Franciszek Pawela 1900 - 1942
Geboren 14.2.1900 in Wielowieś
Gestorben 24.7.1942 in Gusen
Biografie
FRANCISZEK PAWELA, Sohn von Jan (Gutshofbesitzer) und Józefa (geborene Zamiara), wurde am 14. Februar 1900 in Szemborów im Landkreis Września [Wreschen] geboren. Er besuchte das Gymnasium in Jarocin [Jarotschin] und Poznań [Posen]. Seine Matura legte er 1918 in Wrocław [Breslau] ab. Bald darauf, am 23. Juni 1917, wurde er in die deutsche Armee eingezogen. Er wurde zur Luftwaffendivision in Grudziądz [Graudenz] und anschließend an die Kadettenschule für Reserveoffiziere in Toruń [Thorn] geschickt.
Mitte November 1918 schloss er sich der militärischen Untergrundbewegung in Jarocin an. Im Rang eines Unteroffiziers trat er am 17. November in die geheime Landkreisgendarmerie ein. Nach dem Ausbruch des Aufstandes kämpfte er bis zum 22. Januar 1919 in den Reihen des Jarocin-Bataillons, unter anderem in Zbąszyń [Bentschen] (2.-17. Januar 1919). Ab dem 23. Januar 1919 wurde er dem 1. Großpolnischen Schützenregiment als Zugführer der 5. Kompanie zugeteilt. Im Februar wurde er zum Stabsfeldwebel ernannt, und am 30. März wurde er zum Fähnrich und Adjutanten des 3. Bataillons befördert. Am 5. Mai 1919 wurde er durch den Erlass Nr. 69 vom Naczelna Rada Ludowa [Oberster Volksrat] zum Unterleutnant ernannt und kämpfte vom 19. März bis zum 9. Juni 1919 mit seinem Regiment in der Gruppe Großpolen von Konarzewski bei Lwiw [Lwów, Lemberg] gegen die Ukrainer. Er nahm auch freiwillig am Ersten Schlesischen Aufstand teil und befehligte eine Kompanie. Am 1. Januar 1920 kehrte er zum 55. Infanterieregiment zurück, wo er den Posten eines Wirtschaftsoffiziers übernahm. Während der militärischen Operationen gegen die Bolschewiki übernahm er am 12. April 1920 das Kommando über die 10. Kompanie. Am 20. Juli 1920 wurde er als Ordonnanzoffizier in den Regimentsstab versetzt und ab dem 1. Oktober befehligte er die 3. Maschinengewehr-Kompanie.
Für [seinen Einsatz im] Polnisch-Sowjetischen Krieg [1] wurde er mit dem Krzyż Walecznych [Tapferkeitskreuz] (Nr. 9 - 607) ausgezeichnet. Ab dem 7. Januar 1921 war er Adjutant des 2. Bataillons des 55. Infanterieregiments. Ab dem 13. Mai 1921 nahm er als Freiwilliger am Zweiten Schlesischen Aufstand teil, und ab dem 1. Juni wurde er Adjutant der Untergruppe III im 7. Infanterieregiment der Nordgruppe. Am 6. August 1921 kehrte er zu seinem Stammregiment zurück und übernahm das Kommando über die 4. Kompanie. Im Jahr 1922 wurde er in die Reserve versetzt. Im Jahr 1926 wurde er wieder in den aktiven Dienst einberufen und zum Oberleutnant befördert. Nach dem Mai-Putsch von 1926 wurde er in die Reserve versetzt, wo er dem 2. Legionen-Infanterieregiment (1930), dann dem 64. Infanterieregiment (1931) und ab 1934 dem Stab der 7. Tross-Division zugeteilt wurde. Durch das Zentrale Militärarchiv (CAW) wurde seine Teilnahme am Aufstand in Großpolen bestätigt. Er ließ sich in Siedlemin bei Jarocin auf einem kleinen Landgut nieder. Er engagierte sich aktiv in der Związek Oficerów Rezerwy [Vereinigung der Reserveoffiziere] und im Federacja Polskich Obrońców Ojczyzny [Verband der polnischen Vaterlandsverteidiger]. Im Jahr 1935 absolvierte er erneut eine militärische Ausbildung im Tross-Dienst.
Im Jahr 1938 wurde ein Antrag auf Verleihung des Unabhängigkeitskreuzes oder der Unabhängigkeitsmedaille abgelehnt; damals lebte er in Poznań [Posen] in der Ulica Jackowskiego 36 und arbeitete als Kaufmann. Seit 1938 war er in den Militärdiensten sowie in der von Wincenty Wierzejewski gegründeten Diversions [2] [Organisation] außerhalb der Front tätig. Zu diesem Zeitpunkt verfügte sie über das Społeczna Sieć Informatorów [Gemeinschaftliches Informantennetzwerk]. Er war der offizielle Berater von Wierzejewski.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er für den Tross-Dienst der 14. Infanteriedivision mobilisiert. Er kämpfte an der Bzura, von wo aus er nach der Zerschlagung der Tross-Einheit durch die Deutschen nach Warschau ging, um bei der Verteidigung der Stadt zu kämpfen. Unmittelbar nach der Kapitulation nahm er Kontakt mit dem Służba Zwycięstwu Polsce [Dienst zum Sieg Polens] auf. Er wurde dem Befehlshaber der Ersten Organisationsabteilung, Oberst A. Sanojca, zugeteilt.
