Wilhelm Munz 1903 - 1943

Geboren 24.7.1903 in Remseck am Neckar
Gestorben 14.3.1943 in Gusen

Biografie

Wilhelm Munz wurde am 24. Juli 1903 in der württembergischen Gemeinde Neckarrems, die heute zur Stadt Remseck am Neckar gehört, geboren. Seine Eltern heirateten erst ein Jahr nach seiner Geburt. Der Vater stammte aus einer Taglöhnerfamilie aus Schwäbisch Hall, und die aus Neckarrems stammende Familie der Mutter hatte einen bäuerlichen Hintergrund. Nach der Eheschließung zogen die Eltern mit ihrem Sohn in eine gemeinsame Wohnung in Stuttgart, wo der Vater als Straßenbahnfahrer arbeitete. In den folgenden Jahren bekamen Wilhelms Eltern vier weitere Söhne, von denen zwei im Säuglingsalter verstarben.

In seiner von Armut geprägten Kindheit fiel Wilhelm immer wieder durch Bagatelldiebstähle auf, was darin gipfelte, dass seinen Eltern 1915 die Vormundschaft entzogen wurde. Er kam in staatliche Fürsorgeerziehung und wurde in der Erziehungsanstalt Tuttlingen untergebracht. Kurz nachdem er 1917 nach einer Unterbrechung wieder nach Tuttlingen kam, wurde er wegen eines Diebstahls zum ersten Mal strafrechtlich verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt war er erst 13 Jahre alt.

Nach seiner Entlassung aus dem Kinderheim begann Wilhelm 1918 eine Sattlerlehre in Stuttgart, die er aber nach kurzer Zeit wieder abbrach. Als er dann nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in einem Erholungsheim eine schwere Lungenerkrankung auskuriert hatte, begann er eine zweite Lehre als Konditor in einem Stuttgarter Café. Da er dort 1920 bei kleineren Diebstählen erwischt wurde, verlor er seine Lehrstelle und wurde zum zweiten Mal gerichtlich bestraft. Von da an schlug sich Wilhelm als Hilfsarbeiter durch und beging immer wieder aufs Neue verschiedene Eigentumsdelikte wie Diebstahl, Unterschlagung, Betrug und Urkundenfälschung, wegen denen er mehrere Haftstrafen in den Landesgefängnissen Schwäbisch Hall und Rottenburg verbüßen musste.

Direkt nach einer Haftentlassung heiratete Wilhelm 1927 seine Frau Maria, die er damals in der Erziehungsanstalt Tuttlingen als Jugendlicher kennengelernt hatte. Maria, die selbst schon eine Zuchthausstrafe wegen Meineids verbüßen musste, war bei der Eheschließung bereits von einem anderen Mann schwanger gewesen, welcher sie aber sitzen gelassen hatte. Wilhelm jedoch akzeptierte sein Stiefkind voll und ganz als seine Tochter.

Auch nach seiner Eheschließung stand Wilhelm wegen neuer Straftaten vor Gericht und musste die Urteile im Landesgefängnis Schwäbisch Hall absitzen. Im Jahr 1930 wurde er dann wegen zweier unbegreiflicher Sexualstraftaten, die er in den Jahren 1930 und 1928 an zwei Kindern begangen hatte, verurteilt. Er wurde mit zwei Jahren Zuchthaus bestraft und verbüßte diese in der Landesstrafanstalt Ludwigsburg. Trotz dieser zwei schweren Taten scheiterte der Scheidungsantrag seiner Ehefrau Maria vor Gericht. Während der Haftzeit in Ludwigsburg wurde Wilhelms erstes leibliches Kind, eine Tochter, geboren. In der Zeit nach seiner Entlassung bekamen er und Maria später noch zwei gemeinsame Söhne.

Im weiteren Verlauf seines von Arbeitslosigkeit bestimmten Lebens beging Wilhelm weiterhin verschiedene Eigentumsdelikte und wurde in Folge dessen wiederholt verurteilt, wobei ihm nach der Machtergreifung Hitlers die neuen Gesetze der Nationalsozialisten schließlich zum Verhängnis wurden. Am 11. April 1934 wurde er vom Schöffengericht Stuttgart aufgrund des Gewohnheitsverbrechergesetzes als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“ zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht neben dieser Strafe die folgenschwere Sicherungsverwahrung an. Im Anschluss an die Zuchthausstrafe, die wieder in der Landesstrafanstalt Ludwigsburg vollstreckt worden war, wurde Wilhelm in das Landesgefängnis Schwäbisch Hall überstellt, da er dort eine noch ausstehende Gefängnishaftstrafe von zehn Monaten abzuleisten hatte, bevor er dann am 13. März 1936 zum Vollzug der unbefristeten Sicherungsverwahrung in die Sicherungsanstalt Straubing eingeliefert wurde.

In Straubing begann eine harte Zeit für Wilhelm. Schon kurz nach seiner Einlieferung brachte Maria eine dritte Tochter zur Welt, die allerdings nicht von ihm stammte. Im Jahr 1938 dann wurde Wilhelms ältester Bruder in Stuttgart wegen eines Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet. Und im Jahr 1939 gelang es Maria endlich, die Ehescheidung gerichtlich durchzusetzen. Nach sieben zermürbenden Jahren der Sicherungsverwahrung in Straubing wurde Wilhelm dann vom 7. auf den 8. Januar 1943 infolge des Himmler-Thierack-Abkommens zur „Vernichtung durch Arbeit“ mit einem Sammeltransport in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert, von wo aus er am 13. Januar 1943 in das Zweiglager Gusen überstellt wurde, wo er schließlich am 14. März 1943 ums Leben kam.

Thomas Kröner, Urenkel von Wilhelm Munz

 

Quellen:

  • Arolsen Archives, ITS Digital Archive: 1.1.26.1/1277692, 1.1.26.1/1321086 u. 7.6.1/120880343.
  • Bundesarchiv Berlin: R 3001/186915 (Register-Nr. 55/1938).
  • Staatsarchiv Landshut: JVA Straubing B 9 (Gefangenen-Nr. 558).
  • Staatsarchiv Ludwigsburg: E 191 Bü. 5250 (Jahresbericht 1915/1916 S. 11 u. 12); E 356 a I Bd. 69 (Gefangenen-Nr. 213); E 356 a I Bd. 70 (Gefangenen-Nr. 38); E 356 a I Bd. 72 (Gefangenen-Nr. 604); E 356 a I Bd. 76 (Bl. 176); E 356 a I Bd. 79 (Bl. 93); E 356 d III Bü. 1113; E 356 d V Bü. 387; F 302 II Bü. 1251.
  • Stadtarchiv Remseck am Neckar: Standesamt Neckarrems Geburtenregister Nr. 8/1903.
  • Stadtarchiv Stuttgart: Standesamt Stuttgart Familienregister Bd. 108 S. 360.
  • Standesamt Stuttgart-Hedelfingen: Familienregister Bd. 8 Bl. 116.
  • Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg: Glasnegativplatten mit Aufnahmen von Wilhelm Munz (Gefangenen-Nr. 5244, zwei erkennungsdienstliche Aufnahmen der Landesstrafanstalt Ludwigsburg vom November 1930 und eine Privataufnahme ebenda vom Juni 1932).

Position im Raum