Vicente Martí López 1911 - 1941

Geboren 18.7.1911 in Burriana
Gestorben 29.11.1941 in Gusen

Biografie

Vicente Ramón Martí López wurde am 18. Juli 1911 geboren, jedoch erst am 19. beim Personenstandsregister angemeldet. Seine Eltern waren Ramón Martí Fuster und Carmen López Veral, wohnhaft in Les Alqueries del Millars, Borriana. Er hatte drei jüngere Geschwister namens Bautista, Josefina und Carmen. Am 5. August 1936 heiratete er standesamtlich Dolores Llopis Traver, und gemeinsam zogen sie in die Calle de Santa Elena Nr. 13 in Borriana. Er war von Beruf Landwirt.

Vicente Ramón Martí López wurde bei der Ebro-Schlacht verwundet und nach Barcelona evakuiert. Als sich die aufständischen Truppen näherten, wurde er im Februar 1939 bis zur französischen Grenze gebracht. Dank der von der Familie Martí Valls erhaltenen Briefe kann fast sein gesamter Aufenthalt in Frankreich nachverfolgt werden. Zwischen dem 8. Mai 1939 und dem 2. Juni 1940 schrieb er insgesamt elf Briefe, einen an seine Tante Josefa María, Jomarieta, die anderen zehn an seinen Bruder Bautista, Batiste. Ein paar Briefe Batistes wurden an den Absender zurückgeschickt, da der Empfänger nicht auffindbar war, und in einem weiteren unvollständigen Brief (Entwurf), in dem Batiste bat, seinen Bruder abholen zu können, erzählt er von sich und den familiären Umständen im Wissen, dass die Deutschen Vicente gefangengenommen haben und seitdem keine weitere Nachricht von ihm erhalten wurde.

Zunächst wurden seine schweren Verletzungen im Flüchtlingshospital in der Rue Saint-Sébastien Nr. 66 im 3. Stock, Saal 15, in Marseille behandelt. Danach wurde er ins Aufnahmelager für spanische Flüchtlinge und weiter ins Krankenhaus Ancenis in der Region Loire gebracht. Von dort ging es weiter ins Château La Roche de Beaulieu in der Region Nouvelle-Aquitaine. Obwohl seine Wunden noch nicht geheilt waren, wurde er ins Flüchtlingslager Saint-Cyprien in die Straße G, Baracke 25, Kompanie 52, gebracht. Am 24. September 1939 kam er nach Argelès-sur-Mer ins Lager Nr. 3, Baracke 370, wo er bis zum 9. März 1940 blieb, als er in die 1. Sektion überstellt wurde. Von Argelès kam er nach Chalvignac im Arrondissement Mauriac im Département Cantal. Ab Mai 1940 erhielt die Familie keine Briefe von Vicente Ramón mehr.

In den Briefen ist zu lesen, wie er versucht, seinem Bruder Batiste die Sorgen wegen seiner Wunden zu nehmen. Auf Bestehen seines Bruders berichtet er aber schließlich, dass er ein Bein nicht mehr gebrauchen könne und, ohne auf nähere Details einzugehen, Knochenteile vom Fuß und vom Bein amputiert worden waren. In einem Anflug von Niedergeschlagenheit gibt er zu, dass er nutzlos sei und, anstatt nach Spanien zurückzukehren und zu betteln, er lieber dort bleibe, wo er ist. Trotz der sich zuspitzenden dramatischen Lage entbehrt sein Brief nicht einer gewissen Komik, um die gespannte Stimmung zu lösen: Er erzählt Witze und spielt die Umstände herunter, indem er berichtet, es gehe ihm blendend, als ob er auf Sommerfrische wäre, oder auch, dass sein Bruder ihn nicht erkennen würde, denn sei er früher schon hässlich gewesen, sei er es nun umso mehr.

Nach seiner Gefangennahme durch die Truppen der Wehrmacht wurde er vom Frontstalag 150 in Auxerre ins Stalag III-C (Drzewice bei Kostrzyn) mit der Nummer 11627 gebracht. Dieses Lager befand sich etwa 100 Kilometer östlich von Berlin bei Kostrzyn (damals Preußen, heute Polen) und wurde seit 1938 als Häftlingslager unter schwerer Missachtung der Genfer Konvention von 1929 benutzt.

Er wurde von Frankfurt nach Mauthausen deportiert, wo er am 5. August 1941 mit der Häftlingsnummer 3627 eingetragen wurde. Nach knapp eineinhalb Monaten im Hauptlager wurde seine Überstellung am 20. Oktober 1941 nach Gusen gemeinsam mit Manuel Batalla Paúl aus Borriana, Vicente Catalá aus Moncofa, José Ballester aus Eslida und Joaquín Dobón aus Onda angeordnet. Dort bekam er die Häftlingsnummer 14049 zugewiesen.

Jacinto Carrió Villaseca wurde am selben Tag wie Vicente Ramón Martí, am 20. Oktober 1941, nach Gusen gebracht. In seinen Memoiren berichtete er:

„Wir waren etwa tausend Mann. Wir wurden zum Appell berufen, ohne Mütze, kurz vor Aufbruch zu unserem neuen Bestimmungsort. Das Lager Gusen lag 3 Kilometer von Mauthausen entfernt, am linken Donauufer bei Sankt Georgen. Dort angekommen passierten wir das Tor. Ein elektrischer Maschendrahtzaun umgab das ganze Lager. Zweiunddreißig Baracken aus dunklem Holz reihten sich zu beiden Seiten einer langen Straße aneinander. Die Größe dieses Lagers übertraf bei Weitem jene von Mauthausen, ebenso dessen Verfall. Umso schlimmer waren die Lebens-, Hygiene- und Gesundheitsbedingungen.

Einige Funktionshäftlinge brachten Tische. Dort setzten sich ein paar Schreiber hin, um uns einzutragen. Sie vermerkten unsere Namen und gaben jedem von uns eine Nummer. Am Tag nach unserer Ankunft wurden wir mit Schlägen aufgeweckt. Es gab nur 40 Wasserhähne und 5 Aborte für zwei Baracken.

Ein Häftling, der schon länger im Lager war, empfahl uns:

‚Sucht euch einen guten Kapo aus und arbeitet außerhalb. Die, die drinnen bleiben, unterstehen dem Zigeuner.‘

‚Wer ist der Zigeuner?‘

‚Chmielewski, ein karger, widerlicher Deutscher polnischer Herkunft, der jeden kaputtmacht, der ihm unterkommt. Die Polen wollen uns nur liquidieren.‘“

Als er in Gusen ankam, war er wohl schwerkrank, denn kurz danach verstarb er am 29. November 1941 um 5:20 Uhr an Kreislaufstörung und Körperverfall. Er war 30 Jahre alt. Die Todesbenachrichtigung wurde 1950 von Frankreich an seine Witwe Dolores Llopis Traver in die Calle de San Andrés Nr. 14 in Borriana geschickt.

 

Lara Cardona Fernández

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