Emil Baum 1904 - 1940
Geboren 3.5.1904 in Großbockenheim
Gestorben 11.1.1940 in Mauthausen
Biografie
Emil Baum wurde am 3. Mai 1904 als Sohn von Katharina und Heinrich Baum im pfälzischen Winzerdorf Großbockenheim geboren, am 22. Mai in der evangelischen Kirche Großbockenheim getauft.
Über seine Jugend ist nicht sehr viel bekannt. Er ist vermutlich das jüngste Kind des Ehepaares und verlor mit gerade einmal sechs Jahren die Mutter. Als Beruf hatte er die Tätigkeit des Schweizers (Melkers) erlernt und die ersten Jahre über ausgeübt.
In den Jahren 1930 bis 1932 war er obdachlos und arbeitssuchend. Auszüge aus seinem Wanderbuch geben Hinweise darauf, dass er sich überwiegend in den Gebieten der Vorderpfalz, jedoch auch in Stuttgart, Frankfurt am Main, Landstuhl, Ludwigshafen und sogar in Halle aufhielt und stetig erfolglos nach Arbeit nachfragte.
Es muss im Laufe des Jahre 1931 gewesen sein, als er seine spätere Ehefrau Ella Schanne aus Landstuhl kennenlernte. Die katholische Ella, Tochter eines ortsansässigen, selbstständigen Schuhmachermeisters, wurde ungewollt schwanger. Ellas Vater war nicht begeistert über diese Schwangerschaft und schickte seine Tochter nach Heidelberg in ein von Nonnen geführtes Geburtshaus. Am 1. Juli 1932 erblickte das gemeinsame Kind, „Hildegard“, das Licht der Welt. Wo Emil Baum zur Zeit der Niederkunft war, kann nicht genau gesagt werden.
Am 14. September 1932 heirateten Ella Schanne und Emil Baum in Frankenthal/Pfalz, wo sie noch einige Zeit zusammen lebten. 1933 zogen sie in Ellas Heimat nach Landstuhl.
Finanziell ging es der Familie nicht gut. Emil verübte Diebstähle – in der Gestapo-Akte ist von mehreren schweren Diebstählen die Rede. In welchem Umfang bzw. auf welche Art diese Diebstähle verübt wurden, konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht recherchiert werden.
Er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und saß ab dem 4. Februar 1936 im Zuchthaus Bruchsal ein. Am 25. Januar 1937 wurde er in das Strafgefangenlager I Börgermoor (Ems) überstellt, wo er am 7. Juni 1937 in das Strafgefangenlager III Brual-Rhede verlegt wurde. Nach zwei Jahren und drei Monaten Haft wurde er am 4. Mai 1938 aus der Haft entlassen und kehrte zu Frau und Tochter nach Landstuhl zurück.
Eine Arbeit als Bauhelfer war schnell gefunden. Er arbeitete am Kasernen-Neubau in Landstuhl und erhielt dafür einen Wochenlohn von 20 bis 25 Reichsmark.
Vermutlich war es der 19. Juni 1938, an dem Emil Baum von der Staatspolizei verhaftet wurde und man ihn zur Polizeidirektion Kaiserslautern brachte. In einer Postkarte an seine Ehefrau (mit Datum 19. Juni 1938) bittet Emil darum, dass man ihm Kleidung bringen möge. Er wisse nicht, wie lange er dort bleiben müsse und kenne den Grund seiner Verhaftung nicht. Aus der Gestapo-Akte geht jedoch hervor, dass er aufgrund eines Erlasses des Reichspolizeiamtes Berlin vom 1. Juni 1938 "RKPA. 60 01/295. 38 – Aktion gegen Asoziale", im Juni 1938 mit weiteren Personen aus dem näheren Umkreis festgenommen wurde.
Die Deportation ins Konzentrationslager Dachau erfolgte am 28. Juni 1938. Emil Baum trug die Häftlingsnummer 17879 und wurde unter der Kategorie "Arbeitszwang Reich – A.Z.R. – Vorbeugungshäftling" geführt. Das Leben in Dachau war durch ständigen Terror bestimmt, welchen die SS an den Häftlingen in Form von Übergriffen und Unterwerfung ausübte. Der Alltag war neben der harten Arbeit (von Morgengrauen bis in die Dunkelheit) durch lückenlose Kontrolle und Reglementierung bestimmt. Emil Baum war zuerst im Wohnblock 25/4 untergebracht, später in den Blöcken 27/1 und 17/4.
Am 21. März 1939 wurde er mit ca. 700 anderen Häftlingen ins Konzentrationslager Mauthausen überstellt. Mauthausen, welches sich zum damaligen Zeitpunkt in der Errichtungsphase befand (Baubeginn August 1938), erhielt als einziges Konzentrationslager die Lagerstufe III. Es war die schlechteste Kategorie und wurde errichtet, um „schwerbelastete, unverbesserliche und auch gleichzeitig kriminell Vorbestrafte und Asoziale – kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge“ aufzunehmen und sie durch harte Zwangsarbeit u. a. im Steinbruch in den Tod zu führen. Häftlingen wurde neben brutalen Bestrafungen auch mit Aussagen wie „Hier gibt es nur Lebende, die arbeiten, oder Tote. Die Kranken müssen sterben!“ bis zum Äußeresten terrorisiert.
Emil Baum wurde unter Häftlingsnummer 1158 geführt und wurde vermutlich, wegen seiner beruflichen Vorkenntnissen als Hilfsarbeiter im Beriech Hoch-/Tiefbau, im Steinbruch eingesetzt. Durch die schlechten Lebensbedingungen, die stark rationierte Nahrung und die tägliche schwere Arbeit, verstarb er am 11. Januar 1940 neben acht Mithäftlingen. Im "Totenbuch" wurde die Uhrzeit 15:20 Uhr mit dem Vermerk "Herz- und Kreislaufschwäche und Lungenentzündung" notiert.
Da es zur damaligen Zeit noch kein Krematorium im Lager gab, wurde er im Krematorium des Urnenfriedhofs am Tabor der Stadt Steyr in Oberösterreich („Verein Flamme“) eingeäschert.
Aus Erzählungen ist bekannt, dass seine Ehefrau Ella Baum die Todesnachricht per Post erhielt und man ihr die Urne schicken wollte. Sie lehnte dies jedoch ab, mit der Aussage: „Ihr habt mir meinen Mann genommen und ich weiß überhaupt nicht, ob es sich um Emils Asche handelt.“
So geriet Emil Baum etwas in Vergessenheit und begann erst durch meine Recherche, Stückchen für Stückchen wieder zu existieren.
Im November 2015 entdeckte man im Rahmen von Bauarbeiten auf dem Urnenfriedhof in Steyr 83 Aschekapseln, u.a. auch die von Emil Baum. Jedoch konnte man die Urne nicht genau zuordnen, da sich in den Unterlagen bezüglich des Geburtsortes ein Fehler eingeschlichen hatte. Doch durch die großartige Arbeit des Archivs in Wien konnte man die Urne jetzt genau zuordnen und es handelt sich tatsächlich um Emil Baum. Nun ist es möglich, Emil Baum nach fast 80 Jahren voraussichtlich zurück in seine pfälzische Heimat zu seinen Nachkommen zu überführen und zu bestatten.
Emil Baum wird in seinen Nachkommen weiterleben und hoffentlich nie mehr vergessen werden.
Hoffentlich wird es eine Zeit wie die im Nationalsozialismus nie mehr geben!
Kindsbach, April 2017
Daniel Engel
Urenkel von Emil Baum
Position im Raum

