Stanisław Antoniewicz 1922 - 1944
Geboren 20.9.1922 in Międzychód
Gestorben 20.1.1944 in Gusen
Biografie
Stanisław Antoniewicz kam mit einem Sammeltransport aus Posen in das Deutsche Reich und wurde vom Berliner Arbeitsamt zur Arbeit bei der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik in Berlin-Borsigwalde verpflichtet. Er wohnte im Gemeinschaftslager für polnische Zivilarbeiter in Berlin-Schönholz. Am 26. April 1942 entwendete er zusammen mit vier anderen Zwangsarbeitern ein paar Kleidungsstücke aus einem Lagerraum des Heeresbekleidungsamtes. Zur Sache verhört sagte Stanisław aus: „Mir war bekannt, dass ich das Lager nach 21 nicht mehr verlassen darf. Meine Kameraden sagten, dass sie sich die Konstruktion auf dem Gelände anschauen wollen“. Damit bestritt er den Diebstahl, obwohl er am Tatort versteckt in einer Kiste festgenommen wurde. Aus der Untersuchungshaft schickte er Mitte Juli 1942 einen polnisch-sprachigen Brief an seinen besten Freund im Gemeinschaftslager, der zwecks Zensur von einem Gerichtsdolmetscher ins Deutsche übersetzt wurde:
„Lieber Kollege, heute sind 11 Wochen verflossen seit der Zeit, wie wir ohne Verabschiedung auseinandergegangen sind. Ich hatte noch keinen Termin. Ich weiß nicht, was es ist. Ich bin noch gezwungen zu dulden und zu warten. Mit jedem vergehenden Tag verliere ich Hoffnung auf eine baldige Rückkehr. Durch Kollegen habe ich mir den ganzen Sommer ruiniert. Mit jedem Tage werde ich nervöser, und zwar zu solchem Grade, dass ich die Arbeit, welche ich für Woche erhalte, schon in drei Tagen erledige. […] Der Täter wird für das, was er gemacht hat, vor Gott schwer büßen müssen. Er hat auf lange Tage vier Leute in die Gefängniszelle gebracht. Er hat uns auf dem Gewissen.“
Aus dem Brief geht es hervor, dass er sich zum Diebstahl überreden ließ und dies schwer bereut. Am 11. August 1942 verurteilte das Berliner Sondergericht die Angeklagten „wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls nach Polenstrafrechtsverordnung zu verschärftem Straflager von 5 Jahren.“ Nach dem Urteil wurden sie dem Straflager in Wronki zugeführt, von wo sie zum KZ Mauthausen gebracht wurden. Stanisław starb in Gusen nach einem Jahr schwerster Arbeit.
Quellen:
Personalakte von Stanisław Antoniewicz, in: Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 12 C Berlin II/6679 (Bestand: Staatsanwalt beim Sondergericht Berlin II)
Personalakte von Stanisław Antoniewicz, in: Bundesarchiv Berlin, R 3001/124607 (Bestand: Reichsjustizministerium)
Autorin: Dr. Katarzyna Woniak – Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Position im Raum