Pawela wurde dem Hauptkommando unterstellt und lebte mit seiner Frau Maria (geborene Schuttelsberg) und den Kindern Krystyna und Maciej in Warszawa [Warschau]. Am 30. September 1939 traf er in Poznań [Posen] und Jarocin [Jarotschin] ein und organisierte die Evakuierung einiger Gutsbesitzer nach Warszawa [Warschau]. Gleichzeitig richtete er Zellen der Tajna Organizacja Wojskowa [Geheime Militärorganisation] in Jarocin und Ostrów Wielkopolski [Ostrowo] ein. Er wurde zum Verbindungsoffizier von Oberst Stefan Rowecki ernannt und am 24. Dezember 1939 erneut nach Poznań abkommandiert. Dort begann er die Zusammenarbeit mit Major Stefan Lukowicz, dem Bevollmächtigten für Großpolen der militärischen Exil-Organisation Korporacja Braterstwa Czołem Sikorski [3](CS). Er vereidigte Dr. Günther Rolbiecki, wodurch der Grundstein zum Entstehen der Sabotagestelle des SZP (Służba Zwycięstwu Polsce [Dienst zum Sieg Polens]) in Poznań gelegt wurde. Gemeinsam mit Lukowicz baute er die Strukturen des SZP [Dienst zum Sieg Polens] auf. Er brachte die Tajna Polska Organizacja Wojskowa [Geheime Polnische Militärorganisation] von Marian Winiewicz mit dem SZP zusammen. Er knüpfte Kontakte zu Posener Offizieren der 14. Infanteriedivision. Er vereidigte einen der aktivsten Geheimdienstler, den Oberleutnant Czesław Surma. Er war insbesondere an der Entwicklung der Związek Odwetu [Union der Vergeltung] beteiligt.
Dank der deutschen Originaldokumente eines SS-Offiziers, die er ergattern konnte, trat er als Deutscher unter dem Namen Urban Kahl auf. Ab Dezember 1939 unternahm er nachrichtendienstliche Reisen ins Reich, oft in der Uniform eines SS-Offiziers, zusammen mit der Schlesierin Zofia Gapińska alias Ekka Weber. In Berlin, Hamburg und Bremen (29. Dezember 1939 - 6. Januar 1940) baute er Zellen der Związek Odwetu [Union der Vergeltung] auf und führte nachrichtendienstliche Tätigkeiten durch, unter anderem über [potenzielle] Ziele für die alliierten Bomberluftstreitkräfte. Dort knüpfte er Kontakte zu deutschen Stabsoffizieren. Auf seinen Reisen war er oft in Poznań, wo er die Aktivitäten des Związek Walki Zbrojnej [Bewaffneter Kampfverband] aufbaute. Er stand in Kontakt mit Marian Winiewicz, einem Offizier der Tajna Organizacja Konspiracyjna [Geheime Konspirationsorganisation] und dem Gründer der Tajna Polska Organizacja Wojskowa [Geheime polnische Militärorganisation], die Todesurteile an Kollaborateuren und Gestapo-Agenten, darunter Antoni Stempniewski, vollstreckte.
Im Frühjahr 1940 beteiligte er sich am Aufbau der Bezirkskommandos des Związek Walki Zbrojnej [Bewaffneter Kampfverband] in Großpolen und Pommern, vor allem in Bydgoszcz [Bromberg]. Pawela hatte den größten Anteil an der Enttarnung des Gestapo-Agenten Zenon Ciemniejewski, einer der gefährlichsten Agenten, der die Zerschlagung zahlreicher konspirativer Organisationen in Großpolen, darunter auch in Kościan [Kosten], auf dem Gewissen hatte. Er begleitete den Kommandanten vom Związek Walki Zbrojnej [Bewaffneter Kampfverband] Rudolf Ostrihański alias Paul Schultz aus Warschau heraus, welcher dann von ihm in Poznań [Posen] eingesetzt wurde. Ostrihański übernahm das Kommando über die Wielkopolskie Kierownictwo Związku Odwetu [Großpolnische Leitung der Union der Vergeltung] und leitete später die Vereinigung zwischen dem Związek Walki Zbrojnej [Bewaffneter Kampfverband] und der Armia Krajowa [polnische Heimatarmee].
Pawela gelang es, die geheimsten deutschen Dienste zu infiltrieren. Er wurde im Związek Walki Zbrojnej [Bewaffneter Kampfverband] in den Rang eines Majors befördert. Seine Enttarnung erfolgte im Oktober 1941 in einem deutschen Offizierskasino. Verhaftet, brutal verhört und gefoltert (er verlor ein Auge), gestand er nichts. Von der Szucha-Allee wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert, wo ihm die Gefangenennummer 30937 (oder 31226?) zugeteilt wurde, und später wurde er in das Konzentrationslager Mauthausen verlegt. In einem Prozess wurde er zum Tode verurteilt und dieses Hinrichtungsurteil wurde am 24. Juli 1942 vollstreckt.
Posthum wurde er vom Państwo Podziemne [Untergrundstaat] mit dem Krzyż Walecznych [Tapferkeitskreuz] ausgezeichnet und zum Hauptmann befördert. Er benutzte die Decknamen „Jarociński“, „Nowakowski“, „Schultz“, „Kahl“, „Urban“.
Sein Name wurde im Raum der Namen des Museums des Konzentrationslagers Mauthausen verewigt. Einige Quellen und Studien geben eine falsche Schreibweise seines Nachnamens an - Pawella.
Paweł Balcer,
Autor der Biografie über das 55. Posener Infanterieregiment, In Memoriam
[1] Anm. d. Übers.: im Original: Krieg gegen die Bolschewiki
[2] Anm. d. Übers.: kann auch Sabotage, Ablenkungsangriff bedeuten
[3] Anm. d. Übers.: in etwa: Bruderschaftszusammenschluss unter dem Befehl von Sikorski
Position im Raum

