Jan Bečka 1889 - 1942

Geboren 28.2.1889 in Karlín / Praha-Karlín
Gestorben 25.2.1942 in Mauthausen

Biografie

Jan Bečka wurde als mittleres von drei Kindern in die Familie eines Mittelschullehrers geboren; er war tschechischer Nationalität und meldete sich bei der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche (Církev československá husitská) an.

Die Mittelschulausbildung absolvierte er an einem Gymnasium in Praha, wo er im Jahre 1908 das Abitur ablegte. Anschließend setzte er seine Ausbildung mit einem Studium der Chemie, Physik und Mathematik an der FF der Tschechischen Universität Praha fort, wo er im Jahre 1912 promovierte. Bald darauf trat er als Reserveassistent in das chemische Institut in der Sektion Landwirtschaft der Tschechischen Technischen Hochschule Praha ein. Im Juli 1913 trat er als Privatassistent in das Hygieneinstitut der medizinischen Fakultät (LF) über, wo er bis zum Jahre 1919 tätig war und sich der Bakteriologie und der Serologie widmete. Im Jahre 1914 bekam er eine Approbation für die Lehre von Chemie, Physik und Mathematik an Realschulen. Gleichzeitig studierte er auch Medizin, deren Studium er mit der Erlangung des Doktorats (1918) erfolgreich abschloss. In den Sommern der Jahre 1917 und 1918 war er Mitglied der Salubris-Kommission in Albanien und von Mai bis Oktober 1919 war er als Militärbakteriologe und Militärhygieniker in Košice (Kassau) tätig. Nach seiner Rückkehr (1919) wurde er zum Adjunkt in der neu gegründeten Vysoká škola zvěrolékařská (Hochschule für Tiermedizin) in Brno (Brünn) ernannt, im gleichen Jahr wurde er mit der Gründung eines chemischen Instituts beauftragt, das er dann bis zum Jahre 1939 leitete. In Brno (Brünn) habilitierte er auch im Fach medizinische Chemie und Lebensmittelwesen (1920) bzw. wurde zum ordentlichen Professor ernannt (1926). In den Jahren 1927-1929 übte er das Amt des Rektors der Hochschule für Tiermedizin aus und wurde in der nächstfolgenden Periode deren Prorektor.

Der Umfang der wissenschaftlichen Interessen von Jan Bečka war ungewöhnlich breit. Im Mittelpunkt standen medizinische Chemie und verwandte Fächer. Am meisten widmete er sich der Serologie und der Hygiene, später mikroanalytischen Arbeiten. Neben einer Studie der Ausfällung von Blutserum und deren Refraktometrie widmete er sich lange Zeit dem mineralischen Metabolismus im Normalzustand und bei pathologischen Zuständen, konkret dem Metabolismus von Calcium, Phosphor und Magnesium. Er beschrieb die Aufgabe von Magnesium in synthetischen Prozessen, machte auf dessen Unentbehrlichkeit für den Metabolismus der Saccharide und Nukleinsäuren aufmerksam, studierte seinen Einfluss auf den Metabolismus von Mineralien, insbesondere jedoch Calcium. Der Schwerpunkt von Bečkas Arbeiten war insbesondere die pharmakologische Nutzung von Magnesiumverbindungen. Im Jahre 1926 z.B. entwickelte er das Arzneimittel „Polysan“, dessen Wirkungstheorie er im Jahre 1929 veröffentlichte. Er war Mitglied einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Gesellschaften wie z. B. der Societé Chimique, der Deutschen Chemischen Gesellschaft, der Tschechischen Chemischen Gesellschaft, der Mährischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, der Tschechischen Landwirtschaftsakademie, der Tschechischen dermatologischen Gesellschaft und anderer. In den Jahren 1924-1925 absolvierte er im Rahmen eines Stipendiums des Ministeriums für öffentliche Gesundheit und Körpererziehung einen Studienaufenthalt in den USA und Kanada zum Zwecke des Studiums der dortigen Insulinproduktion.

Nach der deutschen Okkupation Tschechiens verurteilte Bečka mehrere Male öffentlich die nazistische Willkür und Gewalt. Nach Schließung der tschechischen Hochschulen nahm er aktiv am Widerstand teil und zwar insbesondere in Zusammenarbeit mit weiteren Hochschulmitarbeitern (J. Podlaha, V. Krajina, V. Němec). Am 24. November 1941 wurde er durch die Brünner Gestapo verhaftet und im Kaunitz-Wohnheim (Kounicový kolej) inhaftiert. Bei einer Verhandlung des Standgerichts Brno (Brünn) am 10. Jänner 1942 wurde er „wegen des Verbrechens der Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit […] ebenso wie der Vorbereitung landesverräterischer Handlungen“ zur Übergabe an die Gestapo verurteilt, welche ihn in das Konzentrationslager Mauthausen abtransportieren ließ.

Jan Bečka starb am 25. Februar 1942 an den Folgen der brutalen Haftbedingungen (in der offiziellen Todesnachricht ist der 17. März 1942 angegeben), drei Tage vor seinem 53. Geburtstag.

An seinen Namen wird auf der Gedenktafel auf dem Gelände der PřF der MU Brno (Brünn), die dem Andenken an die zu Tode gefolterten Hochschullehrer gewidmete ist und auch im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen erinnert.

Michal V. Šimůnek

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