Richard Lange 1903 - 1942
Geboren 7.5.1903 in Hannover
Gestorben 1.9.1942 in Gusen
Biografie
Richard Lange wurde am 7. Mai 1903 in Hannover geboren. Von Beruf war er Elektriker. Im späteren Urteil wurde ihm vorgeworfen, er habe 1932 bis 1938 ein „homosexuelles Verhältnis“ – also eine längere Freundschaft – zum sechs Jahre jüngeren Ernst Henne gehabt. Aus einem gemeinsamen Transport zu einem Prozess geht hervor, dass es sich um einen kleinen schwulen Bekanntenkreis gehandelt haben muss, zu dem auch Ernst Schünemann gehörte.
Im Oktober 1938 wurde er im Gerichtsgefängnis Hannover seiner Freiheit beraubt und im Februar 1939 vom Landgericht Hannover wegen zahlreicher Verstöße gegen den § 175 Strafgesetzbuch zu drastischen zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Seine Strafe verbüßte er ab März 1939 in Hameln. Einen Monat vor dem Ende seiner Strafe starb dort sein Bekannter Ernst Schünemann.[1] Im März 1941 schrieb die Staatliche Kriminalpolizei, Kriminalpolizeileitstelle Hannover, heute Polizeidirektion Hannover, an das Zuchthaus: „Gegen L. beabsichtige ich im Anschluss an die Strafverbüßung die polizeiliche Vorbeugungshaft anzuordnen.“ Richard Lange wurde im gleichen Monat der Polizei übergeben und in einem Sammeltransport in das Polizeigefängnis Hannover transportiert.
Er kam in das des KZ Mauthausen, das der NS-Staat als einziges KZ der „Stufe III“ für „kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge“ errichtet hatte. Am 1. September 1942 starb Richard Lange um 7.50 Uhr im Außenlager Gusen des KZ Mauthausen im Alter von 39 Jahren. Die angebliche Todesursache war Anämie, also Blutarmut.
Am 3. März 2009 wurde ihm in Hannover ein Stolperstein gesetzt.
Sein Freund Ernst Henne wurde 1943 für tot erklärt; kurz zuvor war er an der Front in Russland als vermisst gemeldet worden.
Rainer Hoffschildt
Rainer Hoffschildt wurde 1948 in Mecklenburg geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete bis zur Pensionierung als Berater in einer Sozialbehörde in Hannover. 1980 begann er mit der Errichtung des Schwullesbischen Archivs Hannover. Publikationen, u. a.: Olivia. Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover (1992)
Quellen:
Niedersächsisches Landesarchiv, Hauptstaatsarchiv Hannover, Hann. 86 Hameln Acc. 143/90 Nr. 38/0217. Ich danke Bernhard Gelderblom, Hameln, und Mario Keller-Holte für zusätzliche Informationen. Meldekarte im Stadtarchiv Hannover. Sterbeurkunde, Internationaler Suchdienst, Bad Arolsen.
[1] Ihm wurde ein Stolperstein am 13.11.2008 in Hannover gesetzt.
Position im Raum

