Josef Tvrdý 1877 - 1942

Geboren 19.9.1877 in Tuř
Gestorben 13.3.1942 in Mauthausen

Biografie

Von 1887-1896 besuchte er das Gymnasium in Jičín, wo er auch das Abitur mit Erfolg ablegte. Dann begann er Philosophie, klassische Philologie und Französisch an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität zu studieren. 1901 schloss er das Studium ab. Er gehörte u. a. zu den Schülern von T. G. Masaryk. Nach dem Studium arbeitete er von 1901-1914 als Gymnasiallehrer am tschechischen Gymnasium in Wischau/Vyškov. Während des I. Weltkrieges war er Offizier im medizinischen Dienst bei der schweren Artillerie. Nach dem Krieg war er Gymnasiallehrer am II. Staatlichen Gymnasium in Brünn. Doktor der Philosophie wurde er am 12. Oktober 1920 an der Karlsuniversität Prag und zwei Jahre später habilitierte er sich im Fach der systematischen Philosophie mit der Schrift Filozofie náboženství (Die Philosophie der Religion) an der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität Brünn. Am 1. Mai 1927 wurde Tvrdý zum außerordentlichen Professor der Philosophie an der Komenský-Universität in Bratislava/Pressburg ernannt und 1930 wurde er ordentlicher Professor an dieser Universität. Er war hier von 1925-1938 tätig und von 1932-1933 war er dort Dekan der Philosophischen Fakultät. Er hatte auch weiterhin Vorlesungen in Brünn und als im Herbst 1938 die meisten Professoren tschechischer Nationalität Bratislava verlassen mussten, war Josef Tvrdý ab 1. Januar 1939 Professor und Kodirektor des Philosophischen Seminars an der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität.

Professor Tvrdý war der Autor von etwa 50 wissenschaftlichen Arbeiten. Die meisten von ihnen betrafen noetische und logische Probleme, einige beschäftigten sich mit der Geschichte der Philosophie. Zu den bedeutendsten gehören: Problém skutečnosti u Davida Huma a jeho význam v dějinách filosofie (Das Problem der Realität bei David Hume und seine Bedeutung in der Geschichte der Philosophie) (1905), Úvod do filosofie (Einführung in die Philosophie) (1926), Teorie pravdy (Die Theorie der Wahrheit) (1929), Průvodce dějinami evropské filosofie (Führer durch die Geschichte der europäischen Philosophie) (1932), Masarykova filosofie (Die Philosophie von Masaryk) (1935) und Logika (Die Logik) (1937). Weiterhin war er Mitglied einer Reihe von Fachgesellschaften, vor allem der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste, der Königlichen böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, des Tschechoslowakischen nationalen Forschungsrates, der Šafařík-Gelehrtengesellschaft und des Philosophischen Bundes. Er nahm auch an philosophischen Weltkongressen in Oxford (1930), Prag (1934) und Paris (1938) teil.

Josef Tvrdý trat am 2. Juli 1908 mit Milada geb. Balcárková in den Ehestand. Die Ehe blieb kinderlos.

Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch das nazistische Deutschland und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren schaffte es Professor Tvrdý noch, die Schrift Nová renaissance (Die neue Renaissance) zu vollenden und er arbeitete an einem Buch über die englischen Philosophen. Gleichzeitig beteiligte er sich jedoch an Aktivitäten des Widerstands der Pädagogen der Masaryk-Universität. Im Dezember 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und in eine Zelle im Polizeigefängnis im Kaunitz-Kolleg in Brünn gepfercht. Von hier aus transportierten ihn die Nazisten in das Konzentrationslager Mauthausen und hielten ihn hier unter der Nr. 1218 im Block 15 „Stube“ B gefangen. Im Alter von fast 65 Jahren wurde er zur Zielscheibe eines grausamen Verhaltens ihm gegenüber und aller möglicher Schikanen durch die Aufseher. Er ertrug sie tapfer und sagte damals seinen Mitinsassen: „Es steht nicht alles in meiner Macht, Einiges liegt in der Macht von Mauthausen. Ich beherrsche meinen Körper nicht mehr ganz, obwohl ich den Willen dazu habe. Deswegen liegt Leben in mir, aber ich bin in dem Bewusstsein auch auf den Tod gefasst, dass ich ehrlich gekämpft habe. Aber sollte es das Schicksal so wollen, dass ich sterbe, dann nur mit dem Wissen, dass das Vaterland und die Menschheit frei sein werden.“ Professor Tvrdý erlag den Qualen des Gefängnisses am 13. März 1942 in Mauthausen. Heute trägt eine Straße in Brünn im Stadtteil Staré Brno – Stránice seinen Namen.

 

Vladimír Černý

Vladimír Černý, geb. 1975 in Svitavy, studierte Geschichte und Politologie an der Masaryk-Universität in Brno. Gegenwärtig unterrichtet er extern am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und europäische Studien an der Fakultät für soziale Studien und am Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität.

 

Quellen:

Archiv der Masaryk-Universität, Fond A 2 persönliche Akten der Philosophischen Fakultät, Karton 17/4, persönliche Akte von Josef Tvrdý.

Literatur:

František X. Halas: Nacistická perzekuce na brněnské univerzitě v letech 1939-1945. (Die nazistische Verfolgung an der Universität Brünn 1939-1945). In: Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity. C, Řada historická. Jg. 1978-1979, Nr. C 25-26, S. 41-70.

Autorenkollektiv: Dějiny univerzity v Brně (Die Geschichte der Universität Brünn). Brno 1969.

Position im Raum