Vasco Fratini 1901 - 1944

Geboren 26.2.1901 in Prato
Gestorben 31.5.1944 in Hartheim

Biografie

Vasco Fratini wurde am 26. Februar 1901 in Prato geboren. Er war unverheiratet und ein alter Bekannter der faschistischen Polizei.

Aufgrund seiner Aktivitäten in der Untergrundorganisation des Partito Comunista Italiano zählte er zu den politisch Verfolgten und war auch bereits in Haft geraten.

Er ging nach Frankreich in die Emigration, war aber wegen mangelnder Unterstützung und Arbeit wieder in seine Stadt zurückgekehrt, wo er in der Textilfabrik Campolmi, die eine der bedeutsamsten Fabriken war, Arbeit fand. Nachdem er verwarnt worden war, wurde Fratini ständig von der Polizei kontrolliert, die jeden Tag um 21 und um 23 Uhr zu ihm nachhause oder in die Fabrik kam.

Nach dem Streik vom März 1944 war es für die republikanische faschistische Miliz also ein Leichtes, ihn unmittelbar danach in seiner Wohnung zu verhaften. Man brachte ihn zuerst ins Castello dell’Imperatore, dem Sitz der Guardia Nazionale Repubblicana (Nationalrepublikanische Garde, GNR) von Prato und dann nach Florenz in die Leopoldinischen Schulen. Am 8. März 1944 wurde er schließlich mit dem Transport der Streikenden nach Mauthausen deportiert, wo man ihm die Häftlingsnummer 57.138 zuwies.

Die Lebensbedingungen im Lager müssen für ihn besonders schwer gewesen sein, da seine Gesundheit angegriffen war und er mit Magenproblemen zu kämpfen hatte. Dennoch gelang es ihm, fast sieben sehr lange Monate durchzuhalten. Nachdem er arbeitsunfähig geworden war, fand eine Selektion statt, in der festgestellt wurde, dass er als Sklavenarbeiter für das Dritte Reich nicht mehr verwendbar war. Man brachte ihn ins „Euthanasie“-Zentrum Schloss Hartheim, was bedeutete, dass er für den grausamen Tod in der Gaskammer ausgewählt worden war. Laut Zeugenberichten und neuen Dokumenten wissen wir heute, dass Fratini am 31. Mai 1944 und nicht, wie in offiziellen Dokumenten behauptet wird, am 27. September 1944 ermordet wurde. Die SS versuchte, die Massenermordungen der „arbeitsunfähigen“ Häftlinge in der Gaskammer zu vertuschen, indem sie das Todesdatum von vielen Opfern aus Hartheim willkürlich änderte und auf einen späteren Zeitpunkt festsetzte.

Camilla Brunelli

Museo della Deportazione e Resistenza, Prato / ANED Prato / Fondazione memoria della Deportazione

 

Quellen:

Fondazione Museo e Centro di documentazione della Deportazione e Resistenza, [Museums-]Führer-Katalog, Verlagsprojekt, Hrsg. Camilla Brunelli, Prato 2010 (2014)

Il libro dei deportati, Forschungsarbeit unter der Leitung von Brunello Mantelli und Nicola Tranfaglia, mit Unterstützung durch die ANED-Associazione Nazionale Ex-Deportati, Band I, I deportati politici 1943-1945 (Hrsg.: Giovanna D’Amico, Giovanni Villari, Francesco Cassata), Mailand, Mursia, 2009

Michele Di Sabato, Il sacrificio di Prato sull’ara del Terzo Reich, La Nuova Fortezza, Livorno 1987.

Michele Di Sabato, Dalla diffida alla pena di morte: le persecuzioni degli antifascisti nel pratese, Pentalinea, Prato 2003.

Camilla Brunelli, Vasco Fratini, S. 69-76 in: Florian Schwanninger, Irene Zauner-Leitner (Hrsg.) Lebensspuren.

Biografische Skizzen von Opfern der NS-Tötungsanstalt Hartheim, Studienverlag, 2013 Innsbruck.

 

 

Position im Raum