Stanislav Mareš 1888 - 1945

Geboren 11.11.1888 in Litovel
Gestorben 8.4.1945 in Mauthausen

Biografie

Stanislav Mareš besuchte die Bürgerschule und das Gymnasium im heimatlichen Litovel, wo er auch 1908 maturierte. Er begann dort im Anschluss als Gerichtsangestellter zu arbeiten. Später war er auch in Olomouc, Vsetín und Uherský Brod als Gerichtsangestellter tätig. 1913 wurde er für ein Jahr als Mitarbeiter der k. k. politischen Verwaltungsbehörde nach Sarajewo geschickt, wo er den Beginn des Ersten Weltkriegs erlebte. Bis 1918 kämpfte er für die k.u.k. Armee und trat danach als Hauptmann in die tschechoslowakische Armee ein. Von 1920 bis 1925 arbeitete er in der Generalfinanzdirektion. Danach musste er in Invalidenrente gehen. 1932 ging er als Anhänger der Tschechoslowakischen Sozialdemokratischen Partei nach Bratislava, wo er die Funktion des Sekretärs des sozialdemokratischen Verbandes der öffentlich Angestellten übernahm.

Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei und der Gründung des Slowakischen Staates im März 1939 wurde er umgehend im illegalen Widerstand aktiv, insbesondere half er beim Aufbau eines Mitgliedernetzes, das illegale Fluchtwege für Landsleute aus Böhmen und Mähren, aber auch aus der Slowakei über die sogenannte Südroute Ungarn–Jugoslawien nach Frankreich und Großbritannien sicherstellte. Bereits im September 1939 wurde er jedoch beim Versuch, das Land zu verlassen, von Mitgliedern des slowakischen Innenministeriums und des deutschen Sicherheitsdienstes (SD) provoziert und verhaftet. Im September 1940 wurde er zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Bis zum 2. Februar 1945 war er in Bratislava inhaftiert, wurde aber auf Befehl der deutschen Sicherheitspolizei (Sipo) und des SD am 5. Februar 1945 mit dem zweiten Transport aus Bratislava ins Konzentrationslager Mauthausen verschleppt, wo er im April 1945 ums Leben kam.

Zlatica Zudová-Lešková

Zlatica Zudová-Lešková ist Historikerin am Institut für Geschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung für Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sie forscht zur politischen Geschichte der Slowakei, den tschechisch-slowakischen Beziehungen und zum tschechoslowakischen und jüdischen Widerstand zwischen 1939–1945.

 

Aus dem Slowakischen von Ines Koeltzsch

 

Literatur:

Viera Zajacová: Slováci v Mauthausene [Die Slowaken in Mauthausen] (Bratislava 1970), S. 120

Jozef Jablonický: Z ilegality do povstania. [Von der Illegalität zum Aufstand]. (Bratislava 1969), S. 50ff.

Karol Fremal: Sociálnodemokratická strana na Slovensku v rokoch 1938–1944 [Die Sozialdemokratische Partei in der Slowakei 1938–1944]. In: Kapitoly z dejín sociálnej demokracie na Slovensku [Kapitel aus der Geschichte der Sozialdemokratie in der Slowakei] (Bratislava 1996), S. 292ff.

Zlatica Zudová-Lešková: Cesty k sebe. Česi v odboji na Slovensku v rokoch 1939-1943 [Wege zu sich selbst. Tschechen im Widerstand in der Slowakei 1939-1943] (Praha 2009), S. 81ff.

 

Quellen:

Štátný archív Bratislava [Staatsarchiv Bratislava], fond KSB [Krajský súd v Bratislave, Bezirksgericht Bratislava], Sign.: Tk 2613/1939.

Position im Raum