Miroslav Křivý 1896 - 1942

Geboren 23.1.1896 in Nová Říše
Gestorben 23.4.1942 in Mauthausen

Biografie

Er stammte aus der Familie eines Arztes und diese Tatsache bestimmte seine Laufbahn von vornherein. Nach Absolvierung des I. tschechischen Staatlichen Gymnasiums in Brünn studierte er an der Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität und am 24. April 1920 erlangte er hier das Doktorat für Medizin. Nach einer kurzen Tätigkeit in Prag ging er im folgenden Jahr nach Bratislava/Pressburg an die neu gegründete Komenský-Universität, wo er eine Reihe von Jahren tätig war. Zunächst als klinischer Assistenzarzt und danach als Assistent an der neuropsychiatrischen Klinik von Professor Zdeněk Mysliveček (1881-1974). 1924-1925 war Křivý Stipendiat in Paris an der Charcot-Klinik und bei Professor Georges Bourguignon (1876-1963) im Elektrophysiologischen Laboratorium in der Klinik Salpetrière. Im Januar 1929 habilitierte er sich in Bratislava in den Fächern Neurologie und Psychiatrie mit der Schrift Fyziologie a patologie spánku (Physiologie und Pathologie des Schlafes). Im folgenden Jahr rückte er an die Spitze der Bratislavaer neurologisch-psychiatrischen Klinik und nach seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor am 28. Februar 1933 wurde er ihr Leiter. Zum ordentlichen Professor der Bratislavaer Universität wurde Křivý 1936 ernannt. Nach Brünn kehrte er erst 1937 zurück, als er am 1. März an der Medizinischen Fakultät der Masaryk-Universität die hiesige neurologisch-psychiatrische Klinik als ordentlicher Professor übernahm. Im akademischen Jahr 1938-1939 hatte er die Funktion des Dekans inne. Er ist Autor von 45 Arbeiten, die sich vor allem mit Neurologie und Psychiatrie beschäftigen. Neben seiner akademischen Tätigkeit trat er oft als gerichtlicher Sachverständiger im Fach Psychiatrie auf und verfasste eine erhebliche Menge psychiatrischer Gerichtsgutachten. Weiterhin war er Vorsitzender des Vereins der mährisch-schlesischen Institutspsychiater und klinischen Psychiater, Mitglied des Präsidiums und Vorsitzender der Sektion für psychisch gestörte Jugend bei den Landesjugendfürsorgeeinrichtungen in Bratislava und Brünn, Mitglied des Verbandes für Psychohygiene und der Šafařík-Gelehrtengesellschaft in der Slowakei.

Miroslav Křivý heiratete im September 1937 Vlasta geb. Prachařová. Die Ehe war kinderlos, aber aus erster Ehe hatte Vlasta Křivá die Tochter Eva, die den Nachnamen Mikušová-Křivá annahm.

Nach der Schließung der tschechischen Hochschulen durch die Nazisten reihte sich Professor Křivý in den Widerstand der Hochschulangestellten der Masaryk-Universität ein. Obwohl er schwer krank war, verhaftete ihn die Brünner Gestapo am 16. Dezember 1941 und sperrte ihn danach im Polizeigefängnis im Kaunitz-Kolleg ein. Bereits in dieser Zeit zeigten sich bei ihm die Symptome von einem Zwölffingerdarmgeschwür. Am 3. Februar 1942 wurde er nach Mauthausen abtransportiert. Die schwere Arbeit im Steinbruch, Hunger und Kälte verschlechterten seinen Gesundheitszustand weiter und zur allgemeinen Schwäche kam noch Avitaminose und Dysenterie hinzu. An einem Unterschenkel von Professor Křivý erschien noch dazu eine Phlegmone, was der Anfang eines tragischen Endes war. Seine Ehefrau Vlasta erhielt zwar schließlich von den nazistischen Ämtern eine Bewilligung zur Operation, aber sie kam schon zu spät. Miroslav Křivý starb mit seinen 46 Jahren am 23. April 1942. Heute trägt eine Straße im Brünner Stadtteil Královo Pole seinen Namen.

 

Vladimír Černý

 

Vladimír Černý, geb. 1975 in Svitavy, studierte Geschichte und Politologie an der Masaryk-Universität in Brno. Gegenwärtig unterrichtet er extern am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und europäische Studien an der Fakultät für soziale Studien und am Institut für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität.

 

Quellen:

Archiv der Masaryk-Universität Brünn, Fond A1, Rektorat der Masaryk-Universität, Karton 305/16, persönliche Akte von Miroslav Křivý.

Literatur:

Milan Bouchal: Prof. MUDr. Miroslav Křivý – padesáté výročí smrti (Prof. Dr. med. Miroslav Křivý – 50. Todestag). In: Universitas. Revue Masarykovy univerzity v Brně, 1992, Nr. 2, S. 43.

Zdeněk Štěpánek: Moravští lékaři a Mauthausen. (Mährische Ärzte und Mauthausen.) In: Universitas. Revue Masarykovy univerzity v Brně, 1992, Nr. 6, S. 35-40.

Position im Raum