Luigi Marzagalli 1901 - 1945

Geboren 20.10.1901 in Lodi
Gestorben 22.4.1945 in Mauthausen

Biografie

Luigi Marzagalli wurde am 20. Oktober 1901 als Sohn von Bassano und Marni Adele in Lodi geboren. Er war Schlosser von Beruf und mit Serena Fenocchi verheiratet. Während des Krieges kam er mit dem Antifaschisten Eligio Mariconti in Kontakt. Nach dem Niedergang des Faschismus intensivierte er seine Beziehungen mit der Resistenza, die sich gegen die Deutschen und die Faschisten auflehnte: Man unterstützte frühere Gefangene aus den Reihen der Alliierten, die ersten Jungen wurden in die Berge geschickt und man sammelte Waffen. Er wurde in der ersten Novemberhälfte 1943 bei einer der ersten Massenverhaftungen von Widerstandskämpfern gefangen genommen. Unter den Verhafteten waren auch Giovanni Mirotti aus Casalpusterlengo und Quarto Andreoli aus Lodi. Ein paar Tage nach Marzagallis Verhaftung wurde auch Achille Boselli, ein Landwirt aus Lodi, in seine Zelle im Gefängnis S. Vittore gesperrt. Boselli war zusammen mit dem Pfarrer Don Davide Perniceni und Domenico Codazzi verhaftet worden, denen man anlastete, verbündeten Ex-Gefangenen geholfen zu haben. Marzagalli wurde mit dem Konvoi 33 vom 11. März oder mit dem Konvoi 34 vom 16. März nach Mauthausen deportiert (mit beiden Konvois wurden Häftlinge aus San Vittore ohne Zwischenstopps nach Österreich gebracht). Ein Jahr später, im April 1944, verstarb er in Mauthausen.

Brief an Achille Boselli vom 3. Februar 1944 aus dem Gefängnis San Vittore in Mailand:

„Lieber Achille, ich schicke dir meine Neuigkeiten und hoffe, dass du und deine Familie, so wie auch ich, gesund seid. Meine Situation ist immer noch die gleich wie da, als du mich verlassen hast. Ich warte immer auf neue Ereignisse, die, wie ich glaube, bald eintreten werden. Mirotti und Quarto sind mit mir mitgekommen [M1] und haben deinen leeren Platz eingenommen. Don D. hat man jedoch in Einzelhaft gesteckt, ich weiß nicht, auf wessen Befehl hin … Jetzt möchte ich dir etwas sagen, von alldem, was du dem Glaser übergeben hast, damit er es mir gibt, habe ich nur einen Bruchteil bekommen. Den Rest hat er mit irgendeiner oder gar keiner Entschuldigung behalten. Ich hätte dir nichts gesagt, wenn er sich mir und Quarto gegenüber ein wenig ehrlich gezeigt hätte, aber jetzt reicht es. Von dem, was sich unsere Lieben mühsam vom Mund abgespart haben, gibt er uns nicht einmal die Hälfte. In den letzten zwei Wochen hat er den Bogen überspannt, nicht nur, dass er sich die Lebensmittel und die Zigaretten behalten hat, er hat sich auch die £ 200 von Quarto behalten. Als er darauf angesprochen wurde, hat er sich entschuldigt und gesagt, dass seine Frau vielleicht vergessen hat, sie ihm zu geben. Wie du siehst, mussten wir diese Beziehung beenden, die sich sehr übel entwickelt hatte. Wie auch immer, schick nichts mehr, auch wenn er nach Lodi kommen sollte, weil er mir gesagt hatte, dass er vorhat, zu dir nachhause zu kommen. Also nur, damit du Bescheid weißt. Wenn du glaubst, uns über die Wachen was schicken zu wollen, dann mach, wie du glaubst. Ich danke dir und ich grüße dich und deine Familie. Auch D.D. [Don Davide], Mirotti und Quarto senden dir ihre Grüße. Ich wünsche dir alles Gute, dein Freund

Gino“

Ercole Ongaro

INMSLI – Istituto Nazionale per la Storia del Movimento di Liberazione in Italia, Mailand

 

[M1] Sinn nicht eindeutig klar, Anm. d. Übers.

Das Verb im Original bedeutet: weggehen, fortgehen, hinausgehen. Ich denke, der Sinn ist, dass Mirotti und Quarto mit ihm gemeinsam irgendwohin gekommen sind. Anm. d. Übers.

 

 

Position im Raum