Juan Ramírez Fernández 1914 - 1942

Geboren 29.2.1914 in Villafranca de Córdoba
Gestorben 12.1.1942 in Gusen

Biografie

Isabel Ramírez (1937) ist die Tochter von Juan Ramírez Fernández, dem einzigen deportierten Einwohner von Villafranca, der im Register des spanischen Kulturministeriums als Todesopfer der Konzentrationslager der Nazis erscheint. Isabel ist heute 75 Jahre alt und lebt in Lleida. Sie wurde in Villanueva de Córdoba geboren und wuchs in Villafranca auf. Die einzige Erinnerung an ihren Vater ist mit ihrer Großmutter mütterlicherseits verbunden: „Sie setzte mich immer vor das Fenster und sagte mir, dass eines Nachts mein Vater anklopfen würde, um mich zu besuchen.“ Doch dies geschah nie. Ihre Großmutter Pilar wartete ihr ganzes Leben lang auf ihn. Anhand der Unterlagen weiß sie, dass sie starb, als er noch am Leben war. „Mein Vater war Karabinier und ging bei Kriegsausbruch an die Front“, erzählt sie aufgrund der verschiedenen Geschichten, die man ihr erzählt hatte. „Am Ende ging er nach Frankreich, und dort nahmen ihn die Deutschen gefangen und brachten ihn in ein Konzentrationslager.“ Sie berichtet, dass ihre Mutter wortkarg war und ihr nie von Juan erzählte, weshalb sie ihr halbes Leben ohne Antworten auf die unzähligen Ungewissheiten über ihren Vater verbrachte. „Das Thema war tabu. Meine Mutter heiratete nach dem Krieg einen anderen Mann und hatte zwei weitere Töchter. Ich wuchs mit meinen Großmüttern auf.“ Nach mehreren Jahren erfuhr sie anhand des Gedenkbuchs der Deportation [1], das 2004 in Frankreich veröffentlicht wurde, dass ihr am 29. Februar 1914[2] geborener Vater am 12. Jänner 1942 in Gusen starb, einem Vernichtungslager, das als Zweiglager von Mauthausen fungierte, wo an die 40.000 Menschen umkamen, und das als Lager ohne Rückkehr galt. Wer dorthin geschickt wurde, war dem Tod bestimmt. Isabel, die noch eine kleine Postkarte aufbewahrt, die ihr Vater ihr aus Deutschland geschrieben hatte und ihre Mutter ihr kurz vor ihrem Tod gab, erhält seit einigen Jahren eine Entschädigung der französischen Regierung, die sie mithilfe von Pilar Pardo beantragte. Sie ist seit 30 Jahren verwitwet und hat vier Kinder. Ihr Leben war nicht einfach, und sie ist für die späte Entschädigung dankbar. „Niemals dachte ich, dass mein Vater so weit weg gestorben wäre. Alle kannten die Geschichte, doch niemand erzählte sie mir jemals.“

 

Quelle:

Diario Córdoba: La misma historia, distintos nombres (2014)

 

Anmerkungen:

[1] Livre-Mémorial des déportés de France arrêtés par mesure de répression et dans certains cas par mesure de persécution 1940–1945

[2] 1914 war kein Schaltjahr, jedoch ist Juan Ramírez Fernández’ Geburtstag in allen vorliegenden Dokumenten mit 29. Februar datiert.

Position im Raum