Иван Сергеевич Складнев / Iwan Sergeewitsch Skladnew 1914 - 1942

Geboren 17.8.1914 in Uchlowo
Gestorben 25.4.1942 in Mauthausen

Biografie

Im Sommer 1941, einen Monat vor Beginn des Großen Vaterländischen Krieges gegen das nationalsozialistische Deutsche Reich und seine Verbündeten, wurde Iwan Sergejewitsch Skladnew zu militärischen Umschulungskursen einberufen. Damals war er 27 Jahre alt. Nach langen Jahren des Hungers und der Not schien sich das Leben seiner Familie nun zu verbessern, denn die Wehrübung sollte lediglich 45 Tage in Anspruch nehmen.

Am Bahnhof des Dorfes Ulochowo verabschiedete er sich von seiner Frau Sinaida Skladnewa, die den Säugling, seinen Sohn Wolodja, auf dem Arm hielt, sowie von der zweijährigen Tochter Raissa und der Nichte Tamara. Sinaida sagte später, sie habe empfunden, dass sie ihren Mann nie mehr wiedersehen würde.

Als der Krieg begann, diente Iwan Skladnew im 394. Schützenregiment der 110. Schützendivision (1. Aufstellung). Die Division wurde in der Stadt Tula im Moskauer Militärbezirk gegründet. Ab dem 15. Juni 1941 wurde der Großverband im Rahmen von „großen Pflichtwehrübungen“ um 6.000 Personen erweitert.

Am 27. Juni 1941 begann der Marsch der Division an die Front, und am 3. Juli 1941 traf sie in Mogiljow (Mogilew) ein. Am nächsten Tag rückten zwei Regimente zusammen mit Artillerie bis an die Linie des Flusses Dnjepr, nördlich von Mogiljow, vor, wo man begann, einen Befestigungsgürtel zu errichten. Am 13. und 14. Juli 1941 führte die Division erfolglose Angriffe auf Schklow (Schklou) durch, wurde eingekesselt und im Gebiet von Mogiljow zersprengt. Eingekesselt verteidigte das 394. Schützenregiment, in welchem Iwan diente, zusammen mit der 172. Schützendivision die Stadt Mogiljow.

Im Verlauf von drei Wochen kämpften in Mogiljow die 172. Schützendivision sowie andere Großverbände der 13. Armee und setzten mindestens vier Infanteriedivisionen des Feindes außer Gefecht. In der Nacht zum 27. Juli brachen die Reste der Division aus der Einkesselung aus; sie bewegten sich kämpfend durch das vom Feind besetzte Territorium und gelangten in das Gebiet von Smolensk. Während dieses Ausbruchs wurde Iwan Skladnew am 26. Juli 1941 von den Faschisten gefangen genommen.

Später gelang es ihm, Sinaida einen Brief aus dem Lager in der Nähe von Mogiljow zu übermitteln (wahrscheinlich dank der Hilfe von Ortsbewohnern). Iwan schrieb, dass er in Gefangenschaft geraten war und auf den Abtransport in ein Lager in der Nähe von Budapest warte. Ein Jahr später erfuhr Sinaida, dass ein Dorfgenosse nach Ulochowo zurückgekehrt war, der zusammen mit ihrem Mann im Lager gewesen war. Er erzählte, dass er zusammen mit Iwan aus der Gefangenschaft geflüchtet war.

Insgesamt hatten sieben Personen an der Flucht teilgenommen. Es gelang den Gefangenen, die Einzäunung zu überwinden, sie wurden aber bemerkt. Fünf der sieben Gefangenen waren imstande, sich der Verfolgung zu entziehen, Iwan aber hatte Pech: Der Dorfgenosse erzählte, er habe nur gesehen, wie Iwan gestürzt sei und von Polizisten mit Hunden aufgegriffen worden sei. Fünf geflohene Gefangene durchquerten halb Europa und kehrten in die Heimat zurück.

Weitere Angaben über Iwan Sergejewitsch Skladnew stützen sich auf Informationen, die man nach dem Krieg aus Deutschland und Österreich erhielt. Gemäß diesen Unterlagen wurde Iwan Skladnew ins Lager Stalag VI B gebracht, und am 20. Oktober 1941 mit der Kennzeichnung „Person mit Fehlverhalten“ ins Konzentrationslager Mauthausen überstellt (die Nummer des Konzentrationslagers war 8548, die Kriegsgefangenen-Nummer 34915).

Vom 17. Januar bis zum 28. März 1942 befand er sich wegen eines gebrochenen Arms im Krankenrevier. Laut den Einträgen des Konzentrationslagers starb Iwan Sergejewitsch Skladnew am 25. April 1942 um 4:20 Uhr morgens. Als Todesursache wurde „Ödem, Herzinsuffizienz“ angegeben – eine Formalität, denn den Tod verursachten die unmenschlichen Bedingungen im Konzentrationslager. Wahrscheinlich kam er im Hauptlager Mauthausen bei Bauarbeiten des sogenannten „Russenlagers“ bzw. „Sanitätslagers“ (links vom Eingang ins Schutzhaftlager) ums Leben. Heute befindet sich dort eine Stele zur Erinnerung an die Toten des „Russenlagers“.

Olena Zubova

Olena Zubova ist die Enkelin von Iwan Sergeewitsch Skladnew.

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