingen
Gestorben 23.4.1940 in Mauthausen
Biografie
Wilhelm Friedrich Kleissle, genannt Willi, wurde 1889 in Windenreute bei Emmendingen (Schwarzwald) geboren. Seine Eltern waren Wilhelm und Wilhelmine Kleissle. Willi arbeitete eine zeitlang in der Schweiz als Friseur. Bekannt ist, dass er nach dem Ersten Weltkrieg als Grenzgänger in einer Schreinerei in Bottighofen (Thurgau) beschäftigt war. Im Jahr 1921 heiratete er Anna, geb. Rost, mit der er vier Kinder hatte. Die Familie wohnte damals in Konstanz. Das Ehepaar schloss sich 1923 den Bibelforschern (Zeugen Jehovas) an und nutzte nach dem Verbot der Glaubensgemeinschaft die beruflichen Verbindungen in die Schweiz, um religiöse Schriften nach Deutschland zu schmuggeln. Oft geschah dies bei Familienausflügen, bei denen man die Literatur zur Tarnung in einem Kinderwagen versteckte. Am 1. März 1937 wurde Willi Kleissle schließlich festgenommen und wenige Tage später in das Gerichtsgefängnis Konstanz eingeliefert. Am 10. September 1937 kam es vor dem Sondergericht Mannheim zum Strafverfahren gegen ihn und andere Zeugen Jehovas aus Konstanz und Umgebung. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt galten. Allerdings kam Willi Kleissle nicht frei, sondern wurde mit einer sogenannten „Überhaft“ erneut durch die Gestapo festgenommen und am 27. November 1937 in das Konzentrationslager Dachau (Häftlingsnummer 13080) eingeliefert. Dort blieb er bis zur Lagerräumung am 27. September 1939 und wurde mit 143 anderen Zeugen Jehovas in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt. Willi Kleissle gehörte zu denen, die die unmenschlichen Bedingungen im Winter 1939/40 nicht überlebten. Er starb am 23. April 1940 angeblich an „Herzschlag“. Die Stadt Konstanz ehrte Willi Kleissle als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung mit der Verlegung eines „Stolpersteins“. Der Kölner Künstler Günter Demnig verlegt die Gedenkplakette am 22. Mai 2009 am Eingang des Hauses Ackertorweg 10 in Konstanz, dem letzten Wohnsitz Willi Kleissles und seiner Familie.
Marcus Herrberger
Zeitgeschichtsforscher zu den Themen Kriegsdienstverweigerung und Verfolgung religiöser Minderheiten unter dem Nationalsozialismus und Autor verschiedener Publikationen zur Militärjustiz im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie zur Rehabilitierung von NS-Opfern
Quellen:
Arolsen Archives, Totenbuch Konzentrationslager Mauthausen, Bestand 1.1.26.1, Sig. 8110199: Totenbuch Nr. 1584 (Kleissle, Wilhelm)
Arolsen Archives, Sterbebuch Konzentrationslager Mauthausen, Bestand 1.1.26, Sig. 1293202: Nr. 1611 (Kleissle, Wilhelm)
Gedenkstätte Dachau, Datenbank Landesarchiv Saarland, Landesentschädigungsamt LEA 13695. Martinet, Esther: Jehovas Zeugen in der Schweiz und im Fürstentum Lichtenstein, in: Besier, Gerhard / Stokłosa, Katarzyna (Hgg.): Jehovas Zeugen in Europa. Geschichte und Gegenwart, Bd. 3, Berlin 2018, S. 666.
http://www.stolpersteine-konstanz.de/wilhelm_kleissle.htm
https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/article-swr-11622.html
Position im Raum

