Wilhelm Jackisch 1894 - 1944
Geboren 27.5.1894 in Tillowitz / Tułowice
Gestorben 25.8.1944 in Gusen
Biografie
Wilhelm Jackisch, geboren am 27. Mai 1894 in Tillowitz (heute: Tułowice, Polen) als Sohn des Oberdrehers Wilhelm Jackisch, besuchte die Volksschule und absolvierte direkt im Anschluss eine Schlosserausbildung. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg 1918 erhielt er im Oppelner Wagenwerk, dem späteren RAW Oppeln, eine Anstellung in seinem Beruf. Er engagierte sich in der KPD, der er direkt nach ihre Gründung 1920 beigetreten war und als Mitglied einer „freien Gewerkschaſt“. Nachgewiesen ist, dass seine Arbeitskollegen Jackisch mindestens 1931 in den Betriebsrat wählten, dem er bis zu seiner Maßregelung 1933 angehörte. Als Mitglied im „Roten Eisenbahnerverband Oberschlesiens“ fungierte er auf seiner Arbeitsstelle spätestens ab 1932 außerdem als Betriebszellenleiter.
Wilhelm Jackisch fiel mit einigen seiner Kollegen bereits im März 1933 einer Verhaſtungswelle zum Opfer und kam für sechs Wochen in „Schutzhaſt“. In der Folge wurde er bei der Deutschen Reichsbahn entlassen. Nach seiner Schutzhaſtentlassung beteiligte er sich nach Angaben seiner Ehefrau am Widerstandskampf indem er sich in den illegalen „Zeitschriſtenvertrieb“ einbrachte.
Am 10. Januar 1934 wurde er erneut auf der Basis eines Haſtbefehls vom Amtsgerichts Oppeln polizeilich festgenommen und in das Gerichtsgefängnis Oppeln eingeliefert, von wo ihn die Nationalsozialisten später in das Untersuchungsgefängnis nach Breslau verlegten. Am 13. Juni 1934 verurteilten ihn die NS-Richter zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe wegen „Sprengstoffvergehens und Waffenbesitz“. Während seiner anschließenden Inhaſtierung erlebte er eine Odyssee durch verschiedene Zuchthäuser und Konzentrantrationslager. So war er inhaſtiert im KZ Sonnenburg, in den Zuchthäusern Luckau und Groß-Strehlitz, später im Zuchthaus Brandenburg-Görden, bis er schließlich in das KZ Mauthausen nach Österreich und von dort in dessen Außenlager Gusen verschleppt wurde.
Wilhelm Jackisch starb am 25. August 1944 im Zweiglager Gusen des KZ Mauthausen. Gemäß der amtlichen Todesmitteilung, die von dort an seine Ehefrau Martha gesandt wurde, hatte er sich krankgemeldet und war zur ärztlichen Behandlung in den Krankenbau gesteckt worden. Die NS-Organe teilten ihr darin außerdem mit: „Es wurde ihm die bestmöglichste und pflegerische Behandlung zuteil. Trotz aller angewandten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht der Krankheit Herr zu werden. Ihr Ehegatte starb ohne letzte Wünsche geäußert zu haben“.
Die Ehefrau gab im Antragsbogen auf Anerkennung als Verfolgte des Naziregimes und Opfer des Faschismus Urämie (Urin im Blut) als Todesursache an. Jackischs einstiger Kollege und späterere Minister für Eisenbahnwesen in der DDR, Roman Chwalek, schrieb dagegen: „Er ist in diesem Konzentrationslager infolge Unterernährung und der durchgemachten Strapazen und Drangsalierungen am 25. August 1944 verstorben.“
Eberhard Podzuweit, Wissenschaftler/Forscher (2025)
Quellen
Bundesarchiv (BArch), DY 55/V 278/2/147, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), Generalsekretariat
BArch, DY 55/646, VVN, Sammlung von Todeslisten aus der gesamten DDR
BArch, DY 55/V 287/990, VVN, Brandenburg, Forschungsinstitut Brandenburg des Landesarchivs Potsdam
BArch, R 3018/8002, Nationalsozialistische Justiz, Ermittlungsakten gegen Todt und Genossen
Landesarchiv Sachsen-Anhalt, MD, K 6-1, Nr. 4181, VdN-Betreuungsakte Martha Jackisch
Auskunft der KZ-Gedenkstätte Mauthausen vom 31.01.2018
KZ-Gedenkstätte Mauthausen│Mauthausen Memorial, AMM/50, Transportliste; AMM/Y36b, Auszug Häſtlingsbuch und AMM/1/1/6, Auszug Totenbuch KZ Gusen
Position im Raum

