Pavel Strass 1904 - 1941
Geboren 19.9.1904 in Chrudim
Gestorben 26.11.1941 in Mauthausen
Biografie
Das Feuer im Treibstofflager Welzel brach in der Nacht vom 30. auf den 31. August 1941 gegenüber dem Bahnhof in Náchod aus. Es folgte eine Verhaftung unschuldiger Menschen, da das Feuer als Sabotageakt qualifiziert wurde. Auch später wurde nicht nachgewiesen, wer es gelegt hatte. Insgesamt wurden aus Náchod am 9. September 1941 71 Personen in die Kleine Festung Terezín (Theresienstadt) gebracht, darunter 31 Juden; bei diesen 71 Personen sind die Besitzer des Lagers Karel und František Welzel, die separat verhört wurden, nicht mit eingerechnet. Zusammen mit 29 verhafteten Bürgern aus Úpice (Eipel) bildeten sie die von der Gestapo verlangten einhundert Geiseln. Ein Teil von ihnen wurde zu Beginn des 1. Standrechts nach dem Amtsantritt von Reinhard Heydrich (Anfang Oktober 1941) in das KZ Mauthausen verschleppt, von diesen kehrte Ende des Jahres 1942 ein einziger zurück - Hubert Rokoš, der Sohn des gleichnamigen Eigentümers des Bahnhofsrestaurants in Náchod. Nach den bisher ermittelten Informationen wurden im KZ Mauthausen elf Bürger Náchods zu Tode gefoltert, einschließlich des Eigentümers des Treibstofflagers, Karl Welzel. In der Kleinen Festung Terezín (Theresienstadt) kam ein Bürger aus Úpice (Eipel) um. Die übrigen wurden nach 2 Monaten am 31. Oktober 1941 entlassen und kehrten nach Hause zurück.
Pavel Strass entstammte der Familie eines bekannten Náchoder Textilhändlers. Sein Vater Leo Strass (1871) hatte an der Hauptstraße von Náchod ein Geschäft und ebenso eine große Versandfirma, in der seine beiden Söhne – Karel (1902) und Pavel arbeiteten. Die Schwester Valerie (1901) war mit dem Náchoder Apotheker PhMr. RNDr. Václav Bayerle verheiratet.
Leo Strass war auch als großer Förderer von Künstlern bekannt. Er besaß eine große Bildersammlung und engagierte sich in der tschechisch-jüdischen Bewegung.
Nach dem Großbrand im Treibstofflager Welzel in Náchod wurden auf Befehl der Gestapo Karel und Pavel Strass am 31. August 1941 als Geiseln in Haft genommen und am 09. September 1941 zusammen mit anderen in die Kleine Festung Terezín (Theresienstadt) deportiert. Während Karel nach zwei Monaten zurückkehrte, wurde Pavel von dort wahrscheinlich nach einem Monat in das KZ Mauthausen transportiert, wo er am 26. November 1941 umkam. Laut seiner Nichte Věra Tomanová, geb. Bayerlová (Náchod), war als Todesursache Lungenentzündung angegeben, jedoch nach den Erinnerungen in der Familie von Karel Strass wurde er erschossen. Der Familie wurde vom KZ angeboten, eine postmortale Maske anzufertigen. Diese wurde tatsächlich übersandt. Im Jahre 1987 übergab Věra Tomanová diese zusammen mit weiteren Dokumenten über Pavel Strass persönlich an das Museum Yad Vashem in Jerusalem.
Der Vater Leo Strass und seine Ehefrau Zdeňka, geb. Hermanová (1881), wurden als Juden im Dezember 1942 mit dem Transport Ch in das Ghetto von Terezín (Theresienstadt) gebracht. Auch hier war Leo Strass im Kontakt mit professionellen Künstlern aus dem Technischen Büro der dortigen jüdischen Selbstverwaltung (Bedřich Fritta, Petr Kien, Otto Ungar, Leo Haas und weiteren). Als die Nazis entdeckten, dass hier Zeichnungen entstehen, die das Leben im Ghetto so dokumentieren, wie es wirklich war und dass sich auch Leo Strass organisatorisch an dieser Tätigkeit beteiligte, verlegten sie ihn zusammen mit seiner Ehefrau und auch den Künstlern in die Kleine Festung. Leo und Zdeňka Strass wurden dann mit dem Transport GSt. am 17. Juli 1944 in das KZ Auschwitz deportiert. Beide kamen um.
Gegen Kriegsende wurden auch Karel Strass und Valerie Bayerlová in das Ghetto Terezín (Theresienstadt) deportiert. Diese erlebten die Befreiung, auch dank ihrer nichtjüdischen Partner.
Alena Čtvrtečková
Alena Čtvrtečková forscht und publiziert zur jüdischen Verfolgung in Náchod (Tschechische Republik)
Quellen:
SOA Zámrsk, MLS Hradec Králové, Albert Hardtke 1945-1947, Ls 33/47, Karton 72, Blätter 104 und 105 – Verhaftungsprotokoll Karel und Pavel Strass.
Theresienstädter Erinnerungsbuch, S. 1084 – Strass Leo, Strassová Zdenka.
http://www.zidovske-muzeum.cz/cz/cz084.htm - Anzeiger 4/2008. Neuzugänge (Porträt von Zdenka Strassová und Fakten über die Theresienstädter Begebenheit mit den Künstlern).
Mitteilung von Věra Tomanová, geb. Bayerlová (1931), wohnhaft Náchod-Babí.
Šimáně, Jan: Je tady Gestapo! (Hier ist die Gestapo!) (Náchod 1938-1945), Červený Kostelec (Rothkosteletz) 1946, S. 192.
Position im Raum

