Józef Radzikowski 1896 - 1941

Geboren 24.3.1896 in Ostrołęka
Gestorben 1.4.1941 in Gusen

Biografie

Józef Radzikowski – geboren 1898 in Ostrołęka in eine durchschnittlich vermögende, katholische Familie örtlicher Unternehmer. Der Vater von Józef führte ein Restaurant, sein Großvater leitete eine mit Möbeln handelnde Firma und war Mitgründer der Feuerwehr in Ostrołęka.

Im Jahr 1920 nahm Józef am Polnisch-Sowjetischen Krieg teil, währenddessen er verwundet wurde. In den nachfolgenden Jahren hatte er seine Abiturprüfung abgelegt. In den Zwischenkriegsjahren führte er eine private Firma, welche Personen dabei unterstützte, Pensionen und Renten zu erhalten, welche aufgrund von behördlichen Vorgehensweisen oder fehlenden Sprachkenntnissen Schwierigkeiten hatten (Ostrołęka war ein Schmelztiegel vieler Sprachen: der polnischen, russischen, deutschen und jiddischen Sprache). Er heiratete Maria, geborene Merks, sie bekamen im Jahre 1932 die Tochter Anna. Er war ein bekannter und geschätzter Bürger in Ostrołęka. Er unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu den jüdischen Bewohnern von Ostrołęka (welche zu dieser Zeit rund 40 % der Stadtbewohner ausmachten). Józef und seine Familie hatten eine jüdische Familie als Nachbarn. Die Menschen waren ihm für seine Hilfe dankbar. Sogar nach dem Krieg besuchten sie Maria, um sich zu bedanken. Józef und Maria wurden im Geiste der Toleranz und des Respekts für den Menschen erzogen und gaben diese Werte an ihre Tochter weiter, welche sie den nachfolgenden Generationen vermittelte.

Seine Tochter erinnert sich an ihn als einen fröhlichen, witzigen, ruhigen und geselligen Menschen, der sich um sein Zuhause und Familie kümmerte: „Ich kann mich daran erinnern, wie mein Vater mit mir in einen Laden ging, wo er mir wunderschöne beigefarbene Halbschuhe mit Schleifen kaufte. Und ich kann mich auch daran erinnern: Als ich befürchtete, dass es zu Weihnachten weder eine Bescherung noch einen Weihnachtsbaum geben würde, weil ich nicht artig war, da hatte mein Vater mir heimlich – ohne dass meine Mutter etwas davon mitbekam – die versteckten unzähligen Geschenke und den Weihnachtsschmuck gezeigt.“

Gleich nach dem Ausbruch des Krieges engagierten sich Józef und seine Frau im Kampf gegen die Besatzer im Rahmen von Związek Walki Zbrojnej (Verband des Bewaffneten Kampfes, wurde am 14. Februar 1942 in Armia Krajowa (Polnische Heimatarmee) umbenannt). Er wurde allerdings sehr bald zusammen mit einer großen Gruppe örtlicher Intelligenz festgenommen.

Anna, seine Tochter, erinnert sich: „Das letzte Mal habe ich meinen Vater nach der Festnahme am Gefängnisfenster gesehen. Es war ein ebenerdiges Holzgebäude. Draußen standen die Wachleute mit Hunden und man konnte sich ihm weder nähern, noch mit ihm sprechen. Ich kann mich daran erinnern, wie er mir gewunken hat. Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe. Aus dem Konzentrationslager erhielten wir eine Postkarte, die uns informierte, dass der Vater aufgrund eines Herzleidens verstorben war, sowie einen Löffel und mit Blut befleckte Kleidung. Wir erhielten auch ein Paket mit Asche. Seine Frau Maria glaubte nicht, dass diese Asche tatsächlich von meinem Vater stammte und verweigerte die Annahme des Pakets. Sie setzte ihre Tätigkeit in der Untergrundbewegung fort und zusammen mit weiteren Verwandten half sie Juden, sich [vor den Deutschen] zu verstecken.“

Die Ehefrau und die Tochter von Józef überlebten den Krieg. Maria hat erneut geheiratet und verstarb im Jahr 1995. Anna heiratete und hat zwei Töchter Ula und Ania, den Enkel Łukasz sowie die Enkelin Daria. Łukasz änderte im Jahr 2003 seinen Nachnamen auf den Nachnamen seines Urgroßvaters, Radzikowski.

Łukasz Radzikowski, Urenkel

Position im Raum